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Wellenreiter : Zunder geben

  • -Aktualisiert am

WELLENREITER - durch die Informationsflut mit FAZ.NET Bild: FAZ.NET

Mit einem eigenen Radioprogramm will Amerikas Waffenlobby, die „National Rifle Association“ (NRA), George W. Bush im Wahlkampf helfen. Es soll nur der erste Schritt beim Aufbau eines Medienimperiums der NRA sein.

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          Endlich bekommen amerikanische Waffennarren die Chance, im Radio die Wahrheit über Waffenkritiker und deren Desinformationskampagne zu hören - dank der Waffenlobby "National Rifle Association" (NRA). Vom heutigen Donnerstag an wird die NRA täglich drei Stunden ein Programm mit Nachrichten und Kommentaren über ein eigenes Satellitenradio senden. Zunächst bis Anfang November, wenn die Amerikaner über George W. Bushs Verbleib im Weißen Haus abstimmen, sollen die "NRANews" laufen.

          Da liegt selbstverständlich die Vermutung nahe, daß es sich bei dem Programm um indirekte Wahlkampfwerbung für den amtierenden Präsidenten George W. Bush und gegen eher bei der NRA weniger gelittene Politiker wie den demokratischen Kandidaten John Kerry handeln könnte.

          Ein Schlupfloch im Gesetz

          Diesen Verdacht weist Wayne LaPierre, einer der Vizepräsidenten der Waffenlobby, zwar zurück. Er verhehlt aber doch kaum seine Genugtuung darüber, daß seine Organisation glaubt, ein Schlupfloch in dem Gesetz zur Parteien- und Wahlkampffinanzierung gefunden zu haben, mit dem verhindert werden soll, daß Lobbyvereinigungen in der heißen Wahlkampfphase übers Fernsehen und Radio Stimmung für oder gegen politische Kandidaten machen. Das Gesetz sehe schließlich keine Beschränkungen für Journalisten vor, erklärte LaPierre triumphierend in einem Interview. Die Moderatoren von "NRANews" würden nichts anderes tun als Radioleute wie Rush Limbaugh, Howard Stern und Al Franken auf ihre je eigene Weise.

          Die "NRANews" sollen nur der Anfang eines ehrgeizigen Projekts zum Aufbau eines Medienimperiums der NRA sein. Derzeit prüft die Vereinigung den Kauf von Radiostationen in ländlichen Regionen der Vereinigten Staaten, in denen sie eine große Schar waffenbegeisterter Radiohörer vermutet.

          Doch Gruppen, die sich für strengere Waffengesetze einsetzen, sehen noch keinen Grund zur Aufregung. Die NRA habe schon früher vollmundig spektakuläre Projekte angekündigt, ohne daß diese verwirklicht worden wären, beschwichtigten Kritiker der NRA gegenüber der "New York Times". So sei zum Beispiel auch nie etwas aus dem geplanten Restaurant für Waffennarren auf dem Times Square in New York geworden.

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