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Fliegen während der Pandemie : Wie Flugzeuge in der reisefreien Zeit genutzt werden

  • -Aktualisiert am

Ein Kunstwerk am Himmel: Die Kondensstreifen mehrerer Flugzeuge. Bild: dpa

Meditative Betrachtungen über dem Outback: Um finanzielle Verluste in der Corona-Krise auszugleichen, locken immer mehr Fluggesellschaften mit besonderen Angeboten. Der Phantasie sind dabei keine Grenzen gesetzt.

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          Manchmal sieht man dieser Tage wieder einen Kondensstreifen am Himmel, und dann bleiben manche Passanten stehen und schauen fast ungläubig nach oben – und man wunderte sich nicht, wenn Väter und Mütter ihre Kinder darauf aufmerksam machten und sagten: Denke dir nur, so sah früher einmal der gesamte Himmel aus, kreuz und quer diese Linien, mehr noch, als du im Unterricht auf die Rückseite deiner Schulhefte kritzelst. Und während die Verschwörungstheoretiker unter den Spaziergängern vor sich hin murmeln, dass sie nun wieder da seien, die Chemtrails und Comtrails, mit denen finstere Mächte Einfluss nehmen auf das Wetter, die Psyche der Menschen oder den Ausgang von Kriegen irgendwo auf der Welt, geht ein Strahlen über die Gesichter dieser Eltern, weil die Kondensstreifen für sie nicht nur den ewigen Traum vom Fliegen illustrieren, der schon die Steinzeitmenschen beschäftigt haben dürfte, wenn sie Vögel vorüberflattern sahen, sondern zugleich ein Gefühl von Freiheit, das für viele das Wesen des Reisens ausmacht.

          Aber wer weiß? Womöglich drehen die Flugzeuge bloß eine Runde, brechen nicht auf in die Ferne, sondern machen sich auf den Weg zu ihrem eigenen Parkplatz, geradeso wie Sonntagsausflügler, die bei ihren Rundwanderungen ja auch schon mit dem ersten Schritt zurück zu ihren Autos gehen. Um den finanziellen Verlusten durch die Corona-Krise ein wenig entgegenzusteuern, haben immer mehr Fluglinien sogenannte Panoramaflüge in ihr Programm genommen. Cathy Pacific bietet eine Dreiviertelstunde lang den Blick von oben auf Hongkong an, während Qantas seinen Passagieren für die meditative Betrachtung des Nichts im australischen Outback sieben Stunden Zeit lässt. Richtig spirituell wird es bei dem dreistündigen Flug von Thai Airways über neunundneunzig bedeutende buddhistische Stätten des Landes – unterwegs werden Mantras gesungen.

          Aber muss die Maschine denn überhaupt abheben? Könnte man die kleinen Fenster nicht durch LED-Bildschirme ersetzen und mit Filmen Flüge überall hin auf der Welt absolut CO2-neutral und deshalb auch ohne jegliche Gedanken an einen Emissionsausgleich simulieren, derweil die Flugbegleiter Essen und Getränke frei von jeglichen Turbulenzen an den Platz bringen? Immerhin hat jetzt eine ausgemusterte Boeing 747 von British Airways auf dem Cotswold Airport in der englischen Grafschaft Gloucestershire eine neue Aufgabe als Kino gefunden. Und was gebe es nicht alles an weiteren Ideen: vom engbestuhlten Restaurant mit dem Bordmenü als fliegendem Buffet bis zum unbequemen Schlaflager für anspruchslose Globetrotter. An Maschinen jedenfalls herrscht kein Mangel. Nahe Tucson sind momentan in der Wüste Arizonas mehr als dreitausend Flugzeuge geparkt – und warten auf ein neues Leben.

          Freddy Langer
          Redakteur im Feuilleton, zuständig für das „Reiseblatt“.

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