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Transgender gegen J.K. Rowling : Unter Druck

  • -Aktualisiert am

„Dem werde ich mich nicht beugen“: J. K. Rowling erklärt sich auf ihrer Website. Bild: Reuters

Joanne K. Rowling hat offenbar ein Tabu gebrochen. Sie möchte, dass Frauen als Frauen bezeichnet werden, nicht als „Personen, die menstruieren“. Das passt der Transgender-Lobby nicht. Nun gibt es sogar in ihrem Verlag Probleme.

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          Erst wenden sich die Schauspieler gegen Joanne K. Rowling, denen sie mit ihren „Harry Potter“-Büchern eine Weltkarriere ermöglicht hat, nun britische Mitarbeiter der Verlagsgruppe, der sie immer wieder ein kräftiges Umsatzplus beschert hat und in der ihr nächstes Kinderbuch „The Ickabog“ erscheinen soll: Bei Hachette, so berichtet die „Daily Mail“, weigern sich junge, politisch linksliberal und „woke“ eingestellte Angestellte, weiter an der Print-Publikation der von Rowling angekündigten, in Teilen als Pandemie-Trost schon online erschienenen Geschichte mitzuarbeiten – als Zeichen des Protests gegen die als vermeintlich transphob gebrandmarkten Äußerungen der Autorin.

          Seit sie sich auf Twitter gegen die gendersprachliche Bezeichnung von Frauen als „Personen, die menstruieren“ gewendet und in einem Essay auf ihrer Website weiter ausgeführt hatte, dass sie als früheres Opfer männlicher Gewalt in der Negierung des biologischen Geschlechts unter anderem die Bedrohung von Schutzräumen für Frauen sieht, ist eine Welle der Empörung angeschwollen, deren Kamm sich nun offenbar im Wunsch nach Ächtung nicht nur der gesellschaftspolitischen Wortmeldungen Rowlings, sondern auch ihrer literarischen Werke bricht. Die Leitung von Hachette stellt sich zwar, wie die den nächsten „Phantastische Tierwesen“-Film produzierenden Warner Bros., hinter die Schriftstellerin und teilt mit, man betrachte die Freiheit der Rede als Grundpfeiler des Verlagsgeschäfts. Wenn Angestellte einen Band nicht betreuen wollten, dessen Inhalt ihnen persönlich widerstrebe, gehe das in Ordnung. Aber die Ansichten des Literaten jenseits des Buchs stünden nicht zur Diskussion.

          Den Disput um einen Künstler von seinem Werk zu trennen – das ist bei Hachette schon einmal schiefgegangen, als es um die Autobiographie Woody Allens ging. Massive interne Proteste hatten dort deren Publikation verhindert. Bei Allen steht der Vorwurf im Raum, eine Adoptivtochter sexuell missbraucht zu haben – ein massiver Straftatbestand. Und es ging um die von ihm verfasste Selbstdarstellung. Bei Rowling geht es um werkferne, nicht justitiable Äußerungen, die im Kontext der britischen Debatte um die Festschreibung von Transgenderrechten im Gender Recognition Act zu sehen sind.

          Die ideologische Wucht, mit der ihr vorgeworfen wird, sich außerhalb des Sagbaren zu bewegen, lässt diesen Unterschied fast vergessen. Protagonisten der von Rowling inspirierten Fandom-Szene im Internet sagen sich von der Schriftstellerin los, manche, um zu beteuern, ihre Figuren weiterhin zu lieben, andere, wie vom „Gayly Prophet Podcast“, um zu verkünden, künftig Rowlings Bücher, die auf diesen basierenden Filme und den Themenpark „Wizarding World of Harry Potter“ zu boykottieren. Als zauberte das weg, dass andere Menschen andere Perspektiven und Standpunkte haben können.

          Ursula Scheer
          Redakteurin im Feuilleton.

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