https://www.faz.net/-gqz-a5mka

Fliegen während der Pandemie : Wie Flugzeuge in der reisefreien Zeit genutzt werden

  • -Aktualisiert am

Dokument aus einer so fernen Zeit, dass sich mancher kaum noch daran erinnert: der Himmel voller Kondensstreifen Bild: dpa

Meditative Betrachtungen über dem Outback: Um finanzielle Verluste in der Corona-Krise auszugleichen, locken immer mehr Fluggesellschaften mit besonderen Angeboten. Der Phantasie sind dabei keine Grenzen gesetzt.

          2 Min.

          Manchmal sieht man dieser Tage wieder einen Kondensstreifen am Himmel, und dann bleiben manche Passanten stehen und schauen fast ungläubig nach oben – und man wunderte sich nicht, wenn Väter und Mütter ihre Kinder darauf aufmerksam machten und sagten: Denke dir nur, so sah früher einmal der gesamte Himmel aus, kreuz und quer diese Linien, mehr noch, als du im Unterricht auf die Rückseite deiner Schulhefte kritzelst. Und während die Verschwörungstheoretiker unter den Spaziergängern vor sich hin murmeln, dass sie nun wieder da seien, die Chemtrails und Comtrails, mit denen finstere Mächte Einfluss nehmen auf das Wetter, die Psyche der Menschen oder den Ausgang von Kriegen irgendwo auf der Welt, geht ein Strahlen über die Gesichter dieser Eltern, weil die Kondensstreifen für sie nicht nur den ewigen Traum vom Fliegen illustrieren, der schon die Steinzeitmenschen beschäftigt haben dürfte, wenn sie Vögel vorüberflattern sahen, sondern zugleich ein Gefühl von Freiheit, das für viele das Wesen des Reisens ausmacht.

          Aber wer weiß? Womöglich drehen die Flugzeuge bloß eine Runde, brechen nicht auf in die Ferne, sondern machen sich auf den Weg zu ihrem eigenen Parkplatz, geradeso wie Sonntagsausflügler, die bei ihren Rundwanderungen ja auch schon mit dem ersten Schritt zurück zu ihren Autos gehen. Um den finanziellen Verlusten durch die Corona-Krise ein wenig entgegenzusteuern, haben immer mehr Fluglinien sogenannte Panoramaflüge in ihr Programm genommen. Cathy Pacific bietet eine Dreiviertelstunde lang den Blick von oben auf Hongkong an, während Qantas seinen Passagieren für die meditative Betrachtung des Nichts im australischen Outback sieben Stunden Zeit lässt. Richtig spirituell wird es bei dem dreistündigen Flug von Thai Airways über neunundneunzig bedeutende buddhistische Stätten des Landes – unterwegs werden Mantras gesungen.

          Aber muss die Maschine denn überhaupt abheben? Könnte man die kleinen Fenster nicht durch LED-Bildschirme ersetzen und mit Filmen Flüge überall hin auf der Welt absolut CO2-neutral und deshalb auch ohne jegliche Gedanken an einen Emissionsausgleich simulieren, derweil die Flugbegleiter Essen und Getränke frei von jeglichen Turbulenzen an den Platz bringen? Immerhin hat jetzt eine ausgemusterte Boeing 747 von British Airways auf dem Cotswold Airport in der englischen Grafschaft Gloucestershire eine neue Aufgabe als Kino gefunden. Und was gebe es nicht alles an weiteren Ideen: vom engbestuhlten Restaurant mit dem Bordmenü als fliegendem Buffet bis zum unbequemen Schlaflager für anspruchslose Globetrotter. An Maschinen jedenfalls herrscht kein Mangel. Nahe Tucson sind momentan in der Wüste Arizonas mehr als dreitausend Flugzeuge geparkt – und warten auf ein neues Leben.

          Freddy Langer

          Redakteur im Feuilleton, zuständig für das „Reiseblatt“.

          Folgen:

          Weitere Themen

          „Yellowstone“ Video-Seite öffnen

          Trailer : „Yellowstone“

          Die erst Staffel der Serie „Yellowstone“ ist beim Streamingkanal Sony AXN zu sehen.

          Warten auf Weihnachten

          Kunstauktionen in Wien : Warten auf Weihnachten

          Im Dorotheum und bei Kinsky kommt alte und neue Kunst zum Aufruf. Von Jan Brueghel bis zu Christo reicht das adventliche Angebot.

          «Gabriel» von George Sand Video-Seite öffnen

          Spielplanänderung : «Gabriel» von George Sand

          Jella Haase, bekannt aus „Fack ju Göhte“ und „Berlin Alexanderplatz“, entdeckt unter der Regie der jungen Regisseurin Laura Laabs die Abgründe des kapitalistischen Systems und das anarchistische Wesen des weiblichen Geschlechts in einem bislang noch nicht uraufgeführten Text der französischen Schriftstellerin George Sand.

          Im Höhenrausch mit Ingeborg Bachmann

          Paul Celans 100. Geburtstag : Im Höhenrausch mit Ingeborg Bachmann

          Der jüdische Dichter aus Czernowitz wäre an diesem Montag hundert Jahre alt geworden. Mit seiner Geliebten Ingeborg Bachmann wagte Paul Celan die literarische Mondlandung – privat flogen sie aber nicht lange miteinander.

          Topmeldungen

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.