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Wie man Streit schlichtet : Sieg des Kängurus

Ein Affe? Ein Luftballon! Bild: ZB

„Schnick, Schnack, Schnuck“ ist nicht nur etwas für Menschen: Forscher haben Affen darauf trainiert. Freunde von Marc-Uwe Klings „Känguru-Trilogie“ wird die tierische Cleverness nicht überraschen.

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          Das Spiel „Schnick, Schnack, Schnuck“ oder „Schere, Stein, Papier“ gilt als ein exzellentes Mittel, um Streitfragen so zu lösen, dass sich hinterher niemand beschweren kann: Weil Karten und Würfel fehlen, ist die Entscheidung über Sieg und Niederlage keine Frage von Glück oder Unglück. Denn wer die Hand als Fläche ausstreckt („Papier“), kann die gleichzeitig geballte Faust seines Gegners („Stein“) einwickeln und damit siegen; trifft er aber auf gespreizte Finger („Schere“), hat er verloren.

          In Wohngemeinschaften ohne Putzplan wird auf diese Weise gern darüber entschieden, wer den Dreck wegmacht. Das klingt gerecht, ist es aber nicht, wenn man den Autoren Douglas und Graham Walker glaubt, die eine zweihundert Seiten starke Anleitung geschrieben haben, mit deren Hilfe, so das Versprechen, jeder Gegner in die Knie gezwungen wird – denn der Erfolg im Schnick, Schnack, Schnuck sei in erheblichem Maß eine Frage von Menschenkenntnis. Umgekehrt gebe es eben Mitspieler, die aus Mangel an entsprechendem Talent häufiger verlieren als andere.

          Vorausschauende Hauptmieter könnten so die Mitbewohner mit Hilfe von Schnick, Schnack, Schnuck auswählen: Wer verliert, kriegt das WG-Zimmer. Und muss dann bis ans Ende seiner Tage den Abwasch machen, jedenfalls so lange, wie die Putzfrage auf diese Weise entschieden wird. Außer natürlich, er lernt dazu.

          Dass sogar Schimpansen dazu in der Lage sind, haben japanische und chinesische Forscher nun bewiesen. Am Ende des Trainings schnitten die Primaten in etwa so gut ab wie vierjährige Kinder.

          Die Freunde von Marc-Uwe Klings „Känguru-Chroniken“ wird das kaum beeindrucken, denn das titelgebende Beuteltier ist derart gewieft, dass es seine menschlichen Kontrahenten locker schlägt. Die allerdings sind schlicht genug gestrickt, schon weil sie gern an einmal gewählten Symbolen festhalten und daher leicht auszurechnen sind. Und das Känguru beherrscht als ausgezeichneter Psychologe sogar die Königsdisziplin des absichtlichen Verlierens. Mag sein, dass die enorme Beliebtheit des Kängurus dazu führt, dass das Spiel auf deutschen Schulhöfen inzwischen eine Renaissance erfährt. Allerdings ist es dort jüngst um eine unerfreuliche Variante bereichert worden. Ihr Name: „Schnick, Schnack, Schmerz“. Was dem Verlierer blüht, kann man sich denken.

          Tilman Spreckelsen
          Redakteur im Feuilleton.

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