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Neubau der Bundesbank : Kommt mit ins Eiermänner-Land

Das Modell des Siegerentwurfs für den neuen Bundesbank-Campus von Morger Architekten Bild: dpa

Vierzig Architekten waren eingeladen, Entwürfe für den Campus der Bundesbank in Frankfurt-Bockenheim einzureichen. Gewonnen hat ein Schweizer Büro mit moderner Retroarchitektur.

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          Von oben, aus der Vorstandsetage der Bundesbank im Stadtteil Bockenheim, hat man einen guten Blick über Frankfurt und seine Skyline. Man schaut auf die Türme der Geschäftsbanken und bekommt vielleicht etwas Mitleid. Wenn der Blick aber weiter nach Osten geht, dann fällt er auf das gewaltige Hochhaus der Europäischen Zentralbank. Bei schönem Wetter blitzt der Glasturm in der Sonne, bei schlechtem sieht er ziemlich bedrohlich aus, wie ein Keil, den ein zorniger Gott ans Mainufer geschleudert hat. So oder so – alles an diesem Gebäude strahlt Machtbewusstsein und Präsenz aus.

          Matthias Alexander

          Redakteur im Feuilleton.

          Kein Wunder, dass der Vorstand der Bundesbank, die mittlerweile den eigenartigen Namenszusatz „Eurosystem“ tragen muss, auch einen richtigen Wolkenkratzer haben wollte, als vor einigen Jahren die Entscheidung fiel, den alten Standort zu sanieren und zu erweitern, um die über die ganze Stadt verteilten Mitarbeiter am Hauptsitz zusammenzuführen. Doch die Stadt Frankfurt verweigerte sich dem Ansinnen, einen ausgewachsenen Turm neben dem Altbau zu genehmigen.

          Ein Bau so stabil wie die D-Mark

          Es handelt sich dabei um eine 54 Meter hohe und 220 Meter lange Hochhausscheibe mit markanter Betonfassade, die Anfang der sechziger Jahre vom damals führenden Frankfurter Architekturbüro ABB entworfen und 1972 fertiggestellt wurde – ein Gebäude so stabil wie die D-Mark, ein spröder Bau, der sich mit seiner plastischen, nicht nur die Horizontale betonenden Fassade wohltuend von anderen Bauten des Büros aus jener Zeit wie dem Interconti am Mainufer abhebt. Das Gebäude dürfe in seiner Wirkung nicht durch einen höheren Turm beeinträchtigt werden, hieß es zur Begründung seitens der Stadt, und dem benachbarten Fernmeldeturm sollte auch keine Konkurrenz erwachsen. Neubauten auf dem weitläufigen Grundstück sollten allenfalls in der Höhe des ABB-Klassikers entstehen dürfen.

          Die Bundesbank fügte sich. Auch sonst muss man sie sich offenbar als eine tief verunsicherte Organisation vorstellen, selbst wenn Präsident Jens Weidmann einen souveränen und zugleich angenehm unprätentiösen Auftritt pflegt. Inzwischen ist viel vom Nimbus der mächtigen und beinharten Währungshüter verlorengegangen, man gehört nicht einmal mehr dazu, wenn sich in Europa die sparsamen Vier versammeln. Und auch sonst ist vieles im Fluss. Fast die Hälfte der Mitarbeiter scheidet in den nächsten zehn Jahren aus, eine durchgreifende Digitalisierung ist überfällig, und für all das muss man den stark umworbenen Nachwuchs an IT- und Finanzexperten für sich gewinnen. Da kann ein zeitgemäßer architektonischer Auftritt nicht schaden.

          Vorbildliches Wettbewerbsverfahren

          Die Bank entschied sich für eine Campus-Lösung: Der Altbau und damit die eigene stolze Geschichte bleibt als städtebauliche Dominante erhalten, dazu das recht junge Geldmuseum und das Hauptkassengebäude, alles andere wird abgeräumt. Der Bestand soll ergänzt werden um Neubauten mit einer Fläche von hunderttausend Quadratmetern, und zwar auf der nördlichen, stadtabgewandten Seite des Hauptgebäudes. Wie es sich für eine öffentliche Institution gehört, hat die Bundesbank dazu ein geradezu vorbildliches Verfahren angestoßen. Zunächst wurde ein städtebaulicher Wettbewerb ausgeschrieben, den der Frankfurter Architekt Ferdinand Heide gewann, dessen Entwurf die Verteilung der Baumassen auf dem Areal festlegte. Seine wichtigste Pointe sind drei Hochhäuser, die im rechten Winkel zum ABB-Bau stehen. Heide hat schon den nahe gelegenen Westend-Campus der Frankfurter Universität geprägt, auf den sich die Bundesbank als Referenzprojekt bezieht.

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