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Politik und Karneval : Dreigestirne

Karnevalisten unter sich: Jens Spahn mit dem Troisdorfer Dreigestirn, Prinz Torsten I. (Sterzel, 2.v.r), Bauer Heinz (Nagel, r.) und Jungfrau Petra (Peter Vetter, 2.v.l.). Bild: dpa

Die Erbauer der Motivwagen haben in dieser Karneval-Saison die Qual der Wahl. Wen stellen sie nach oben? Kramp-Karrenbauer, Merkel, von der Leyen, Laschet, Merz, Spahn, Röttgen, Kemmerich, Lieberknecht, Ramelow, Höcke? Einen ganz Großen sehen wir auf jeden Fall.

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          Das wäre ein Triumvirat gewesen: Annegret Kramp-Karrenbauer, Ursula von der Leyen und Angela Merkel. Die EU-Chefin zur Linken, die Kanzlerin zur Rechten und mittendrin ihre potentielle Nachfolgerin. Hätte, könnte, wäre – war. Für die Erbauer der Motivwagen, die am Rosenmontag durch die Karnevalshochburgen nicht nur am Rhein ziehen, bot sich diese starke Frauenriege an, insbesondere in Köln, als weibliches Gegenstück zum Dreigestirn mit Prinz, Bauer und Jungfrau, für deren Besetzung es seit Anbeginn im Jahr 1870 bis heute noch immer keine Frauenquote gibt.

          Nach Kramp-Karrenbauers angekündigtem Rückzug wird aus der Karnevals-Aufstellung wohl nichts, es sei denn, man wollte ein Bild mit Gefälle zeichnen – mit einer Strippenzieherin, deren eine Marionette aufsteigt, wohingegen die andere niederpurzelt.

          Stattdessen drängen sich den Karnevalisten nun gleich zwei andere Trifolien an. Zum Beispiel Armin Laschet, Friedrich Merz und Jens Spahn als CDU-Musketiere, die einander ausstechen. Wobei sich da ja gerade Norbert Röttgen als Vierter im Bunde ins Bild geschoben hat. Und bis zum Rosenmontag könnte auch Markus Söder noch auflaufen, der zur Fastnacht in Franken in Veitshöchheim in diesem wie schon im vergangenen Jahr gänzlich unkostümiert als er selbst auftreten will und nicht mehr als Marilyn Monroe, Homer Simpson, Mahatma Gandhi, Shrek oder Prinzregent Luitpold.

          Und wer weiß, ob Laschet, gerade erst mit dem Orden wider den tierischen Ernst ausgezeichnet, nicht schon vor Aschermittwoch als alleiniger Unions-Schwellkopp auf der Bühne steht? Oder Merz oder Spahn? Die Motivwagenmacher müssen bis zur letzten Sekunde mit allem rechnen und eventuell noch am Wochenende umbauen.

          Das Personaltableau in Thüringen freilich dürfte feststehen, mit Thomas Kemmerich und Björn Höcke als Stammbesetzung und wahlweise – kommt auf die avisierte Stoßrichtung an – Alexander Gauland, Mike Mohring und Bodo Ramelow und nun, ganz neu, Christine Lieberknecht. Dann liegt wenigstens hier die Frauenquote nicht bei bei null.

          Auf einen, an dem in diesem Jahr kein „Zoch“ vorbeigeht, haben sich die sonst konkurrierenden Karnevalisten in Aachen, Bonn, Düsseldorf und Köln indes geeinigt: unser aller Beethoven, als Figur gestaltet von dem bekannten Düsseldorfer Motivmacher Jacques Tilly und Dirk Schmitt von den Kölner „Kritzelköpp“.

          Geboren und aufgewachsen ist der Komponist in Bonn, in Köln gab er mal ein Konzert, ob er Aachener Printen oder Düsseldorfer Alt mochte, ist nicht überliefert. Mit grimmiger Miene und EU-blauer, sternbesetzter Löwenmähne sehen wir das Genie, in der Hand Schillers von ihm vertonte „Ode an die Freu(n)de“. Deren Ausblick wäre in Berlin und Erfurt gerade besonders gefragt, frei nach dem Bonner Sessionsmotto „Jötterfunke övverall“.

          Michael Hanfeld

          verantwortlicher Redakteur für Feuilleton Online und „Medien“.

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