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Katalanischer Präsident : Raus mit den Bestien!

Quim Torra spricht in Madrid mit der Presse Bild: EPA

Er hasst Spanien und die spanische Sprache; er propagiert Rassismus, Xenophobie und völkisches Denken der übelsten Sorte: Wie Kataloniens neuer Präsident Quim Torra den Hass predigt.

          3 Min.

          Einer der größten Marketingerfolge des katalanischen Separatismus ist die besondere Aura, die er um das eigene politische Programm gesponnen hat. Wer „Katalonien“ hört, denkt an friedliche Demonstrationen, farbenfrohe Fahnen, lächelnde Kinder. Die Rhetorik der Politiker passt dazu. Ein unabhängiges Katalonien werde proeuropäisch, demokratisch und sozial sein, versichern sie, eine offene Gesellschaft für alle, die bereit wären – nun ja, irgendwie mitzumachen. Genauer wird es nicht gesagt. Reicht es nicht, in diese lieben Gesichter zu blicken und dem besten Fußballer der Welt zuzujubeln?

          Paul Ingendaay

          Europa-Korrespondent des Feuilletons in Berlin.

          In einer Zeit verwahrloster Ideale hat der Appell an eine Politik des Herzens unleugbare Anziehungskraft. Die Fans solcher Versprechungen lassen sich auch nicht von den Rechtsbrüchen irritieren, mit denen die katalanische Regionalregierung letzten Herbst die spanische Verfassung außer Kraft setzte und sich auf Geisterfahrt begab.

          Doch jetzt liegen die Karten auf dem Tisch. Der Jurist und ehemalige Verleger Quim Torra, der soeben in Barcelona das Amt des katalanischen Regionalpräsidenten übernommen hat, propagiert Rassismus, Xenophobie und völkisches Denken der übelsten Sorte. Torra, fünfundfünzig Jahre alt, ein Vertrauter Puigdemonts, hasst Spanien und die spanische Sprache. Er hat es oft gesagt und geschrieben, zum Beispiel in Tweets wie diesen: „Wir Katalanen wählen, und die Spanier kommen, um uns zu überwachen. Ein für alle Mal: raus hier!“ Oder: „Die Spanier können nur plündern.“ Oder: „Scham ist ein Wort, das die Spanier schon vor Jahrhunderten aus ihrem Wörterbuch gestrichen haben.“

          Während die Vertreter der Oppositionsparteien entgeistert sind, scheint es den Separatisten schon genug zu sein, kurz vor Verstreichen der gesetzlichen Frist einen Kandidaten durchgebracht zu haben. Dabei hätten sich wohl auch Hardliner des Separatismus gern unter den Bänken des Parlaments verkrochen, als die katalanische Ciudadanos-Chefin Inés Arrimadas vor ein paar Tagen aus einem unfassbaren Torra-Artikel zitierte: „Jetzt schaust du auf dein Land (Katalonien) und siehst die Bestien wieder miteinander sprechen“, heißt es darin. Keine Frage, wer gemeint ist: die Spanier. Die „Aasfresser, Vipern, Hyänen“, veritable „Bestien in menschlicher Form, die Hass ausstrahlen. Einen gestörten, ekelerregenden Hass, wie mit einem von Schimmel überzogenen künstlichen Gebiss, Hass gegen alles, was die (katalanische) Sprache repräsentiert.“

          Dass soll keine Parodie sein. „Sie sind hier, unter uns. Jeden Ausdruck des Katalanischen finden sie widerwärtig. Es ist eine krankhafte Angst. Etwas Freudianisches steckt in diesen Bestien. Oder ein Knick in ihrer DNA-Kette. Arme Wesen! Leben in einem Land, von dem sie nichts verstehen: nicht seine Kultur, seine Überlieferung, seine Geschichte (...) Die Bestien haben Namen und Vornamen. Wir alle kennen welche. Sie leben, sterben und vermehren sich.“ Dann Torras Gegenwartsbezug, damals vor zehn Jahren, der Ruf nach Veränderung: „Wann werden die Angriffe der Bestien aufhören? Wie können wir im Jahr 2008 solche Schikane, solche Demütigung und Verachtung ertragen?“

          „Wir“, das ist für Torra das „Volk“, das in seinem „Land“ nicht in Ruhe gelassen wird, das „seit 1714 von Spaniern besetzt“ ist, wie er 2013 in einem Tweet schrieb. Mehr als nur ein Hauch von Eugenik und Diskriminierung aufgrund rassischer Merkmale – „ein Knick in ihrer DNA-Kette“! – weht durch Torras Texte. In Anspielung auf die kräftigen Zähne der damaligen spanischen Verteidigungsministerin (und Katalanin) Carme Chacón schrieb er höhnisch von einem „Gebiss im Dienste Spaniens“.

          Die Organisation SOS Racisme Catalunya hat die Aussagen des neuen Ministerpräsidenten jetzt als „gefährlich, unverantwortlich und nicht hinnehmbar“ bezeichnet. Die inkriminierenden Tweets hat Torra inzwischen gelöscht. Seine wüsten Artikel jedoch werden uns als Zeugnis seines Denkens erhalten bleiben. Seine Reaktion? „Falls jemand sich beleidigt fühlen sollte, bitte ich um Entschuldigung, denn Beleidigung lag nicht in meiner Absicht.“ Bitte? Wenn solche Sätze nicht als Beleidigung gemeint waren, dann können sie nur in ihrem eigentlichen, noch viel dunkleren Sinn gelesen werden: als beabsichtigte Tatsachenbehauptungen.

          Auch das „falls“ ist eine Frechheit, denn es heißt so viel wie: „Eigentlich weiß ich nicht, worüber ihr euch so aufregt, aber wenn ihr unbedingt die Mimosen spielen müsst, dann sage ich eben, es tut mir leid. Aber nur, weil ihr darauf besteht.“

          Für alle Bürger Kataloniens mit doppelter Identität und besonders die Mehrzahl der Bewohner Barcelonas ist es ausgeschlossen, in Torra den obersten Repräsentanten ihrer Region zu sehen. Denn dieser katalanische Hassprediger ist gekommen, um zu spalten, nicht zu versöhnen. Eine schreckliche Wahl.

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