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Streit über Franco-Mahnmal : Die heiße Asche des Diktators

Brenzlige Hinterlassenschaft: das „Tal der Gefallenen“ nahe Madrid Bild: dpa

Das „Tal der Gefallenen“, die Weihestätte der Franco-Diktatur, spaltet Spanien noch immer. Wohin mit dem Leichnam? Und soll man die Basilika wirklich sprengen?

          Es sollte ein Prestigegewinn für das Kabinett des Sozialisten Pedro Sánchez werden, ein Zeichen, dass auch eine Minderheitsregierung in Spanien etwas bewegen kann: die Umbettung der sterblichen Überreste des Diktators Francisco Franco. Bis heute ruht der 1975 gestorbene Caudillo im sogenannten „Tal der Gefallenen“, einem nationalkatholischen Weiheort sechzig Kilometer nordwestlich von Madrid, zusammen mit mehr als dreißigtausend Toten des Bürgerkriegs. Doch seit der neue spanische Premier am 25. August mutig die Verlegung ankündigte, ist das Gespenst wieder lebendig: Wohin denn mit dem Diktator? Und was geschieht mit dem „Tal der Gefallenen“, mit der in den Fels gehauenen Basilika, mit dem 150 Meter hohen Kreuz, das die gigantische Anlage mit ihrem faschistisch-neoklassizistischen Pomp überragt und noch aus dreißig Kilometern Entfernung zu sehen ist? Gleich sprengen, wie manche fordern? Oder lieber mit einem Dokumentationszentrum versehen, das die Geschichte der Opfer des Regimes erzählen würde?

          Paul Ingendaay

          Europa-Korrespondent des Feuilletons in Berlin.

          Je tiefer man sich in das belastete Thema hineinbegibt, desto klebriger wird es. Vieles ist noch nicht aufgearbeitet, noch viel weniger erledigt, und von gesellschaftlichem Konsens kann keine Rede sein. Rechte Kreise, Franco-Nostalgiker und Freunde der katholischen Kirche begehren gegen den Exhumierungsbeschluss auf. Doch auch die andere Seite rührt sich. Gerade zogen Tausende durch die Madrider Innenstadt und protestierten dagegen, dass der Körper des Diktators in die Kathedrale Santa María la Real de la Almudena überführt und Teil der Madrider Altstadt werden könnte. Da aber die Kirche darüber befindet, wer in der Almudena zu liegen kommt, dürfte der Protest fruchtlos sein. Auch die Tochter des Diktators und ihr Mann liegen schon im privaten Familiengrab der Francos.

          Das Aufflammen der spanischen Geschichtsdebatte über Diktatur und Gedächtnispolitik fiel zusammen mit dem Besuch einer rund zwanzigköpfigen Expertengruppe, die der Einladung des Berliner Thinktanks Hybrid Space Lab gefolgt war. „Deep Space: Re-signifying Valle de los Caídos“, so hieß der von den Professoren Elizabeth Sikiaridi und Frans Vogelaar organisierte Workshop, zu dem sich Historiker, Soziologen, Anthropologen, Künstler, Designer und Museumsleute in Madrid zusammengefunden hatten. Es ging um Zukunftsvisionen für den umstrittenen Gedenkort, um frische Bedeutungen und alternative Konzepte, und all das ausdrücklich privat, ohne Unterstützung durch spanische Institutionen. Wie sich zeigte, wollte ohnehin keine einzige offizielle Stelle etwas mit dem toxischen Workshop zu tun haben.

          Francisco Franco, der „Generalísimo“, der Retter Spaniens vor dem Kommunismus

          Am Anfang, an einem strahlend sonnigen Tag, steht die Ortsbegehung. Nicht viele gönnen sich die Morgenmesse in der Basilika um elf Uhr, aber sie ist ein Ereignis und fraglos Teil der Aussage, die das Monument „Valle de los Caídos“ seit seiner Eröffnung 1959 machen will. Denn die Kirche – und besonders der Benediktinerorden, dem die Pflege seit mehr als einem halben Jahrhundert aufgetragen ist – spielt hier die entscheidende Rolle. Religiös war schon die symbolische Aufladung des Bürgerkriegs 1936 bis 1939 als „Kreuzzug“, eines Kampfs der Mächte des Lichts gegen das Reich der Finsternis. Feierlich und monumental sind auch die religiösen Skulpturen, von den vier Evangelisten am Fuß des Kreuzes bis zur großen Pietà über dem Eingangstor.

          Die Messe selbst zelebriert ein alter Prior mit so krächzender Stimme, dass man sich im Kino wähnt oder auf einer Bühne, wo die Rolle „alter Priester“ gegeben wird. Ein Dutzend Gläubige verteilt sich über die Bänke des riesigen Raums, dazu wir Besucher aus fünf oder sechs Ländern, vermutlich sofort als Eindringlinge erkennbar. Aber etwas stimmt nicht mit der Akustik; der Lautsprecherklang der Stimme überschlägt sich, bildet Echos und erzeugt ein konstantes Dröhnen, das Kopfschmerzen verursacht. Immerhin, bei der Wandlung geht das Licht aus, und es wird still. Nur noch das Kreuz über dem Altar ist erleuchtet. Die fünf Geistlichen in Grün huschen wie Schatten umher.

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