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Thomas Mann und die Demokratie : Was wir zu verlieren haben

Thomas Mann Bild: Literaturhaus München / Katalog

Münchens Literaturhaus aktualisiert das Demokratieverständnis von Thomas Mann. Dabei begeistert die Ausstellung „Democracy Will Win“ mit einer klugen Szenographie.

          4 Min.

          Das Haus eines Schriftstellers ist für vier Monate in ein anderes Gebäude eingezogen: ins Münchner Literaturhaus. Man könnte das eine Rückkehr nennen, denn hier in München hat Thomas Mann von 1894 bis 1933, dem Jahr des Beginns der Hitler-Herrschaft, gelebt. Danach nahm er Exil in der Schweiz, Frankreich und den Vereinigten Staaten, wo er sich 1944 einbürgern ließ. Politisch aber war Amerika schon länger seine Heimat, denn im Weißen Haus in Washington residierte damals mit Franklin D. Roosevelt ein Präsident, den Thomas Mann rückhaltlos bewunderte. In seinem Nachruf auf Roosevelt verglich er ihn 1945 mit Cäsar, dem Mann, dessen Tod die römische Republik nicht lange überlebte. Auch in Amerika sah Thomas Mann bald nur noch politischen Niedergang: McCarthys antikommunistische Repressionen erinnerten ihn fatal an den Beginn des Nationalsozialismus. 1952 verließ er deshalb Amerika wieder; was von ihm blieb, war sein eigenes weißes Haus, das der Schriftsteller im kalifornischen Pacific Palisades hatte errichten lassen.

          Andreas Platthaus

          Verantwortlicher Redakteur für Literatur und literarisches Leben.

          Da steht es immer noch; seit 2016 ist es im Besitz der Bundesrepublik, die dort ein Residenzhaus geschaffen hat, das abermals zum intellektuellen Bollwerk der Demokratie werden soll, das es vor mehr als siebzig Jahren war, als Mann dort seine Rundfunkreden gegen Hitler schrieb und publizistisch gegen den Verfall der Demokratie in Amerika kämpfte. Er lebte im dortigen Exil vor, was Hannah Arendt das „Wagnis der Öffentlichkeit“ genannt hat.

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