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Architektur : Zutritt erbeten

Brauchen Häuser wirklich Fassaden – und was passiert, wenn sie verschwinden? Querkrafts neuer Ikea für Wien. Bild: Picture-Alliance

Lange stritten sich Architekten vor allem über die Fassaden. Eine neue Generation lässt sie einfach weg – und wickelt spektakuläre Gärten, Straßen und Plätze um ihre Gebäude.

          5 Min.

          Der vor kurzem verstorbene französische Architekt Claude Parent hat immer wieder erzählt, wie er einmal einen großen Fehler machte: Er hatte den Auftrag bekommen, für die Handelskette Goulet-Turpin, die 1958 den ersten Supermarkt in Frankreich eröffnet hatte, ein paar möglichst spektakuläre Einkaufszentren zu bauen. Er entwarf etwas, das an futuristische Befestigungsanlagen für eine extraterrestrische Zivilisation erinnerte, und wenn über die Betonrampen seiner Hypermarchés statt misstrauischer Hausfrauen auf dem Weg zum Sonderangebot grünleuchtende Gestalten mit sechseckigen Köpfen und Tenktakelarmen marschiert wären, hätte man sich angesichts dieser Architektur nicht gewundert.

          Niklas Maak
          Redakteur im Feuilleton.

          Parents Supermärkte werden gerade als Meisterwerke der französischen Betonmoderne unter Denkmalschutz gestellt, das Problem damals war nur: Die Leute fuhren nicht hin. Die Goulet-Turpin-Märkte sahen zu teuer aus, zu sehr wie Großskulpturen, moderne Märchenpaläste – nicht wie Orte, wo die Dinge billiger als irgendwo sonst sind. Die Konkurrenz von Carrefour hatte für ihre Hypermarchés eine ganz andere architektonische Botschaft gewählt, und die hieß: gar keine Architektur. Carrefour ließ auf dem Land riesige, gesichtslose, billige weiße Lagerhallen bauen, an denen nur groß der Name Carrefour stand, sonst nichts. Schon von weitem sah es so aus, als ob alles hier sehr billig sei. Wenig später ging Goulet-Turpin ein, und die Lager- und Kistenarchitektur setzte sich als effizienteste Hülle für Konsumbauten durch.

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