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Wellenreiter : April, April

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WELLENREITER - durch die Informationsflut mit FAZ.NET Bild: FAZ.NET

Wenn in den Medien an diesem Tag von Aprilscherzen die Rede ist, geht es entweder um ein Mißverständnis, einen Frühstart oder um Polemik. Nur wer schweigt, ist wirklich witzig.

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          Dümmster Amerikaner gekürt! Scheich gründet Autorennstall! Hamster in Tintenstrahldrucker eingeklemmt! Hat da wer gelacht? Ja, bei „RP Online“, einer Netzzeitung der ersten Stunde. Sie hatte die Meldung vom Formel-Eins-Projekt mit dem Namen eines Wüstensturms von der Agentur „Sport-Informationsdienst“ übernommen und mußte sie dann als Aprilscherz enttarnen, dem sie, nach eigenen Angaben wie „so ziemlich alle großen Nachrichtenangebote im Netz“, aufgesessen war. „....hi hi hi.... guuuut!!!“ kommentierte ein begeisterter Nutzer das Dementi.

          Das war vor zwei Tagen. Man spricht in solchen Fällen von einem „verfrühten Aprilscherz“. Anders als das verfrühte Feuerwerk am Sylvesterabend oder der Fehlstart eines Ausnahmeschwimmers sind sie meist nicht jugendlicher Ungeduld geschuldet, sondern der unterschiedlichen Reaktionszeit der Medien. Gerade Online-Journale wollen die Meldung oft als erste haben, und noch bevor sie mit der gewohnten Verspätung - und damit aus Sicht der Aprtilscherzer rechtzeitig - in der Tagespresse angekommen ist, schwappt die Nachricht einmal durch das Internet, stößt an ihre und dessen Grenzen, wird widerlegt, und dann lacht man nur noch bei „RP Online“.

          An des Scherzes Grenzen

          Es ist schade darum, zeigt den Aprilscherz jedoch als das, was er mit der Zeit immer mehr geworden ist: ein Medienphänomen. Kaum ein Blatt läßt den Schabernack mit seinen Lesern unversucht. Kaum eine zweitklassige politische Polemik mit scheelem Blick auf die Medienresonanz kommt heute ohne die Einschätzung aus, beim Gegenstand der Kritik könne es sich nur um „einen schlechten Aprilscherz“ handeln.

          Ähnlich floskelhaft wirken die Hinweise, bei einer bestimmten Meldung mit hoher Unglaubwürdigkeit handele es sich „nicht um einen Aprilscherz“: Wenn sich ein fülliger Hamster in einem Drucker verkriecht und Frauchen in ihrer und des Haustiers Not schließlich die Polizei ruft; wenn die EU dem Flachland Mecklenburg-Vorpommern ein Seilbahngesetz aufzwingt, und das Land 791.000 Euro Strafe zahlen müßte, wenn der Schweriner Landtag kein entsprechendes Gesetz verabschiedet hätte.

          Aber was ist daran lustig, daß ein New Yorker über 1.000 Mitmenschen nach dem dümmsten Amerikaner gefragt haben und das Geschwisterpaar Jackson die vorderen Plätze unter sich ausgemacht haben soll? Nicht viel, und noch viel weniger daran ist wohl ein Aprilscherz, auch wenn der Erfinder dieser Wahl, bei der offenbar auch Mehrfachnennungen möglich waren (Michael konnte 77, Janet immerhin 70 Prozent der Stimmen auf sich vereinigen, die „Netzeitung“ berichtet), die Ergebnisse regelmäßig zum 1. April veröffentlicht. Aber was daran könnte als Scherz enttarnt werden: Die Zahl der Befragten? Die Stimmverteilung? Das Ergebnis wohl kaum.

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