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Sendeplatzroulette : Wenn der „Tatort“ der Realität zu nahe kommt

Wann wird er denn endlich gesendet? Szene aus dem Tatort „Sturm“ mit Aylin Tezel als Kommissarin Nora Dalay und Tino Mewes als IT-Experte Bild: WDR/Frank Dicks

Der Terror bestimmt das Programm: Der ursprünglich geplante „Tatort“ wird am Neujahrstag nicht gezeigt. Auch der Plan B scheiterte.

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          Die ARD wollte Rücksicht nehmen mit dem Krimi, den sie an Neujahr zeigt. Rücksicht auf die Opfer des Terroranschlags in Berlin, die Hinterbliebenen und Verletzten und auf das Empfinden der Zuschauer. Die Programmplanung sollte wirken wie ein Seismograph bei starkem Realitätsbeben - ist der „Tatort“ zu nahe an realen Ereignissen, wird er verschoben. Doch was wurde daraus? Ein Sendeplatzroulette.

          Nachdem bei „Spiegel Online“ gefragt worden war, ob der für diesen Sonntag geplante „Tatort“ aus Dortmund mit dem Titel „Sturm“ angemessen sei, kam der Prozess in Gang. Der besagte „Tatort“ beinhaltet eine Szene, in der ein Kleintransporter auf eine Gruppe von Polizisten und Zivilisten zurast. Er wird von SEK-Beamten mit Schüssen gestoppt. Doch der Fahrer kann ein Sprengstoffpaket zünden. Es gibt viele Verletzte. Erst hielt der WDR an der Ausstrahlung fest. Dann hieß es, man verschiebe den Dortmunder Krimi „aus organisatorischen Gründen“ auf den 29. Januar - als ob die Welt in 28 Tagen eine andere wäre. Dafür sollte an Neujahr der „Tatort. Väter und Söhne“ aus Saarbrücken laufen.

          Nur hatte die ARD-Programmdirektion in München offenbar die Rechnung ohne den Saarländischen Rundfunk gemacht. Der lehnte den Plan schlicht ab. Auf Nachfrage dieser Zeitung sagte der Sendersprecher Reiner Buhl, der „Tatort“ des SR sei eingebunden in das Ende Januar stattfindende Max-Ophüls-Filmfestival. Daher sei man „froh, dass eine andere Lösung gefunden werden konnte“. Für den Saarländischen Rundfunk musste der NDR in die Bresche springen. Am Neujahrstag läuft nun ein „Polizeiruf 110“ aus Rostock mit einem Titel, der zu dem Geschiebe passt, so als wollte jemand einen bitteren Kommentar dazu abgeben: „Angst heiligt die Mittel“. In dem Film geht es um „einen Fall von Selbstjustiz an zwei Triebtätern“ . Ob den Zuschauern damit geholfen ist? Man könnte sagen: Der Terror bestimmt das Programm, nicht nur, wenn die Nachrichten laufen.

          Axel Weidemann
          (wei), Feuilleton

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