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Ströer und die ARD : Unpolitisch? Das ist ein Witz

Eine Reklametafel der Firma Ströer an der Mainzer Landstraße in Frankfurt Bild: Michael Hauri

Im Bundestagswahlkampf gibt es schöne Turbulenzen: Der Ströer-Konzern geriert sich als verfolgte Unschuld und der NDR stellt sich blind.

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          Im Bundestagswahlkampf geht es nicht nur für die politischen Parteien und ihre Spitzenkandidaten auf und ab. Turbulent wird es auch für andere Akteure: den Medienkonzern Ströer zum Beispiel, Quasi-Monopolist der Außenwerbung und Eigentümer des reichweitenstarken Portals t-online.

          Mitte der Woche verkündete der Konzern, er werde Werbung politischer Parteien nicht mehr annehmen. Warum? Weil Ströer in die Nähe der AfD gerückt werde, sich „Diffamierungen, Boykottaufrufen, Drohungen und Sachbeschä­digungen“ ausgesetzt sehe, obwohl man sich als „politisch neutrales Unternehmen“ verstehe.

          „Politisch neutral“? Diese Selbstbeschreibung ist derart gelogen, dass sich die Balken biegen. In Wahrheit wollte der Konzern der Enthüllung zuvorkommen, dass bei ihm verkappte AfD-Werbung verbucht worden war, von welcher Ströer hätte wissen können. Und apropos „politisch neutral“: Vor zwei Jahren, als es um die europäische Urheberrechtsreform ging, lancierte der Konzern massiv verkappte Werbung in eigener Sache und ließ von einer Tochtergesellschaft vermarktete Youtuber aufmarschieren, um gegen das Urheberrecht Stimmung zu machen. Fragen nach den Hintergründen beantwortete Ströer seinerzeit nicht.

          Der Konzern versucht sich jetzt genauso einen schlanken Fuß zu machen wie damals. Dumm stellen sollten sich freilich in diesem Wahlkampf auch nicht der NDR beziehungsweise die ARD. Wenn es die Verantwortlichen nicht bekümmert, dass sich linksextreme Aktivisten damit brüsten, sie hätten die „Wahlarena“ erobert, die im Ersten angeblich für unabhängige Bürgerinnen und Bürger vorgesehen ist, mag man das nicht für ein gutes Zeichen halten.

          Michael Hanfeld
          verantwortlicher Redakteur für Feuilleton Online und „Medien“.

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