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Das Filmfestival von Taormina, das in diesem Jahr sein fünfundfünfzigjähriges Jubiläum feierte, war einst neben den Festspielen von Cannes und Venedig das glamouröseste Filmfest der Welt. In den fünfziger und sechziger Jahren tummelten ...

          TAORMINA, im Juli

          Das Filmfestival von Taormina, das in diesem Jahr sein fünfundfünfzigjähriges Jubiläum feierte, war einst neben den Festspielen von Cannes und Venedig das glamouröseste Filmfest der Welt. In den fünfziger und sechziger Jahren tummelten sich Stars wie Marlene Dietrich, Burt Lancaster, Anthony Quinn, Elizabeth Taylor oder Marlon Brando vor der riesigen Leinwand im allabendlich brechend vollen Teatro Greco, dem von den Griechen an der Ostküste Siziliens auf einer Felsenterrasse zweihundert Meter hoch über dem Mittelmeer angelegten Amphitheater mit überwältigendem Blick aufs Wasser und den schneebedeckten Ätna. Eine zweite Blütezeit erlebte das Festival ab 1999 unter seinem Direktor Felice Laudadio. Der Ex-ehemann von Margarethe von Trotta, der zuvor die Filmfestspiele von Venedig geleitet hatte, lockte die internationale Filmprominenz von Tom Cruise bis Antonio Banderas in die Traumkulisse des beliebtesten sizilianischen Ferienortes - bis im Jahr 2006 plötzlich der Hauptsponsor, die Bank BNL, ohne Vorwarnung ausstieg und beschloss, ihre Millionen lieber in das neue Filmfest von Rom zu pumpen, was dem Festival von Taormina beinahe das Genick gebrochen hätte.

          Zu Laudadios Nachfolgerin wurde Deborah Young bestimmt, eine in Rom lebende amerikanische Filmjournalistin, die sich mit ihren Rezensionen für das Branchenblatt "Variety" einen Namen gemacht hatte. Seit 2007 versucht sie, das Festival zu altem Glanz zurückzuführen - und wagt dabei den Spagat zwischen niveauvollem, ambitioniertem Kino und Mainstream-Filmen, die das gigantische Amphitheater füllen sollen. Ein spektakulärer Coup gelang ihr in ihrem Antrittsjahr mit der Weltpremiere des Kassenknüllers "Transformers", dessen Regisseur Michael Bay anschließend schwärmte, dies sei die beste Filmvorstellung seines Lebens gewesen.

          In diesem Jahr feierte unter anderem die Sandra-Bullock-Komödie "Selbst ist die Braut" ihre Uraufführung im Teatro Greco. Doch trotz ihrer guten Amerika-Kontakte wird es für Deborah Young immer schwieriger, attraktive Filme nach Taormina zu holen. Mangels eines entsprechenden Budgets kann sie nicht in derselben Liga mitspielen wie Venedig; neben der Konkurrenz aus Rom reißen sich auch Locarno und San Sebastián um die Filme, und für amerikanische Produzenten sind die Festivals von Toronto und London als Startrampe für die Kinovermarktung interessanter.

          Immerhin ist es der Direktorin gelungen, dem Filmfest ein neues Profil zu verleihen. Young rief einen Wettbewerb für Filme aus den Mittelmeerländern ins Leben; zudem widmet sich jedes Jahr ein Programmschwerpunkt einem bestimmten Anrainerstaat. Nach Ägypten und der Türkei war diesmal Frankreich an der Reihe. So gab es eine kluge Auswahl zeitgenössischer französischer Filme zu sehen, und drei Diven wurden eingeflogen, deren unterschiedliche Mentalität offen zutage trat: Während Catherine Deneuve auf der Anreise mit dem Privatjet bestand und sich komplett abschottete, gab sich Fanny Ardant volksnah und unkompliziert - sogar gegen einen Flug mit easyJet hatte sie nichts einzuwenden. Und Dominique Sanda, die dritte Leinwand-Göttin, die dieses Jahr neben Madame Deneuve und Jessica Lange mit dem Taormina Arte Award für ihr Lebenswerk ausgezeichnet wurde, freute sich wie ein Kind: "Seien wir ehrlich. Die meisten Preise sind hässlich und klobig", sagte sie. "Aber der hier ist ja wirklich ganz zauberhaft!"

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