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Western-Serie „Hatfields & McCoys“ : Rauchende Colts

  • -Aktualisiert am

Seine Nachbarn hat er im Visier: Randall McCoy (Bill Paxton) trägt seinem Teil bei zum Bürgerfamilienkrieg Bild: RTL

Kevin Costner inszeniert eine wilde Geschichte aus dem Westen: In der Fernsehserie „Hatfields & McCoys“, die in Deutschland von RTL Crime gezeigt wird, bekriegen sich zwei Familienclans bis aufs Blut.

          In Pigeon Forge, im amerikanischen Tennessee, gibt es ein Wildwest-Restaurant mit zwei Eingängen. Einen für die Hatfields und einen für die McCoys. Wer dort seinen Hunger stillen möchte, muss pünktlich sein und sich entscheiden, durch welche Tür er geht - welchem Clan er sich zurechnet. Jeden Tag um acht Uhr beginnt das Dinner und mit ihm eine wilde Schießerei, entfacht durch einen Streit um ein Schwein, gipfelnd im Tod von einem Dutzend Menschen. Dieses Stück, das hier als Musical-Dinner-Show inszeniert wird, gibt es auch andernorts auf Bühnen, beispielsweise mit dem Titel „Rodeo and Julie-Ed“. Buster Keaton nahm sich schon vor neunzig Jahren des Stoffes an, seither folgen in regelmäßigen Abständen Fernsehfilme, Miniserien und Bücher. Der neueste Streich ist die Smartphone App „Hatfields & McCoys Fehde-Tour“.

          Bis an die Zähne bewaffnet: Der Hatfield-Clan ist auf seine Nachbarn nicht gut zu sprechen - und umgekehrt

          Sie versetzt ihre Benutzer mehr als hundert Jahre zurück in die amerikanische Geschichte und führt sie entlang des Big Sandy Rivers, der West-Virginia und Kentucky und eben auch die Familien Hatfield und McCoy trennt, zu Brennpunkten der bekanntesten Familienfehde Amerikas. Mitten im Bürgerkrieg, 1863, entfachte sich der Streit, der sich beinahe dreißig Jahre lang hinzog, viele Menschenleben forderte und bis heute fortlebt. 1979 traten die Familien zuletzt aufeinander, vor laufenden Kameras im amerikanischen „Familienduell“. 1999 sind die wichtigsten Orte der Fehde unter Anleitung von Historikern restauriert wurden. 2003 trafen sich Mitglieder beider Familien, um endgültig, wenn auch nur noch symbolisch, offiziellen Frieden zu schließen. Die Botschaft lautete: „Manchmal muss man kämpfen. Aber man muss niemals für immer kämpfen.“

          Lässt sich Zeit: Nach „Der mit dem Wolf tanzt“ und „Open Range“ kehrt Kevin Costner als „Devil“ Anse Hatfield zurück in den Wilden Westen

          Kevin Costner hatte sich der Sache im vergangenen Jahr nicht angenommen, um an die Geschichte zu erinnern. Er sah es als künstlerische Herausforderung, die er vollends auskostete, als Produzent und Darsteller des Clanchefs William Hatfield. Selbst zur Musik trug er mit seiner Band „Kevin Costner and Modern West“ bei. Die Kritiker konnte er mit seinem Dreiteiler überzeugen, das Publikum auch. Einen Golden Globe und fünf Emmys sammelte „Hatfields & McCoys“ ein. Mit seiner ersten selbst produzierten Serie stellte der „History Channel“ zugleich mit vierzehn Millionen Zuschauern einen sendereigenen Quotenrekord auf.

          Das gelang insbesondere, weil Kevin Costner nutzt, was ihm ansonsten selten zugestanden wird: Zeit. Fast fünf Stunden dauert die dreiteilige Erzählung, in der Costner den Wilden Westen aufleben lässt, wie ihm das schon vor 23 Jahren, damals als Regisseur und Hauptdarsteller in „Der mit dem Wolf tanzt“, gelang. Diesmal allerdings ist er nicht alleine. Costner gegenüber steht Bill Paxton als Clanchef Randall McCoy, und um ihn herum spielt eine Riege hochkarätiger Schauspieler. Allein Powers Boothe, dem es als Richter Valentine „die Wand“ Hatfield allein wegen seiner Physiognomie und seiner Stimme gelingt, die Streitenden in Schach zu halten, wünscht man für diese Rolle eine eigenständige Fernsehserie. Ähnlich verhält es sich mit dem Spiel der beiden ersten Ehefrauen Levicy Hatfield (Sarah Parish) und Sally McCoy (Mare Winningham). Es ist eine tragische Geschichte, die bis zum Ende fasziniert.

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