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Julia Bähr, Redakteurin im Feuilleton

Digitale Schwangerschaftstests : Liebling, es wird ein Technikschrott

  • -Aktualisiert am

Bild: Picture-Alliance

Ein kalifornischer Programmierer hat einen digitalen Schwangerschaftstest so weit modifiziert, dass er darauf „Doom“ spielen konnte. Was bedeutet das für uns als Wegwerfgesellschaft?

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          Es wurde in den vergangenen Jahren viel gestritten über die fortschreitende Digitalisierung von Alltagsgegenständen. Muss mein Toaster wirklich im W-Lan sein? Und was war so falsch an Lichtschaltern, dass nun eine Sprachassistentin die Beleuchtung im ganzen Haus regeln soll? Ein kalifornischer Programmierer hat diesen Fragen jetzt eine neue hinzugefügt – und sie direkt beantwortet. Er hat digitale Schwangerschaftstests gekauft, auseinandergenommen, analysiert und ausprobiert, was man alles mit der Hardware anstellen kann.

          Ein solcher Test kostet um die zehn Euro. Die erste Überraschung: In diesen Tests liegen überraschend komplexe 8-Bit-Mikrocontroller, wie sie etwa auch in Computermäusen verwendet werden, deren einzige Aufgabe es hier ist, mit LEDs und Sensoren abzulesen, ob auf dem stinknormalen Teststreifen ein oder zwei Striche zu sehen sind. Bei zwei Strichen wird auf einem kleinen Display das Wort „Pregnant“ angezeigt. Nun ist das sicher sehr praktisch und schließt Anwenderfehler fast vollkommen aus, aber es bedeutet eben auch, dass mit einem Produkt zur einmaligen Benutzung jedes Mal ein kleiner Prozessor, eine Knopfzelle und ein Minibildschirm in den Müll fliegen. Die entscheidende Frage: Könnte man mit diesem umfangreichen Equipment nicht mehr anfangen?

          Der Programmierer, der sich auf Twitter „Foone“ nennt, versuchte es und dokumentierte seine Arbeit in langen Threads – an deren Ende er erfolgreich das Spiel „Doom“ auf einem Schwangerschaftstest spielt. Allerdings ist zu diesem Zeitpunkt fast nur noch die Hülle vom Originalprodukt übrig, denn der kleine Prozessor lässt sich nicht umprogrammieren. Es ist vielleicht auch besser so, denn wie Foone feststellte, reicht Wasser nicht, um den Teststreifen so aufquellen zu lassen, dass er den Stromkreis schließt und den Prozessor startet. Ohne Draufpinkeln geht es also nicht. Und das wäre für einen Gameboy doch sehr umständlich.

           

          Julia Bähr
          Audience Managerin bei FAZ.NET.

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