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Berlinale 2021 : Zwischen Nebelbänken

  • -Aktualisiert am

Im Februar 2020 fand die Berlinale ganz normal statt – das wird sich 2021 ändern müssen. Bild: dpa

Mit einer gewissen Sturheit wurde immer wieder betont, die nächste Berlinale werde schon irgendwie in Berlin stattfinden. Jetzt wandert die Veranstaltung wohl doch ins Internet – zumindest teilweise.

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          Film ist Frontgeschehen: Tom Cruise herrscht am Drehort des neuen „Mission Impossible“-Films Untergebene an, weil die sich nicht an die Seuchenhygiene halten, Joe Biden wünscht sich offenbar den ehemaligen Disney-Boss Bob Iger als neuen Botschafter der Vereinigten Staaten in China, und die Leitung der Berliner Filmfestspiele sagt die bis vor wenigen Stunden vorgesehene Austragung der Berlinale im Februar 2021 ab – nicht vollständig, nur als Veranstaltung, bei der Ortsansässige und extra Angereiste ins Kino gehen, Weltpremieren beiwohnen, einen Wettbewerb bis zur Prämierung verfolgen, Stars und andere Filmschaffende im selben Saal anstaunen dürfen und deren Pressekonferenzen erleben, bei denen Vorhersehbares die Regel, aber Unvorhergesehenes erwünscht ist.

          Vorhersehbar war zweifellos spätestens seit ein paar Wochen die Rücknahme der bislang seit August unter Berufung auf Carlo Chatrian und Mariette Rissenbeek, das leitende Duo der Veranstaltung, periodisch verkündeten Absicht, das Festival im Rahmen solcher Gewohnheiten stattfinden zu lassen, wie das auch im sich jetzt seinem Ende nähernden Jahr geschah, zu einem Zeitpunkt übrigens, als man von der Viruserkrankung, die das Jahr beherrscht, bereits gehört hatte. Das Februarfestival in gewohnter Form wird es nun also nicht geben; gedacht ist stattdessen offenbar an ein Branchenereignis im März, bei dem Filme digital zu sehen sein sollen, und Anfang Juni ein im Umfang und hinsichtlich der vorgesehenen Besucherzahlen gegenüber der gewohnten Berlinale stark reduziertes Festival fürs breitere Publikum, bei dem dann wohl auch die beliebten Weltpremieren stattfinden können.

          Was daraus wird, ist im Fluss und findet wie die entsprechende Planung gleichsam zwischen Nebelbänken statt – das Bild, das man sich davon allenfalls machen kann, gleicht nicht der auskomponierten Totale auf der Leinwand, sondern eher älteren oder technisch schwachen Computerbildübertragungen, die sich im Pixelpuzzle erst nach und nach zusammensetzen. Gerade das macht den Vorgang beispielhaft und richtungsweisend fürs Filmgeschäft und seine ästhetische Seite, also diejenige Front, an der bei aller Digitalisierung immer noch der direkteste, dem Publikum vertrauteste Kontakt zwischen Kultur und Industrie statthat.

          Dietmar Dath

          Redakteur im Feuilleton.

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