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Facebook und „Fake News“ : Putzkolonne fürs Internet?

Für die weltweite Expansion seines Konzerns hat Mark Zuckerberg Pläne. Aber was fällt ihm in Sachen „Fake News“ ein? Bild: reuters

Facebook braucht dringend Leute, die gegen „Fake News“ vorgehen. Also fragt der Konzern bei der Presse an. Die ist aber gut beraten, sich nicht einspannen zu lassen.

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          Zu welchen Verwerfungen die Debatte über den unklar definierten Begriff der „Fake News“ führt, kann man am jüngsten Plan des Netzwerkkonzerns Facebook sehen, von dem von vielen Seiten gefordert wird, er möge ebenjene „Fake News“ ausmerzen. Facebook ist auf der Suche nach Dienstleistern, die den Job erledigen. Dafür hat der Konzern bei zahlreichen Verlagen und Sendern vorgefühlt. Bei ARD und ZDF, beim „Spiegel“, bei der „Zeit“, bei Springer respektive bei der „Bild“, bei dieser Zeitung und bei einigen anderen. Diese, so die Idee, sollen vermeintliche „Fake News“ identifizieren und als solche markieren.

          Man sieht sich vor Gericht

          Bei den Angesprochenen herrscht jedoch, wie die entsprechende Anfrage ergibt, durch die Bank Skepsis nach dem Motto: Ist es unsere Aufgabe, für Facebook die Kartoffeln aus dem Feuer zu holen, und das auch noch unentgeltlich beziehungsweise finanziert von den Zahlern des Rundfunkbeitrags? Daraus dürfte wohl kaum etwas werden, ist den Reaktionen andeutungsweise zu entnehmen.

          Warum auch? Wenn Journalisten ihren Job machen, scheiden sie ohnehin die Spreu vom Weizen, dafür stehen Zeitungen, Magazine und Sender rund um die Uhr mit ihrer Berichterstattung ein – aus eigenem Antrieb, im eigenen Auftrag, im Sinne einer möglichst umfassend und profund informierten Öffentlichkeit. So dürfte die siebzehnköpfige Redaktion des „Correctiv“-Portals, die den Job übernehmen will, wohl als Facebook-Putzkolonne vorerst unter sich bleiben. Der Milliarden-Konzern wäre überdies gut beraten, sich nicht auf den Meinungsstreit zu konzentrieren und Zensur-Vorwürfen Vorschub zu leisten, sondern auf Inhalte, die nicht „Fake“, sondern eindeutig justitiabel sind und deretwegen er zunehmend vor Gericht zitiert wird. Dort werden die von Facebook transportierten Inhalte am Straf- und am Presserecht gemessen. Und das ist auch der angemessene Weg.

          Michael Hanfeld

          verantwortlicher Redakteur für Feuilleton Online und „Medien“.

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