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Wellenreiter : Kein Kaffee für C-3PO

WELLENREITER - durch die Informationsflut mit FAZ.NET Bild: FAZ.NET

Berühmte Männer haben es nicht unbedingt einfacher als ihre unbekannten Geschlechtsgenossen. Einsamkeit ist auch unter Filmstars verbreitet: von traurigen Robotern und „Single Sprech“ mit der Teetasse.

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          Es ist beruhigend, ab und an davon zu lesen, daß das Leben eines Filmstars, das wir uns so aufregend, angenehm und ausschweifend vorstellen, auch harte und trübe Seiten kennt.

          Jörg Thomann
          Redakteur im Ressort „Leben“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Nehmen wir zum Beispiel Anthony Daniels. Dem breiten Publikum ist der amerikanische Schauspieler zwar unbekannt, unter einer bestimmten Klientel aber genießt der Mann Kultstatus. Durfte er doch in sechs Hollywood-Filmen mitspielen, die zu den größten Kassenschlagern aller Zeiten zählen und eine unüberschaubare Fangemeinde besitzen. Anthony Daniels spielte eine Hauptrolle neben Weltstars wie Harrison Ford, Alec Guinness, Ewan McGregor, Samuel L. Jackson, Liam Neeson oder Natalie Portman, und er ließ sie in der Präsenz sogar hinter sich: Als einziger von ihnen trat Daniels in allen sechs Filmen der „Star Wars“-Saga auf.

          Der harte Alltag des Roboters

          Warum er dennoch so unbekannt ist? Er war nicht zu sehen. Anthony Daniels nämlich ist der Mann, der im Kostüm des goldenen Roboters C-3PO steckt. Als solcher hatte er die Ehre, im ersten Film das erste und im abschließenden Film das letzte Wort zu sprechen. Was aber tut Daniels, den Millionen von „Star Wars“-Fans bewundern oder beneiden, im Interview mit der Zeitschrift „Neon“? Er beklagt sich. Über seinen Arbeitsalltag im All, der nicht nur mühevoll und voller Entbehrungen war, sondern auch psychisch belastend: So sei die Roboterkluft derart unbequem gewesen, „daß ich mich nie zu den anderen setzen konnte. Sie gingen zusammen Kaffee trinken, und ich stand in der Ecke.“

          Ein einsamer, goldglänzender Roboter in einer Ecke: So sieht die Schattenseite des Ruhms aus. Kein Kaffee für C-3PO, und auch kein Plausch unter Kollegen. „Mit meinem Partner R2D2 konnte ich auch nicht reden, da er die meiste Zeit eine leere Box war.“ Auch in der eigenartigen Blechmännerbeziehung also, die die Phantasien der Kinozuschauer seit Jahrzehnten beflügelt, sah es hinter den Kulissen traurig aus. Was ist das für eine Partnerschaft, in der man nicht einmal miteinander reden kann?

          Mensch, der Tee ist lecker

          Was Anthony Daniels umtreibt, kann Matthias Schweighöfer gewiß nachvollziehen. Daniels' deutscher Kollege zählt zum aufstrebenden Schauspielnachwuchs, hat in ansehnlichen Filmen wie „Kammerflimmern“ mitgespielt und sollte die Herzen junger Cineastinnen höher schlagen lassen. Wiederum das Magazin „Neon“ aber, das Fachblatt vereinsamter Schauspielerseelen, hat Schweighöfer entlockt, daß er, um der Einsamkeit zu entgehen, im „Single-Sprech“ rede: „Ich erkläre mir selbst, was ich tue.“ Und zwar so: „Zu Hause sage ich Sachen wie: 'Mensch, der Tee ist doch lecker.' Und ich sage es laut.“

          Reden mit leeren Blecheimern oder vollen Teetassen: Wir behaupten mal, daß es sich hier nicht vorrangig um ein Schauspielerproblem, sondern vielmehr um ein Männerdilemma handelt. Was Frauen die beste Freundin ist, ist vielen Männern niemand: Sie haben keinen, der ihnen zuhört, andererseits aber eh nichts zu sagen. Sie wissen gar nicht, wie.

          Kein Erfolg bei Frauen

          „Über Gefühle nicht reden können“ ist laut einer Umfrage aus dem aktuellen „Focus“ für 62 Prozent der befragten Frauen ein typisches Problem der Männer. Von den befragten Männern hingegen glauben das von sich nur zwölf Prozent, woraus man schließen könnte, daß auch die Selbsteinschätzung nicht unproblematisch ist. Übrigens glauben nur sechs beziehungsweise fünf Prozent der Männer, daß sie „keinen Erfolg bei Frauen“ sowie „sexuelle Probleme“ haben. Aus der Sicht der Frauen haben ebendies 31 bzw. 33 Prozent der Männer. Irgendwie paßt das nicht zusammen.

          Doch zurück zum Thema: Wenn es wirklich der Preis des Ruhms ist, daß man sich irgendwann abschottet und Selbstgespräche führt „wie ein verschrobener alter Mann“ (Schweighöfer), dann sollte man einmal innehalten. Sollte sich der harten Blechhülle entledigen und sich für andere öffnen, einmal einen Kaffee trinken oder jemanden auf einen Tee einladen. Glücklich ist, wer Menschen kennt, die einem zuhören.

          Ich werde jetzt diesen Text abschließen. Mit einem letzten Satz, irgendeinem. Mal sehen. Ob ich dann noch in die Kantine gehe? „Gepökelte Ochsenbrust“ gibt's heute. Naja, ich bleibe wohl lieber hier. Hm. Mensch, der Tee schmeckt aber wirklich lecker.

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