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Weltkatzentag : Die Herrscher des Internets

  • -Aktualisiert am

Hauskatze, zum Ablecken nah Bild: Picture-Alliance

Katzenvideos überschwemmen das Netz. Sie sind lustig, dämlich – und liefern eine wichtige Erkenntnis: Der perfekte Lebensraum der Katze ist das Haus.

          Nach einem wahrscheinlich schon sehr alten Mythos hat sich kein anderes Tier in der engen Beziehung zum Menschen gleichzeitig so viel Unabhängigkeit bewahrt, wie es Katzen getan haben. Wenn sie die Haustür hinter sich gelassen haben, so geht diese Erzählung weiter, dann verwandelten Katzen sich schlagartig. Gerade eben noch komplett auf den Menschen bezogen, von seinem Futter und seinen Zuwendungen abhängig, würden die Katzen draußen wieder zum wilden Tier: frei, wachsam und nicht auf fremde Hilfe angewiesen.

          Wie weit sie dann allerdings in der frisch gewonnenen Freiheit kommen, entzieht sich zumindest auf lange Sicht verlässlichen Beobachtungen. Vielleicht auch, weil Hauskatzen überall auf der Welt nie die Fähigkeit verloren haben, wieder mit Wildkatzen zusammenzuleben und sich mit ihnen zu paaren. Die wenigen Hauskatzen, die dann mit ihrer Freiheit etwas anderes anzufangen wussten, als andauernd und sehr fleißig gerade gefangene Wildvögel auf die Terrasse ihrer Besitzer und Besitzerinnen zu schleppen, könnten durch die Paarung einfach wieder in den wilden Populationen aufgegangen sein und so ihr Überleben gesichert haben. Ohne fremde Hilfe, nämlich die Hilfe der in der Freiheit gut ausgebildeten Wildkatzen, wäre das dann aber nicht zu einem guten Ende gekommen. Aber wie dem auch sei, sicher ist jedenfalls, dass es noch nie leichter war, den vermeintlichen oder tatsächlichen Freiheits- und Unabhängigkeitswillen von Hauskatzen selbst zu überprüfen.

          Katzenvideos, von ihren Haltern aufgenommen und ins Internet gestellt, boomen nicht nur, sie überschwemmen förmlich das Netz. Und wahrscheinlich ist es heute schwer, eine Katze zu finden, die noch nie per Bild ins weltweite Netz eingespeist worden ist. Katzenbilder und -videos fügen sich damit in den allgemeinen Trend zum Tier im Internet. Und wenn man hier für den Moment einmal von so merkwürdigen Phänomenen absieht wie dem, dass nach den Anschlägen von Brüssel und dem Amoklauf von München nicht nur auf Twitter gehäuft Tierbilder gepostet wurden, gibt es dafür auch Gründe.

          Man kann es gut an einem der letzten Renner auf dem Katzenvideomarkt zeigen: dem Trick mit der Gurke. Das experimentelle Setting ist dabei ziemlich einfach. Eine oder manchmal auch zwei Katzen werden durch Futter zu ihren Fressnäpfen gelockt, dann wird in ihrem Rücken eine gerade, halbwegs große, grüne Gurke plaziert. Wobei man den Moment der Gurkenplazierung im Video nie sieht. Die Filme fangen immer mit fressenden Katzen an, und die Gurke liegt schon da. Was dann folgt, ist ein Lehrstück über angeborene Verhaltensmuster und deren trotz des Angeborenseins individuell sehr unterschiedliche Ausführungspraxis. Nachdem sie, irritiert dadurch, dass ihre Herrchen oder Frauchen auf einmal hinter ihnen mit einem Handy, iPhone oder dergleichen filmen, verwundert aufgeblickt und dann, leicht verzögert, die Gurke wahrgenommen haben, springen einige Katzen aus dem Stand in einem hohen Bogen in halbwegs sichere Entfernung. Andere springen, mit den Füßen rudernd, auf derselben Stelle hoch, landen fast auf der Gurke und rasen erst dann mit gesträubten Haaren und ausgefahrenen Krallen davon. Die Bewegungen der Katzen sind dabei für am Affektgeschehen Unbeteiligte, wie die menschlichen Zuschauer, wahrscheinlich auch lustig, für die Katzen aber sind sie ernst.

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