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Weltkriegsgedenken in der BBC : Siebenunddreißig Tage

  • -Aktualisiert am

Glanzstunden des Kriegsgedenkens: Die BBC verteidigt mit einem virtuos rekonstruierten Doku-Drama zum Ausbruch des Ersten Weltkriegs ihr vielkritisiertes Gebührenmonopol.

          Der hundertste Jahrestag des Kriegsausbruches liegt noch fünf Monate vor uns, aber die BBC hat bereits mit einem derart umfangreichen Angebot an Gedenksendungen über die „Urkatastrophe“ des zwanzigsten Jahrhunderts aufgewartet, dass aufmerksame britische Zuschauer und Hörer eine Art historisches Fernstudium absolvieren konnten.

          Dabei steckt das sich über vier Jahre erstreckende und 2500 Sendestunden umfassende Programm erst in den Anfängen. Einen ersten Glanzpunkt hat es indes schon jetzt gegeben: ein bemerkenswertes dreiteiliges Doku-Drama, das die Zuschauer am Gerangel der Diplomatie in den 37 Tagen zwischen dem Sarajewo-Attentat und der britischen Kriegserklärung am 4. August 1914 teilhaben ließ. Drei Stunden mit der Nachstellung von langen, vertrackten Diskussionen hinter den verschlossenen Türen der europäischen Kanzleien sind, zumal in unserer aufmerksamkeitsdefizitären Zeit, nicht gerade ein Rezept für spannende Unterhaltung.

          Qualitätsnachweis in kritischer Lage

          Das faktenreiche Drehbuch von Mark Hayhurst, die Regie von Jeremy Hardy und die schauspielerische Leistung der anglo-deutschen Besetzung – die deutschen Protagonisten werden von deutschen Darstellern verkörpert, die des Englischen mächtig sind – fügen sich jedoch in der in Nordirland gedrehten Miniserie „37 Days“ zu einem packenden Psychodrama, in dessen Mittelpunkt der vergeblich um Frieden ringende britische Außenminister Edward Grey steht. Ian McDiarmid spielt ihn als ebenso ausgefuchsten wie ehrenwerten Politiker, der sich weder von seinen Kabinettskollegen noch von den mal fordernd, mal bittend, mal drohend, mal flehend bei ihm vorstellig werdenden Botschaftern Deutschlands, Russlands, Frankreichs und Österreichs in die Karten schauen lässt – ein Mann der alten Schule, der argwöhnisch zuckt, wenn er mit der neuen Technologie des Telefons umgehen muss.

          Glänzend auch Urs Remonds feinsinniger kaiserlicher Botschafter Fürst von Lichnovsky, der unter dem Poltern aus Berlin leidet, Ludger Pistors Reichskanzler Bethmann-Hollweg und Rainer Selliens wankelmütiger Kaiser, der in der einen Minute andächtig mit der Hand über den Schreibtisch aus dem Holz von Admiral Nelsons Flagschiff „Victory“ streicht und in der nächsten gegen das perfide Albion wettert.

          Gewiss sind hier und da auch Einwände anzumelden, sei es, dass das Sarajevo-Attentat an einem Sonntag stattfand und die Nachricht den britischen Außenminister somit nicht in seinem Büro erreichte, oder dass der kultivierte russische Botschafter Graf Benckendorff bestimmt nicht mit einem karikaturhaften russischen Akzent sprach. Im Ganzen aber hat die BBC, deren Gebührenmonopol zunehmend in Frage gestellt wird, mit „37 Days“ und überhaupt mit ihrem Programm zum Ersten Weltkrieg die beste Rechtfertigung für das Fortbestehen der Subvention geliefert: Qualität statt Quotenjägerei.

          Gina Thomas

          Feuilletonkorrespondentin mit Sitz in London.

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