https://www.faz.net/-gqz-7zy5t

Weltraummission „Mars One“ : Einmal zum Mars – und nie mehr zurück

  • -Aktualisiert am

An die rostrote Farbe des Oberfläche müssen sie die ersten Marssiedler gewöhnen - eine Rückkehr zur Erde ist nämlich nicht vorgesehen. Bild: AFP

Der Planet ruft: Die private Weltraummission „Mars One“ will Menschen auf dem Roten Planeten ansiedeln. Hundert Bewerber haben es in die Auswahl geschafft, darunter zwei Deutsche. Warum wollen sie für immer weg?

          Die Marsbewohner, sie sind unter uns. Und sehen genau wie wir aus. Hundert Auserwählte aus aller Welt dürfen sich zur Zeit noch Hoffnungen machen, im Jahr 2025 als erste Menschen einen Fuß auf den Mars zu setzen – um ihn nie wieder zu verlassen. Denn das Flugticket des „Mars One“-Projekts zum Roten Planeten gilt nur für den Hinflug, es gibt keine Rückkehr. Ziel der Mission ist, eine Kolonie zu errichten, mit Energieversorgung, Wasseraufbereitung und Gewächshäusern. Die Heimkehr ist ausgeschlossen, da man mit den begrenzten Ressourcen keine neue Rakete bauen könnte. Die Entscheidung für ein Leben auf dem Mars ist also endgültig.

          Initiator von „Mars One“ ist eine private niederländische Stiftung. 2013 schrieb man die Astronautenjobs aus und bekam daraufhin über 200.000 Bewerbungen zugeschickt. Nach zwei Auswahlrunden sind nun noch hundert furchtlose Raumfahrer übrig, von denen schließlich 24 die Reise antreten sollen.

          Einer von zwei verbliebenen deutschen Bewerbern ist der Darmstädter Robert Schröder. Zu seiner Weltraumbegeisterung ist der Siebenundzwanzigjährige wie so viele über die Science-Fiction gekommen. Luke Skywalker, das sei schon ein Vorbild, meint der Elektrotechnik-Student. Anders als der Jedi-Ritter verfügt er allerdings nicht über einen Hyperraumantrieb, mit dem man sich in Sekundenschnelle durchs Sonnensystem katapultieren könnte. Wie kommt man also als junger Mann dazu, sich für eine Mission zu bewerben, bei der allein das Ankommen schon ein Erfolg wäre – allerdings mit der Aussicht, den Rest seines Lebens in schmucklosen Stationsmodulen zu verbringen, umgeben von rotem Sand und kosmischer Strahlung?

          Der neue Neil Armstrong? Robert Schröder wird auf dem Mars vor allem Fruchtgummi vermissen.

          Nun ja, seine Eltern, vor allem seine Mutter, seien tatsächlich nicht sehr begeistert, räumt Robert Schröder ein. „Sie sehen aber, dass ich sehr gefestigt bin in meiner Überzeugung, das durchzuziehen.“ Seine Freunde seien unterschiedlicher Meinung. „Manche fragen, warum machst du den Quatsch? Andere sagen dagegen: Cool, dass du den Mut hast, das durchzuziehen. Manchmal wird auch schon gewitzelt: Hey, du bist ja immer noch auf der Erde, bist du noch nicht auf dem Mars?“ Immerhin, Schröder ist Single und muss sich keiner Freundin erklären: Frauen hätten wegen der Kinder meist nicht so viel Verständnis. Er wolle zwar durchaus eine Familie gründen, nur eben nicht unbedingt auf der Erde.

