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Drohnen in der Natur : Ein Freund für Blume und Bär

Eine Drohne Typ Phantom 3 in freier Wildbahn. Bild: dpa

Die Drohne ist für der natürliche Partner der Natur. Und damit des modernen Naturschutzes. Wie das zu verstehen ist, lässt sich am besten an einer herzzerreißenden Erzählung schildern.

          In der Gemeinschaft der Naturverwurzelten erzählt man sich neuerdings die schöne Geschichte vom Amerikanischen Schwarzbären, der sich partout nicht an den Menschen gewöhnen will (zehntausende Abschüsse durch Bärenfelljäger sind Gründe genug), der jedoch mit unbemannten Luftfahrzeugen inzwischen den perfekten Begleiter durch die nordamerikanische Wildnis gefunden zu haben scheint. Die Drohne wird anstandslos toleriert, der Bär fühlt sich weder überwacht noch parasitiert, womit er die Engelsgeduld des durchschnittlichen Revierinhabers nicht nur amerikanischer Kleinstädte um Längen schlägt.

          Das ist verbürgt und keine zwielichtige Geschichte von der Art, die sonst so über den Schwarzbären erzählt wird: Etwa die, dass der Teddybär nur deshalb Teddy heißt, weil der einstige Präsident Theodore „Teddy“ Roosevelt sich bei der Jagd beharrlich geweigert haben soll, ein Schwarzbärenbaby zu erschießen. Was genau der reife Schwarzbär in den brummenden Flugbegleitern sieht, hat die amerikanischen Zoologen, die den bemerkenswert konstanten Herzschlag des Bären überwachen, nur eben leider nicht in seinen Kopf blicken konnten, nicht weiter interessiert. Wieso sollten sie auch? Für ihre Absichten genügt es völlig zu wissen, dass die volldigitalisierte Drohne in der Wildnis auf größtmögliches Verständnis trifft.

          Die Drohne ist für sie der natürliche Partner der Natur. Und damit des modernen Naturschutzes. Wie das zu verstehen ist, lässt sich am besten an einer weiteren herzzerreißenden Erzählung schildern, die jüngst ihren Weg von der hawaiianischen Insel Kauai über den Pazifik gefunden hat. Dort, an den fast senkrecht abfallenden Vulkanfelsen des Kalalau-Tals hat der über die Insel hinaus legendäre Botaniker Ken Wood zusammen mit dem Drohnenpiloten Ben Nyberg die nach ihm benannte Hibiskuspflanze Hibiscadelphus woodii wiederentdeckt.

          Der Fortschritt gebiert seine eigene Artenvielfalt

          Drei eher schmächtige – leider zu der Zeit blütenlose – Büsche auf einem völlig unzugänglichen Felsvorsprung ließen das Herz des Hibiskusbären Wood augenblicklich höher schlagen. 1991 hatte der Botaniker die ausschließlich auf Hawaii heimische Art entdeckt, bis 2009 war sie von lebenstüchtigeren eingeschleppten Arten verdrängt und 2016 offiziell für ausgestorben erklärt worden. Man kann sich vorstellen, was die Wiederbegegnung mit der Totgeglaubten in dem Pflanzenliebhaber ausgelöst hat. Es sind solche Geschichten, die erklären helfen, weshalb Wald- und Wiesenforscher weltweit im Kampf um die Natur inzwischen vollständig auf den Fortschritt setzen – idealerweise im Da-Vinci-Style mit Naturdesign.

          Drohnen jeder zoologischen Couleur jedenfalls sind schon in der Erprobung, bienengroße ebenso wie libellenschnelle vierflügelige Apparate, die sich spielend in die bunte Vielgestaltigkeit des Lebens einfügen. Der Fortschritt gebiert seine eigene Artenvielfalt. Möge es den drohnenbewehrten Naturschützern nur nicht ergehen wie jenen Piloten vor vier Jahren im erdbebengeschüttelten Himalaja, die mit ihren Drohnen hoch oben die andere Seite der verschütteten Täler sehen, aber nicht helfen konnten.

          Joachim Müller-Jung

          Redakteur im Feuilleton, zuständig für das Ressort „Natur und Wissenschaft“.

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