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Unter Kaliforniens Surfern : Wellenritt mit Hakenkreuz

  • -Aktualisiert am

Die einen reiten auf Tieren, die andern lieber auf dem Meer: Polizisten (links) gegen Surfer (relativ weit rechts). Bild: AFP

Die Surferszene in Kalifornien symbolisiert seit jeher Freiheitsliebe, Nonkonformismus und Liberalität. Doch sie hat auch eine dunkle Seite, die ausgerechnet bei den „Black Lives Matter“-Protesten sichtbar wird.

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          Als vor wenigen Wochen in mehreren amerikanischen Surferstädten, darunter in Huntington Beach südlich von Los Angeles, sogenannte White-Lives-Matter-Proteste stattfanden, sorgte das für irritierte Mienen. Dass in den amerikanischen Südstaaten, den ländlichen Gebieten des Mittleren Westens, vielleicht auch in den sozial schwachen Städten des Rust Belt Nester von White Supremacists existieren mochten, entsprach den gängigen Klischees. Aber an den Stränden der amerikanischen Westküste, die zu den politisch progressivsten Gebieten des Landes zählt? Ausgerechnet in den Surf-Hochburgen, in denen unbekümmerte Beachboys und Beachgirls eine alternative Lebenskultur prägten und zum Gegenentwurf bürgerlicher Spießigkeit wurden?

          Ja, auch hier. Die White-Lives-Matter-Proteste weckten wieder einmal Erinnerungen an rassistische Untertöne, die den amerikanischen Surfsport schon seit dem neunzehnten Jahrhundert plagen: Vom Ausschluss nichtweißer Wellenreiter in kalifornischen Surfclubs über das Spiel mit faschistischen Symbolen bis hin zum eifersüchtigen Besitzanspruch auf bestimmte Strände und ihre Dünung reichen diese Tendenzen. Zuletzt wurden sie bei den sogenannten Paddle-Outs zu Ehren von George Floyd im vergangenen Jahr sichtbar.

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