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Zukunft des Springer-Verlags : Investoren-Vorbehalte im Kleingedruckten

BDZV-Präsident und Springer-Vorstandschef Mathias Döpfner. Bild: dpa

Springer-Vorstandschef Mathias Döpfner will das Erbe des Verlegers Axel Cäsar Springer wahren und zieht mit Blick auf die DDR eine Lehre aus der Geschichte. Gilt diese auch für den Einstieg amerikanischer Finanzinvestoren in den Konzern?

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          Sich der eigenen Geschichte zu vergewissern, um die Zukunft zu meistern, gilt seit jeher. Zumal mit jeder Generation nicht nur Zeitgeistiges in Vergessenheit gerät. Insofern ist der Unternehmensblog „inside.history“ des Springer-Verlags lehrreich. Und er ist, gerade gestartet, erstaunlich selbstkritisch.

          Wer hätte gedacht, dass die millionenfach verbreitete Spielzeugpuppe Barbie der Firma Mattel ein Vorbild made in Germany hat? Sie gleicht der 1952 gezeichneten, dann als Puppe geprägten „Bild-Lilli“ nicht von ungefähr aufs Haar, wie der Leiter des Springer-Archivs, Lars-Broder Keil, darlegt: Da wurde abgekupfert, wogegen man sich aber nicht zu klagen traute. 1960 traten Springer und die Spielzeugfirma Hausser für kleines Geld ihre Rechte ab. Der Verkauf dürfte „der schlechteste Deal in der Unternehmensgeschichte“ gewesen sein.

          Über die ebenfalls vom Chefarchivar dargelegte, historisch bedeutende Fußnote, dass die Springer-Zeitungen vom 2. August 1989 an „DDR“ nicht mehr in Anführungszeichen schrieben, kann sich der Vorstandsvorsitzende Mathias Döpfner indes bis heute aufregen. Ein historischer Fehler, „eine opportunistische Peinlichkeit“ sei dies gewesen, in die Wege geleitet schon kurz nach dem Tod des Verlegers Axel Cäsar Springer, schreibt Döpfner in der „Welt am Sonntag“.

          Eine Torheit kurz vor Toresschluss (der DDR), die zeige, dass es „immer falsch“ sei, „das Richtige zu leugnen“ – also die Unrechtmäßigkeit des Ost-Berliner Regimes zu markieren und für die deutsche Einheit einzutreten. Heute sei es falsch, Erdogan zu hofieren, den Chinesen Schlüsselindustrien zu überlassen und sich von Russland energiepolitisch abhängig zu machen.

          Lesen möchten wir Döpfners Geschichtslektion an dieser Stelle allerdings auch als Kommentar in eigener Sache: Die amerikanische Beteiligungsgesellschaft KKR hält jetzt mehr als zwanzig Prozent der Springer-Aktien. Sie will in den Verlag einsteigen und bei den 44,8 Prozent Anteilen landen, die nicht im Besitz von Friede Springer (42,6), der Springer-Enkel Ariana und Axel Sven (9,8) und von Mathias Döpfner (2,8) sind. Die Aktie soll von der Börse genommen werden, mit dem Geld von KKR will Döpfner den Verlag von kurzfristigen Renditezielen lösen und fürs große Geschäft in der digitalen Medienwelt durchstarten, um auf Augenhöhe zu Giganten wie Google, Amazon, Apple und Facebook zu gelangen.

          Die Investoren von KKR besaßen (gemeinsam mit Permira) von 2006 an den Senderkonzern Pro Sieben Sat.1. Nach sieben Jahren stießen sie ihre Anteile mit Gewinn von mehr als einer halben Milliarde Euro wieder ab. Zurzeit baut der Manager Fred Kogel für KKR von München aus einen neuen Medienkonzern auf. Dafür wurden die Tele München Gruppe, die Universum Film, die Produktionsfirma Wiedemann & Berg und Günther Jauchs „i&u TV“ aufgekauft.

          Die Investoren von KKR haben in Deutschland viel vor. Dass sie bei ihrem Springer-Einstieg aber, wie in der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ dargelegt (zuletzt am 1. August), im Kleingedruckten Vorbehalte gegen die „Welt“-Gruppe haben, sollte dem historisch bewanderten Verlagschef Döpfner (und Friede Springer) Warnung sein.

          Würden die KKR-Kapitalgeber Springer zerschlagen, wäre das Erbe Axel Cäsar Springers in ganz anderer Weise tangiert als seinerzeit durch das Weglassen der „DDR“-Gänsefüßchen.

          Michael Hanfeld
          verantwortlicher Redakteur für Feuilleton Online und „Medien“.

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