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Wellenreiter : Welch große Himmelsmacht ist die Liebe

WELLENREITER - durch die Informationsflut mit FAZ.NET Bild: FAZ.NET

Das späte Liebesglück von Prinz Charles und Camilla Parker-Bowles rührt auch die sonst so kühlen Herzen der Journalisten. Die deutschen Zeitungen freuen sich mit dem Brautpaar - und überraschen durch seltene Einigkeit.

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          Fünfzig Jahre lang war Fermina Daza mit Juvenal Urbino verheiratet, noch länger aber war ihr Florentino Arizas verfallen. Doch Fermina hatte sich für eine leidenschaftslose Vernunftehe mit dem Arzt Juvenal entschieden. 51 Jahre, neun Monate und vier Tage, nachdem er von ihr abgewiesen worden war, gestand Florentino der inzwischen verwitweten Fermina abermals seine Liebe - und ein neues, spätes Glück beginnt.

          Jörg Thomann
          Redakteur im Ressort „Leben“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Wer von dieser großen Liebesgeschichte, die Gabriel García Márquez in „Die Liebe in den Zeiten der Cholera“ erzählt, nicht gerührt ist, der hat das Buch nicht gelesen. Das Geschenk, nach Jahrzehnten eines wenn nicht verschwendeten, so doch beschränkten Lebens ein spätes Happy-End zu erfahren, ist so unwahrscheinlich, daß man es jedem, dem es widerfährt, von Herzen gönnt. Selbst oder gerade dann, wenn es sich bei den Auserwählten um Prinz Charles und Camilla Parker Bowles handelt, zwei Zeitgenossen, die doch recht wenig romanhaft daherkommen und deren Auftritte mitunter eher unglücklich wirkten.

          Tränen, Gemeinheiten, Skandale

          Auch ihr spätes Liebesglück aber läßt selbst die kühlsten Beobachter nicht kalt, die Journalisten. Ausführlichst widmet sich die deutsche Presse dem Ereignis des Tages und überrascht durch Töne, die man von ihr nicht gewohnt ist. „Absolut glücklich - was will man mehr nach 34 Jahren der Liebe. Sie war mal größer, mal kleiner, sie war mal mehr und mal weniger heimlich, sie hat Unglück gebracht, Tränen, Gemeinheiten, Skandale, sie hat Umwege genommen, sie ist angefeindet worden und ist doch angekommen“, schwärmt die „Berliner Zeitung“. Und der „Tagesspiegel“ sekundiert: „Nun hat der liebe Gott entschieden - die Herzen haben gesprochen.“

          Und noch zwei weitere Leseproben möchten wir hier wiedergeben: „Der Tag der Mitteilung, daß Camilla und Prinz Charles heiraten, ist so etwas wie der Feiertag aller Geliebten Europas. Der Sieg einer großen Liebe gegen alle Widerstände. Es ist das Märchen, auf das wir alle tief im Herzen hoffen: Daß Aschenputtel ihren Prinzen bekommt. Daß Liebe und Vertrauen mehr zählen als ein schönes Gesicht oder ein perfekter Körper.“

          Ein Sieg der herben, klugen Frau

          Und hier der zweite Kommentar: „Viele wollten einfach nicht verstehen, warum ein Mann die von vielen als strahlend schöne Prinzessin rezipierte Diana gegen ein vermeintlich häßliches älteres Entlein tauscht. Und nun heiratet Camilla ihren Prinzen. Es ist ein Sieg der herben, klugen, loyalen Frau. Ein Sieg der Inhalte über die Oberfläche. Und: Es ist ein Sieg der Liebe. Über den Schönheits- und Jugendwahn sowie die kosmetische Chirurgie.“

          Passage eins entstammt, selbstredend, der „Bild“-Zeitung. Passage zwei hingegen lasen wir, nein, nicht ebendort, sondern - in der „taz“. Daß diese beiden Blätter einmal solche Einigkeit demonstrieren, darf wohl als allerletzter Beweis dafür gelten, welch große Himmelsmacht die Liebe ist.

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