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Wie grün wollt ihr wohnen?

Der unterkühlte Minimalismus in den eigenen vier Wänden hat ausgedient. Jetzt schwappt die grüne Welle durch die Räume. Natürliche Materialien und Pflanzen sollen glücklicher machen und zugleich der Umwelt helfen. Manche verwandeln ihre Wohnung dafür sogar in einen Dschungel.

20. Januar 2022
Text: FLORIAN SIEBECK
Fotos: DANIEL FARÒ

Manchmal geht Mai Huy Thong Tran in den Wald und beobachtet Bäume. Er schaut sich an, wie sie Wind und Wetter trotzen. Und er stellt sich immer dieselbe Frage: Was formte sie? Der Berliner hat seit jeher eine enge Bindung zu Pflanzen, vor allem aber zu essbaren. Er glaubt an die heilende Kraft der Natur. In Berlin betreibt der Designer, der in einem Kloster in Vietnam aufwuchs, mit seinem Partner mehrere vegetarisch-vegane Restaurants. In seine Kreationen fließen Kräuter wie Koriander, Zitronengras, Pandanblätter ein. In die Welt der Bäume kommt er, als sein Bruder zeitweise einige Bonsai bei ihm unterbringt. „Ich fing an, sie für ihn zurückzuschneiden. Und merkte, wie erfüllend diese Arbeit ist.“ Mittlerweile zieht er selbst Bonsais heran und versucht die Natur möglichst detailgetreu zu imitieren. 30 Exemplare hat er zu Hause. „Man kann sich mehrere Stunden in einer Pflanze verlieren. Seither gehe ich mit anderen Augen durch die Welt.“

Eine Geschichte aus der aktuellen Ausgabe des Magazins der F.A.Z. „Frankfurter Allgemeine Quarterly“

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Viele Menschen in urbanen Räumen suchen nach einer Verbindung zur Natur. Die zunehmende Verstädterung hat zu einer Entfremdung geführt, als Gegenpol zu einer Welt, die einen mit politischen, klimatischen, sozialen – und neuerdings auch pandemischen – Zumutungen belastet, werden Rückzugsräume im Grünen geschaffen. Oder eher: grüne Rückzugsräume. „Für viele Menschen dienen Pflanzen nicht mehr nur der Dekoration. Sie erfüllen emotionale Bedürfnisse“, sagt Igor Josifovic-Kemper. Im Internet ist der Berliner ein kleiner Star: 2013 hat er mit der Grafikerin Judith de Graaff die „Urban Jungle Bloggers“ gegründet, die weltgrößte Plattform für Pflanzenliebhaber. Allein auf Instagram folgen ihnen über eine Million Menschen. Der „Plant Tribe“, wie sich seine Anhänger nennen, ist in Berlin zu Hause, in Teheran, Seoul und Los Angeles.

30 Bonsais hat Mai Huy Thong Tran schon großgezogen. „Man muss sehr geduldig sein“, sagt er. Und den Werdegang der Bäume verstehen.
30 Bonsais hat Mai Huy Thong Tran schon großgezogen. „Man muss sehr geduldig sein“, sagt er. Und den Werdegang der Bäume verstehen.
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