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Wellenreiter : Tierpark der Eitelkeiten

  • -Aktualisiert am

Verleger mit Verlegtem. Bryan Adams und „Zoo” Bild: dpa

Als Rock-Star hat Bryan Adams 50 Millionen Schallplatten verkauft. Von diesem Donnerstag an will er außerdem 100.000 Exemplare seines neuen Lifestyle-Magazins "Zoo" an die deutschen Leser bringen.

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          Verleger, aufgepaßt: "Wenn Sie schon alles haben, können Sie Ihr Geld auch auf folgende Weise investieren: Subventionieren Sie eine Giraffe." Oder Sie beweisen wirklich Mut und stecken Ihre Ersparnisse in ein neues Magazin. Zum Beispiel in eines, das Leuten, die schon alles haben, dazu rät, eine Giraffe zu subventionieren.

          Sinnfälligerweise trägt diese Zeitschrift auch noch den Titel "Zoo", doch obwohl es sich dabei nicht um eine Publikation für Tierpfleger handelt, beziffert die "Zoo"-Redaktion die Giraffenunterhaltskosten fachmännisch auf 2.500 Euro im Jahr. Das ist echte Lebenshilfe mit hohem Serviceanteil - mithin eine wichtige Bereicherung der blühenden deutschen Printmedienlandschaft und ein bombensicheres Investment - besser als jede Giraffe.

          Promi-Faktor: Bryan Adams als Herausgeber

          Von diesem Donnerstag an soll die Erstausgabe im Zeitschriftenhandel zu haben sein, das Exemplar kostet vier Euro. An sich ist das nicht weiter bemerkenswert, denn berlinorientierte Lifestyle-Titel wie "Zoo" sind derzeit ziemlich angesagt. Oder um es präziser zu formulieren: Ihre Gründung ist derzeit ziemlich angesagt - mit "Achtung" und "Deutsch" sind unlängst zwei neue Mode-Magazine erschienen, die sich in der Hauptstadt freilich erst einmal bewähren müssen, von der deutschen Provinz ganz zu schweigen

          "Zoo" wird es da wohl etwas leichter haben, weil der Promi-Faktor auf Verlagsseite zumindest für ein gewisses Anfangsinteresse sorgen dürfte: Herausgeber ist nämlich kein anderer als Bryan Adams, der vielen durch seine Achtziger-Jahre-Hymne "Summer of 69" und diverse Schmuse-Hits in mehr oder weniger guter Erinnerung geblieben ist.

          Ozzy Ozbourne moderiert „Gesundheitsmagazin praxis“

          Bryan Adams als Herausgeber eines Lifestyle-Magazins? Allen, die bei diesem Namen an den Holzfällerhemd tragenden Stadionrocker denken, muß das vorkommen, als würde Ozzy Ozbourne plötzlich das "Gesundheitsmagazin praxis" moderieren. Aber warum sollen alternde Rockstars eigentlich immer nur Ölschinken malen, Pferde züchten oder in ihren Villen versumpfen?

          Adams, der am Freitag mit seinem Co-Verleger Sandor Lubbe im Berliner "Adlon" Hof hielt, bringt es ganz gut auf den Punkt: "Als Musiker lebt man irgendwann nur noch in seiner eigenen Welt - du gibst Konzerte, gehst ins Studio, und das war's. Also mußt du dich umschauen, wo du andere Leute kennenlernst."

          Heike Makatsch krabbelt als küchenputzende Hausfrau

          Leute wie Herbert Grönemeyer, zum Beispiel. Gewiß, der ist auch nur ein Star - und Musiker obendrein. Aber Bryan Adams hat sich ihm nicht als Kollege genähert, sondern als Fotograf. Diesem Hobby geht er übrigens schon seit Jahren nach, vor kurzem erst hat er für die deutsche Ausgabe der "Vogue" mehrere deutsche Nachwuchs-Schriftsteller abgelichtet.

          Im Falle Herbert Grönemeyers waren allerdings die Anfahrtswege kürzer, denn der wohnt wie Bryan Adams in London. Dasselbe gilt für Heike Makatsch, die dem "Zoo"-Herausgeber als küchenputzende Hausfrau vor die Linse gekrabbelt kam. So ist das eben, wenn man erst einmal verlegerische Verantwortung übernimmt: Man fotografiert selbst und spart bei den Dienstreisen.

          Ambitionierte erste Ausgabe

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