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Whitney Houston ist tot : Die letzte Diva

  • -Aktualisiert am

2009 bei den American Music Awards in Los Angeles Bild: REUTERS

Einen Tag vor der Verleihung der Grammys ist Whitney Houston in einem Hotelzimmer in Beverly Hills bei Los Angeles tot aufgefunden worden. Die amerikanische Pop- and Soulsängerin wurde 48 Jahre alt.

          Der Ort ihres Sterbens und die letzten Gerüchte, die ihm vorausgingen, umspannen auf traurige Weise die Möglichkeiten dieser Sängerin: Whitney Houston ist am Samstag, mutmaßlich einsam und verlassen, in einem Hotel in Beverly Hills, Los Angeles, gestorben, wo sie bei der an diesem Sonntag anstehenden Grammy-Verleihung dabei sein wollte, bei der sie im Gegensatz zu früher künstlerisch allerdings nichts mehr zu suchen gehabt hätte; zuletzt hatte es noch geheißen, vielleicht fände sich ja noch Verwendung für sie als Jury-Mitglied in der Talentshow „The X-Factor“. Die zumindest kommerziell erfolgreichste Soulsängerin der vergangenen 25 Jahre, heruntergekommen gewissermaßen auf das Privatsender-Krakeeler- und Schikanier-Niveau, wie es hierzulande von Dieter Bohlen und Heidi Klum verkörpert wird - tiefer hätte der Sturz des vielleicht letzten R&B-Mainstream-Stars nicht sein können.

          Edo Reents

          Verantwortlicher Redakteur für das Feuilleton.

          Man muss die Umstände ihres Todes, der sie im Alter von 48 Jahren ereilte, nicht kennen. Ihre Eskapaden der vergangenen fünfzehn Jahre - die offenbar ruinöse Ehe mit dem Soulsänger Bobby Brown, die fast Taylor-Burton-Format zu haben schien; dazu die Nachrichten von Alkohol- und Drogenproblemen mitsamt den Entziehungskuren - deuteten auf das leider typische Schicksal eines überragenden, aber frühzeitig ausgebrannten Entertainer-Talents.

          Pop-Diva Whitney Houston (1963-2012)

          Dies war Whitney Houston, die 1963 in Newark, New Jersey, als Tochter von Emily „Cissy“ Houston, die ihrerseits als Backgroundsängerin der Sweet Inspirations sogar bei Elvis Presley mitgesungen hatte, dazu als Cousine von Dionne Warwick und Patenkind von Aretha Franklin geboren wurde, in hohem Maße. Auf ihrem vom Plattenmogul Clive Davis generalstabsmäßig geplanten Debütalbum „Whitney Houston“, mit dem sie 1985 sogar Madonna Konkurrenz machte, gab sie den fröhlichen Singvogel, der im richtigen Moment gefühlsduselig wurde. Das Album war, zwischen Motown-Afterglow und erst noch kommendem Hip-Hop, ein letzter Stimmwunder-Blockbuster, der sich fünfzehn Millionen Mal verkaufte und mit Hits wie „Greatest Love of All“, „Saving All My Love For You“ und „How Will I Know“ wie seither nichts mehr den Massengeschmack eines an allzu viel Verschwitzheit nicht interessierten Publikums traf, das freche Uptempo-Songs und pathetische Balladen gleichermaßen schätzte.

          Whitney Houston sang dies, blendend aussehend, mit emphatischer, glasklarer Drei-Oktaven-Stimme und legte mit der sehr ähnlichen Platte „Whitney“ (1987) gleich nach. Lieder wie „Didn’t We Almost Have It All“ und „I Wanna Dance With Somebody“ wiederholten das Erfolgsrezept: abwechselnd sentimental und keck. Es gehört zu den traurigen Seiten ihrer Karriere, dass ihr letzter großer Erfolg schon zwanzig Jahre zurück liegt: Ihre schauspielerisch mehr als achtbare Rolle in dem Film „Bodyguard“, wo sie den allürenhaften, spät zur Einsicht kommenden Superstar-Schützling von Kevin Costner spielte, und das Soundtrack-Lied „I Will Always Love You“, das ihre erfolgreichste Single wurde, zeigten noch einmal, wie weit eine schwarze Sängerin auf den Weltmarkt vordringen konnte: indem sie statt auf sozialkritische Aggressivität auf unverfängliche Jedermann-Liebesthemen setzte, eher eine Tochter Bill Cosbys als James Browns.

          Bei der Fußballweltmeisterschaft 1994 in den Vereinigten Staaten sang sie vor dem Endspiel zwischen Italien und Brasilien im ausverkauften Stadion

          Und dann kamen auch schon ihre Comebacks. Whitney Houston wurde lange vor der Zeit das, was man so abschätzig eine alternde Diva nennt. Mit ihren letzten, in großen Abständen erschienenen, immer noch gediegen produzierten Alben war sie eher ein Spielball der Plattenfirmen, die sich früher um sie gerissen hätten, als eine eigenständige Interpretin. Zur Tragik ihres kurzen Lebens gehört, dass sie ihr Talent nicht in die Epoche der zeitgenössischen R&B-Stars hineinretten konnte. Einst sagte sie: „Hier bin ich auf einmal, mit der richtigen Hautfarbe, der richtigen Stimme, dem richtigen Stil, dem richtigen Was-auch-immer. Ein kleines Girl überschreitet einfach die Geschmacksgrenzen und - wusch! - ist es auch einmal ein bisschen einfacher für die anderen.“ Es war aber, um einen ihrer ganz großen Hits zu zitieren, mehr als „One Moment in Time“.


           

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