          Mars-Mission als Space-Opera

          Es könnte sein, dass eine etwaige Trauung im Weltraum dann live – oder besser gesagt, mit einer entfernungsbedingten Verzögerung von vier bis zwanzig Minuten – im Fernsehen übertragen würde. Finanzieren will „Mars One“ die mit sechs Milliarden Dollar veranschlagte Weltraumodyssee nämlich hauptsächlich durch den Verkauf von Fernsehrechten. Davon ausgehend, dass so gut wie jeder Mensch Neil Armstrong beim Betreten des Mondes zusah, möchte man aus der Mars-Mission ein Reality-TV-Event machen. Beginnen sollen die Aufnahmen schon während des fortgeschrittenen Trainings der jetzigen Kandidaten, das Ende 2015 beginnen soll. Engagiert wurde zu diesem Zweck die Produktionsfirma „Endemol“, die schon für das „Big Brother“-Format verantwortlich zeichnet. Die Marsreisenden werden also Helden einer Space Opera – hier ist „Star Wars“ tatsächlich nicht mehr weit.

          Robert Schröder macht die Dauerbeobachtung aber keine Sorgen. Er gehe davon aus, dass von Aufnahmen auf dem stillen Örtchen abgesehen werde. „Ich finde aber auch, dass die Menschheit ein Recht hat, den Schritten beizuwohnen, wie man zum Mars kommt.“ Verträge liegen ihm bisher noch nicht vor; es ist auch noch nicht bekannt, zu welchen Bedingungen Kandidaten  wieder aussteigen können, falls sie sich doch noch gegen eine extraterrestrische Existenz entscheiden. Vorerst ist Schröder aber fest entschlossen. „Noch habe ich ja ein wenig Zeit bis zum Abflug. Ich werde mir, denke ich, eine Liste anfertigen, die ich während meines restlichen Aufenthalts auf der Erde noch tun möchte, eine Löffelliste.“ Zur Zeit lerne er etwa das Tauchen; dabei könne man sich auch dem Zustand der Schwerelosigkeit annähern. Vermissen werde er wohl am meisten das gute Essen. „Mitnehmen werde ich mir ein paar Packungen Haribo, weil das wird es da oben eine Weile erstmal nicht geben. Das werde ich mir dann zum Geburtstag gönnen.“ Übrigens: alle, die für die Zukunft einen Krieg der Welten mit den Neu-Marsianern befürchten, können aufatmen. Eine Invasion, meint Schröder, sei nicht geplant.

          Weitere Themen

          Als wir träumten

          Arte-Doku zur Mondlandung : Als wir träumten

          Ein kleiner Schritt für den Menschen, und dann? Zum fünfzigsten Jahrestag der Mondlandung legt Robert Stone bei Arte die ultimative Dokumentation dazu vor. Es wird keine bessere mehr geben.

          „Harri Pinter Drecksau“ Video-Seite öffnen

          Trailer : „Harri Pinter Drecksau“

          Jürgen Maurer spielt Harri Pinter, einen Mitvierziger, der von sich und seinem Auftritt mehr als überzeugt ist. Als seine Freundin ihn jedoch betrügt, gerät sein Selbstbild ins Wanken. Der österreichische Film läuft am 19.07.2019 um 20.15 Uhr auf arte.

          Eine Fabrik im Weltraum

          Made in Space : Eine Fabrik im Weltraum

          Die Vereinigten Staaten wollen zurück zum Mond. Dabei sollen private Unternehmen helfen. Ein Partner der Raumfahrtbehörde Nasa ist auf 3D-Druck im All spezialisiert.

          Topmeldungen

          Müssen sich auf Reformen einigen: Luigi Di Maio und Matteo Salvini im Februar in Rom

          Italiens Regierung : Salvini droht mit vorgezogenen Wahlen – mal wieder

          Italiens nnenminister steht wegen der Affäre um mögliche Parteispenden aus Russland unter Druck – und bedrängt nun seinen Koalitionspartner. Es sei noch genügend Zeit, das Parlament aufzulösen und nach der Sommerpause neu zu wählen.

          Bayern München : Die klare Botschaft des Manuel Neuer

          Dortmund hat kräftig aufgerüstet. Die Bayern indes kommen auf dem Transfermarkt nicht so richtig voran. Torwart Manuel Neuer sieht das gelassen – und verrät, welches besondere Ziel die Münchner antreibt.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.