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Wellenreiter : Sagen Sie mal, Herr Hitzfeld

  • -Aktualisiert am

WELLENREITER - durch die Informationsflut mit FAZ.NET Bild: FAZ.NET

Boris Becker geht unter die Talkmaster. Im Deutschen Sportfernsehen will er, dem früher nie die richtigen Fragen gestellt wurden, vieles besser machen. Erstes Versuchsobjekt ist Bayern-Trainer Ottmar Hitzfeld.

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          Außer des Gerüchts, daß er Katharina Witt heiraten werde, der Nachricht, daß ihm die Insolvenz einer Internetfirma vor Gericht ein paar tausend Euro Strafe eingebracht hat und einigen werbenden Worten für das kränkliche Tennisturnier in Hamburg war zuletzt wenig zu hören von Boris Becker. Es wird also Zeit.

          Uwe Marx

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Nach einem 45minütigen „Becker-Spezial“ bei seinem Kumpel Reinhold Beckmann und einer ganzen „Becker-Woche“ bei Kollege Johannes B. Kerner folgt heute abend im Deutschen Sportfernsehen eine weitere Steigerung: die eigene Talkshow. In „Becker 1:1“ („Becker 15:15“ wäre für einen früheren Tennisprofi, nicht aber für ein Vieraugen-Gespräch passend gewesen) wird der Gast- und Namensgeber um 22.15 Uhr als ersten Gesprächspartner Bayern-Trainer Ottmar Hitzfeld begrüßen. Insgesamt sind erst einmal 15 Folgen geplant.

          „Mir sind früher nie die richtigen Fragen gestellt worden“

          Becker hat sich, angeleitet von TV-Profi und Produzent Friedrich Küppersbusch, viel vorgenommen. Er will kein gewöhnlicher Talkmaster sein, schließlich war er auch kein gewöhnlicher Tennisspieler. „Mir sind früher nie die richtigen Fragen gestellt worden“, klagt er noch heute. Also tritt er an, es besser zu machen. Dieser trotzige Ehrgeiz dürfte spannend werden: Becker, zehntausendfach interviewt, fragt Hitzfeld, zumindest tausendfach interviewt, und sucht Fragen und Antworten, die noch nicht da waren.

          Satz und Sieg für Becker in seiner Talkshow?

          Im Fußball gibt es immer wieder ehemalige Profis, die nach der Karriere auf die andere Seite des Mikrofons wechseln. Früher mußten sie kurz nach Spielschluß atemlos Fragen beantworten wie: „Was haben Sie nach Ihrem Tor gedacht?“ Heute stellen sie Fragen wie: „Was hast du nach deinem Tor gedacht?“ Das ist zwar schon eine gewisse Veränderung der Perspektive, ändert aber nichts daran, daß es schwer zu sein scheint, alles anders und vor allem besser zu machen. Das gilt auch für Becker.

          Frisuren, Frauen, Geld - und was sagt Becker dazu?

          Natürlich könnte er freche Fragen stellen, an die sich andere nicht herantrauen. Schließlich ist Becker nicht nur berühmt, sondern als Mitglied des Verwaltungsbeirats von Bayern München auch eine Art Arbeitskollege von Hitzfeld. Man kennt sich also. Wie der etwas hüftsteife Trainer die alberne Frisur von Oliver Kahn findet, ob seine Autorität bei den Spielern nach der auf dem Boulevard breitgetretenen Affäre mit einer jüngeren Frau gelitten hat, was er mit seinen Millionen macht, all das wäre es schon wert, erfragt zu werden. Nur ist das das Dilemma bei Becker: Frisuren, Frauen, ein Haufen Geld - darüber würden wir erst einmal von ihm selbst gerne näheres erfahren. Hitzfeld mag ein noch so interessanter Gesprächspartner sein, aber wenn Becker früher in Interviews tatsächlich unterfordert war, dann sollte er in seiner ersten Sendung besser mit einer Selbstbefragung beginnen.

          Das wird er natürlich nicht tun. Über seine Ziele hat er vorab Sätze wie diese verbreiten lassen: „Ganz egal, ob Sieger oder Verlierer: Der Mensch hinter der Sportler-Maske, die Persönlichkeit außerhalb des Platzes - das ist es, was mich interessiert.“ Aha. „Hitzfeld ist eine Persönlichkeit und als Mensch spannend. Vor allem interessiert mich, wie der Mann mit dem immensen Druck und der Erwartungshaltung beim FC Bayern umgeht.“ So, so. Das klingt schon nicht mehr ganz so ehrgeizig.

          Wie das mit den nie gestellten richtigen Fragen war, können wir natürlich nicht beurteilen. Vor „Becker 1:1“ aber wissen wir, daß der Gastgeber mit gutem Recht sagen kann: „Mir sind nie die richtigen Pressemitteilungen geschrieben worden.“ Aber auch das kann man ja ändern.

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