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Weltraumtourismus : Der Blick des Lebens

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Es zieht die Touristen über die Erdatmosphäre hinaus: Urlaub im All wird Trend Bild: picture-alliance / dpa

Trotz der körperlichen Strapazen und immensen Kosten wollen immer mehr Menschen befreit von der Schwere des Erdendaseins ins All reisen: Aber Weltraumtouristen sind keine Spinner, sondern Träumer.

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          Weltraumtourismus ist Metaphysik für Masochisten. Das Frühstück kommt aus der Tube, das Mittagessen aus der Tüte, der Gutenachttrunk aus dem Schlauch. Es gibt zwar alle anderthalb Stunden einen Sonnenuntergang, aber nie einen Sundowner, weil Schnaps im Orbit nicht serviert wird. Zum Schlafen zurrt man sich fest wie ein Wäschesack, zum Sonnenbaden ist es viel zu kalt, zum Strand samt Strandschönheiten führt kein Weg.

          Statt dessen darf man sich mit Muskelschwund, Kalziumabbau in den Knochen und der berüchtigten Raumkrankheit herumplagen, dem Fluch der schwerelos Seekranken, der Übelkeit und Erbrechen mit sich bringt. Es stinkt nach alten Socken, es brummt Tag und Nacht, es ist eng und eintönig, und eine unanständige Menge Geld kostet der Spaß obendrein. Kurzum, es ist die Hölle.

          Ferien im All kosten Millionen

          Nachdem der amerikanische Geschäftsmann Dennis Tito, der erste aller Vergnügungsreisenden im All, am 6. Mai 2001 in der kasachischen Steppe aufgeschlagen und aus seiner Kapsel gekrochen war, sprach er mit seligem Lächeln: „Ich komme gerade aus dem Paradies zurück.“ Seit Titos Kurzurlaubsreise in den Garten Eden geht es mit dem Weltraumtourismus steil aufwärts.

          Faszination Schwerelosigkeit: Astronautentraining

          Ein Jahr nach ihm ließ sich der südafrikanische Internet-Millionär Mark Shuttleworth für gleichfalls zwanzig Millionen Dollar inklusive Vollpension mit einer russischen Sojus-Rakete zur Internationalen Raumstation ISS schießen; vor wenigen Wochen war dann als Dritter im Bunde Gregory Olsen dran. Das Weltallreisebüro Space Adventures aus Virginia, das die Ferien im All organisiert, hat den Russen weitere Mitflugrechte abgekauft und schon die beiden nächsten Kandidaten auf der Warteliste, einen Amerikaner und einen Japaner

          Suborbitalflüge am Sonntagnachmittag

          In drei oder vier Jahren will das Unternehmen die ersten Gäste zum Mond schicken, vorläufig allerdings ohne Landung und Spaziergang, sondern nur einmal drumherum. Hundert Millionen Dollar soll das kosten, zum Einsatz kommen handelsübliche Raumschiffe mit extra eingebauten Panoramafenstern. Fast wie ein Sonntagnachmittagsausflug muten dagegen die Suborbitalflüge an, die schon in Kürze ein knappes Dutzend konkurrierender Firmen anbieten will.

          Dabei fliegt man in speziellen Raumfahrzeugen hundert Kilometer hinauf bis zum Rand der Erdatmosphäre, um dort einen kurzen Blick in die Unendlichkeit und auf den Heimatplaneten zu werfen. Der britische Multiunternehmer Richard Branson hat dafür das „Spaceship One“ entwickeln lassen, das bereits einen ersten Testflug erfolgreich absolvierte. Reservierungen werden jetzt entgegengenommen, für zweihunderttausend Dollar.

          Die Erdanziehung für wenige Sekunden überlisten

          Andere Milliardäre mit viel Zeit und interstellarer Phantasie basteln gleichfalls an Suborbitalraumschiffen, darunter Jeff Bezos, der Erfinder von Amazon, und Paul Allen, der Mitbegründer von Microsoft. Die Fluggesellschaft US Airways lockt in ihrem Vielfliegerprogramm derweil mit Prämien für Weltraumsüchtige: Schon für zehn Millionen Meilen gibt es ein Suborbitalticket.

          Wer nicht so lange warten will, kann für ein paar tausend Dollar einen Happen Schwerelosigkeit kosten - bei Parabelflügen in herkömmlichen Passagiermaschinen, die dank eines kontrollierten Sturzflugs die Erdanziehung für ein paar Sekunden überlisten. Milliardäre wie Branson oder Bezos verschleudern ungern ihr Geld. Sie investieren, weil sie einen Markt sehen.

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