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Weltstars : Die kopflose Republik

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Mexico hat Salma Hayek Bild:

England hat Robbie Williams, Australien Kylie Minogue und Spanien Antonio Banderas. Früher gab es auch Weltstars aus Deutschland: Marlene Dietrich, Fassbinder oder Beuys. Heute nicht mehr. Warum eigentlich?

          Natürlich gibt es Michael Schumacher. Und natürlich gibt es Claudia Schiffer. Und Heidi Klum. Und vielleicht wird man sich auch im nächsten Jahr noch an einen Mann namens Boris Becker und eine Frau namens Steffi Graf erinnern. Aber ein jüngerer Schauspieler? Eine Künstlerin? Ein Musiker?

          Hierzulande fallen einem ein paar Namen ein. Aber wenn man diese Namen in New York oder Tokio, in Amsterdam oder London erwähnt, dann wird man angeschaut, als habe man "Gpfrgsgsjkbsmgo!" gerufen. Was? Nie gehört. Wer ist das? Aha?
          Das war nicht immer so. Es gab Fassbinder. Es gab Joseph Beuys. Es gab irgendwann einmal sogar Marlene Dietrich. Lange her. Kein Deutscher unter fünfzig Jahren ist in den letzten fünfzehn Jahren weltberühmt geworden, es sei denn als Model oder als Sportler, also durch Körpertalente. Nadja Auermann, Claudia Schiffer und Michael Schumacher sind solche Körpertalente.

          Fragt man jedoch im Ausland jemanden, ob er einen deutschen Star kennt, bekommt man keine Antwort - und vielleicht ist diese Leere auch der Grund dafür, daß in Deutschland so verzweifelt "der Superstar" gesucht wurde, mit den bekannten Ergebnissen.

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          Weltberühmt heißt...

          Ein Star ist jemand, der so weit nach oben gekommen ist, daß man ihn von überall auf der Welt sieht und wahrnimmt. Weltberühmt zu sein bedeutet, in jedem beliebigen Land der Welt sofort auf der Straße erkannt zu werden oder zumindest bei Nennung seines Namens in eine Notlage zu geraten. Es bedeutet, daß man sofort umsonst in einem sehr guten Hotel untergebracht wird und daß sich jeder um die Betreuung des kurzfristig "Bedürftigen" reißt. Der Star, der einem als Close-up in den Medien, im Film oder auf Plattencovers, Postern, Litfaßsäulen oder anderen Darstellungen immer wieder begegnet, ist ein intimer Unbekannter. Biographie, Talente, Schicksalsschläge - all das ist Gegenstand des gesteigerten bis übertriebenen Interesses der Öffentlichkeit an einem Star.

          Das Gesicht, der Körper, der Name des Stars entwickeln eine fast metaphysische Anziehung, die Fans zum Wahnsinn treibt und einem Heer an Bodyguards ein gutes Auskommen sichert. Der Fan fühlt eine Teilhabe am Wahren und Ewigen und hat sich selbst im Kontakt mit dem Star verwirklicht - und spätestens dort liegt schon eine erste Erklärung für den kompletten Mangel an Stars in und aus Deutschland. Denn wer in Deutschland würde schon einen anderen Deutschen akzeptieren, den er wirklich bewundert und nicht für einen peinlichen Proleten hält?

          Stars müssen gefährlich sein

          Überdurchschnittliche Durchschnittlichkeit ist in Deutschland das Kriterium, überdurchschnittlich bekannt zu werden, siehe Bohlen, Effenberg, Feldbusch. Sie werden dem Publikum nicht gefährlich - doch genau das macht den Star erst aus. Sie sind gefährlich, weil sie uneinholbar sind. Sie sind für ihr Alter weiter als alle anderen, weiter, als es der Fan je sein wird. Das jugendliche Alter, in dem jemand berühmt wird, sichert dem Publikum eine möglichst lange Teilnahme am Leben des Stars.

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