https://www.faz.net/-gqz-14wry

Weltraumdenken : Wo geht’s denn hier zum Weltraum?

  • Aktualisiert am

Das Weltraumteleskop Hubble blickt in die Tiefe des Alls Bild: dpa

Wer im Weltraumdenken die Kontrolle behalten will, darf nicht zu phantastisch werden: Der Astrofuturist Alexander Geppert über wiedererwachte und gestorbene Weltraumphantasien, das Space Age und die Zukunft von gestern.

          Es kommt schon vor, dass sich Alexander C. T. Geppert, 39, gegen den Verdacht verteidigen muss, sich mit seinen Forschungen am Rande der Seriosität zu bewegen: Astrofuturismus nennt er seine Disziplin, ein Begriff, den er vom amerikanischen Literaturwissenschaftler De Witt Douglas Kilgore übernommen hat. Von den entscheidenden Gremien aber wird er längst ernst genommen: Soeben bewilligte ihm die Deutsche Forschungsgemeinschaft 1,1 Millionen Euro für den Aufbau einer Forschergruppe am Friedrich-Meinecke-Institut der Freien Universität Berlin.

          Vom Science-Fiction-Autor Arthur C. Clarke stammt der berühmte Satz: „The future isn’t what it used to be.“ Umreißt das in etwa Ihr Forschungsfeld?

          Ja, so ungefähr. Der Begriff des Astrofuturismus steht für den Konnex von Zukunftsvorstellungen und Weltraumdenken, für die Annahme, dass die Zukunft unbedingt und zwangsläufig im Weltraum stattfinden muss und werde. Das ist ein ganz zentraler Gedanke für das mittlere 20. Jahrhundert.

          Wann und wo liegen denn die Ursprünge dieser Verbindung?

          Das setzte in den zwanziger Jahren ein. Interessanterweise handelt es sich zunächst um ein sehr europäisches Phänomen, wenn nicht sogar ein deutsches. Der fast schon legendäre Verein für Raumschifffahrt wird 1927 in Breslau gegründet, zieht dann aber nach Berlin um. 1933 kommt es in Großbritannien zur Gründung der hochseriösen und noch immer existierenden British Interplanetary Society. Das waren zunächst meist Amateurclubs, die aber schnell den Anschluss an die Gravitationszentren damaliger Gesellschaft und Kultur fanden.

          In diesen Clubs trafen dann gewissermaßen erstmals die literarischen Fiktionen und die technischen Visionen zusammen?

          Ja, dort versammelten sich Amateure mit sehr unterschiedlichem Hintergrund, Techniker, Schriftsteller und Ingenieure etwa, auch sehr viele Spinner, deren Anliegen man heute für eher obskur halten würde. Diese Vereine hatten zunächst große Respektabilitätsprobleme, aber grundsätzlich dachten sie weit voraus, auch was praktische Projekte anbelangt.

          Wann beginnt die Öffentlichkeit denn, diese Leute ernst zu nehmen?

          Das ist schwer zu sagen. Als ein großer Höhepunkt gilt schon im Oktober 1929 die Filmpremiere von Fritz Langs „Die Frau im Mond“ im Berliner Ufa-Palast am Zoo, an der Alfred Hugenberg, Albert Einstein, der amerikanische Botschafter und viele andere Prominente der Weimarer Republik teilnehmen. Ein solcher Film blieb natürlich immer noch im Fiction-Bereich, aber es kam sehr frühzeitig zu aufschlussreichen Wechselwirkungen zwischen Science und Fiction: auf der einen Seite stellte Fritz Lang die Protagonisten der frühen Weltraumbewegung als Berater ein – im Gegenzug finanzierte die Ufa dann deren Raketenexperimente. Die Ufa wollte zur Premiere des Films eine echte Rakete starten lassen, was allerdings scheiterte.

          Auch der große Jules-Verne-Fan Wernher von Braun bewegte sich in diesem Spannungsfeld. Seine Raketen fliegen aber erst einmal nicht zum Mond: Er baut die V2, mit der am Ende des Zweiten Weltkriegs vor allem London bombardiert wird.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Proteste vor IAA : Blockade mit drei farbigen Fingern

          Hunderte Demonstranten der Aktion „Sand im Getriebe“ haben zwei der fünf Eingänge der Messe blockiert. Ihr Protest richte sich nur gegen die Konzerne, sagen sie. Das empfinden viele Besucher anders.
          Zu häufiges Nutzen des Smartphones kann krank machen. Aber ganz darauf verzichten geht heutzutage auch nicht.

          Data Detox : Wie man mit wenigen Schritten seine Datenflut eindämmt

          Unsere Datenflut kommt Konzernen wie Facebook und Google zugute, wobei alles andere als klar ist, was genau mit den Informationen geschieht. Mit einigen Tipps kann man sein Handy vor Zugriffen schützen.

          Bayerns zwei Gesichter : „Keine Feuer legen, bitte“

          War es ein Taktik-Sieg von Julian Nagelsmann gegen Niko Kovac? Die Bayern haben offenbar nicht schnell genug auf Veränderungen des Gegners reagiert – und rutschten in der Tabelle ab. In München will man aber Ruhe bewahren.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.