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Duzen in den Medien : Du und ich

  • -Aktualisiert am

Per Du: Caren und Ingo von den „Tagesthemen“. Bild: dpa

Ob bei ARD oder RTL: Überall im Fernsehen – und auch außerhalb – wird geduzt. Wir sind eben doch eine große Familie! Besonders in Krisenzeiten, oder meinen Sie, Sie gehören nicht dazu?

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          Na klar: man guckt in diesen Zeiten ohne Kino-, ohne Konzert-, ohne Gastronomie-, ohne Museumsbesuch mehr Fernsehen. Und die öffentlich-rechtlichen Fernsehanstalten geben sich Mühe, uns aufzunehmen, ja einzubinden in die wunderbare Fernseh-Familieneinheit. Schon längst ist Schluss mit dem förmlichen „Sie“, in einer Familie duzt man sich. Caren Miosga befragt Anne in Brüssel, Petra Gerster unterhält sich mit Theo oder gibt weiter an Matthias (Hallo, Matthias) und sein Politbarometer, Claus Kleber verspricht für den nächsten Abend Marietta und Heinz, Ingo Zamperoni scherzt mit Sven, Barbara Hahlweg freut sich auf den Sport mit Norbert.

          Und an dieser Stelle eine Bitte: Lieber Norbert, wie lange muss ich mir schon Dein „Einen schönen guten Abend auch von mir“ anhören? Auch wenn mich die Sportnachrichten nicht besonders interessieren, bitte, lieber Herr Lehmann, könnten Sie sich nicht mal ein paar Variationen ausdenken? Immerzu die gleiche Begrüßung. Da könnte man doch ein bisschen Spannung hineinbringen! Vielleicht würde ich dann sogar einige Minuten Sportberichte anschauen.

          Sie wollen sich doch nicht etwa ausschließen?

          Als Frankfurterin schalte ich natürlich auch die „Hessenschau“ ein, meine lokale Familie. Da sind Martin oder Andreas oder Hülya oder Claudia mit den Nachrichten, da unterhält sich Kristin mit Heike Borufka über ein heikles Gerichtsurteil, sozusagen ein vertrauliches Gespräch von Du zu Du. Dass wir alle eine große Familie sind, das hat RTL zu seinem Werbeslogan gemacht: „Mein RTL, Willkommen zu Hause“ – ja, da fühlt man sich sofort aufgenommen und findet es ganz normal, dass Peter Kloeppel den Sport weitergibt an Ulrike.

          Hanne Kulessa
          Hanne Kulessa : Bild: Frank Röth

          Zu Hause ist eben Zuhause. Ich glaube, es war Ikea, das schöne, billige praktische Zuhause, das mich zuerst duzte. Dann folgten die Kellner und Kellnerinnen, die jeden Gast, jede Gästin (!), egal welchen Alters duzten. Wir sind eben doch, zweifelsohne, eine große Familie! Besonders in Krisenzeiten, oder meinen Sie, Sie gehören nicht dazu? Sie wollen sich doch nicht etwa ausschließen? Nein, mach das nicht. Sonst bist Du, aber Hallo! ganz allein zu Haus.

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