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Gartenkolumne: Die Birke : Hartes Holz mit hohem Heizwert

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In den lichten Bergwäldern der ostasiatischen Halbinsel Kamtschatka entdeckte Georg Adolf Erman die Goldbirke, die später nach ihm benannt wurde: Betula ermanii auf den Kurilen. Bild: Picture-Alliance

Die Birke hat in der europäischen Geschichte einen festen Platzt, denn sie bot immer einen Mehrwert. Ob Tinkturen und Säfte, Schreibmaterial und Züchtigungsruten: Aus Birken lässt sich vielerlei herstellen.

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          Adolf Engler, der Direktor des Botanischen Gartens in Dahlem und Mitglied der Berliner Akademie der Wissenschaften, teilte seinem Kollegen Adolf Erman 1908 auf Anfrage mit, dass im Berliner Botanischen Garten noch eine Betula ermanii vorhanden sei, die abgegeben werden könne. Das gemeinhin als Goldbirke bekannte Gehölz war nach dem Vater des Ägyptologen benannt. Als junger Wissenschaftler hatte dieser achtzig Jahre zuvor eine Forschungsreise um die ganze Welt unternommen. Erdmagnetische und meteorologische Phänomene interessierten ihn besonders, aber er hatte auch ein offenes Auge für Fauna und Flora.

          In den lichten Bergwäldern der ostasiatischen Halbinsel Kamtschatka entdeckte Georg Adolf Erman eine Birke, die sich allein schon durch die goldene Farbe der Borke von den heimischen Exemplaren unterschied. Adelbert von Chamisso, der nicht nur als Dichter, sondern auch als Botaniker erfolgreich war, benannte sie schon 1831 nach seinem weitgereisten Freund.

          Die Gattung der Birken ist artenreich. Das bevorzugte Habitat der Bäume – und Sträucher – ist die nördliche Halbkugel. Schon Plinius der Ältere wusste, dass die Birke kühlere Standorte liebt. Im Zuge der globalen Klimaerwärmung wandern die Birken daher immer weiter in den Norden und markieren die Grenze zur Polarregion.

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          Ein Baum erobert Europa

          Die Birke war neben der Kiefer der erste Baum, der nach der Eiszeit in Mitteleuropa Wälder bildete. Zuerst ließen sich strauchförmige Exemplare nieder (Betula nana und Betula humilis), dann kamen die hohen Hänge- (Betula pendula) und Moorbirken (Betula pubescens), die auch auf ärmeren Böden gedeihen und unter deren Schutz Eichen, Ulmen, Linden und Eschen langsam wachsen konnten.

          Der Wind verbreitet die Flugfrüchte der Pionierpflanzen, und einmal angewachsen, gewinnen die flach wurzelnden Sprösslinge rasch an Höhe. Birkenpollen sind archäobotanisch nachzuweisen; ihr erhöhtes Vorkommen zeigt Siedlungsaktivitäten im prähistorischen Kontext an, da sich Birken gerne auf Waldlichtungen ausbreiteten, die zuvor gerodet worden waren. Das ziemlich harte Holz, das einen hohen Heizwert besitzt, ist seit alters geschätzt.

          Aus den dünnen Zweigen wurden einst Körbe und Schilde geflochten. Die Blätter dienten der Herstellung von Tinkturen und Säften, die gegen allerlei körperliche Gebrechen helfen sollten. Die Rinde diente mancherorts als Schreibmaterial, vor allem aber gewann man aus ihr das Birkenpech, das als Alleskleber vom Paläolithikum bis ins Mittelalter verwendet wurde. Für die alten Römer dagegen war die Birke schreckenerregend, weil, wie Plinius schreibt, die Magistrate ihre Ruten, die sogenannten Fasces, daraus schnitten, mit denen sie straffällige Bürger züchtigten.

          Birken im Herbstkleid_ Das Naturschutzgebiet Reicherskreuzer Heide in Brandenburg.
          Birken im Herbstkleid_ Das Naturschutzgebiet Reicherskreuzer Heide in Brandenburg. : Bild: dpa

          Symbol der Tradition

          Angesichts der ökologischen und zivilisatorischen Bedeutung der Birke überrascht es nicht, dass der Baum einen festen Platz in kultischen Praktiken der Kelten, Germanen und Slawen hatte. Bei Festen, die den Frühling begrüßten, waren die Birkenzweige, die bisweilen ringförmig zusammengeflochten wurden, nicht wegzudenken. Noch heute wird in manchen Regionen der Maibaum mit Birkenreisig geschmückt. Esoteriker begeistern sich nach wie vor für einen Baum, dessen Zweig den Namen einer germanischen Rune repräsentiert und den in der altirischen Ogam-Schrift ein eigenes Zeichen symbolisiert. Aber auch in der literarischen Tradition ist das Gehölz präsent: In einer russischen Version des Märchens vom Fischer und seiner Frau erfüllt eine schlanke Birke die immer maßloseren Wünsche der Protagonistin.

          Alle Betrachter fasziniert die auffallend weiße Farbe der Borke, deren Glanz der Birke möglicherweise auch ihren Namen gegeben hat. Der Popularität des Baumes hat auch das allergene Potential der Pollen nichts anhaben können. Das frischgrüne Laub im Frühjahr, die anmutige Gestalt und die auffällige Rinde stechen in jedem Garten ins Auge.

          Die Auswahl an prächtigen Arten ist beachtlich. Pflanzt man einen Heister oder einen Stammbusch, kann man mit der geeigneten Unterpflanzung rasch eine anmutige Waldlichtung imaginieren. Außer Ermans Birke gefallen die Himalaya-Birke (Betula utilis var. Jacquemontii), deren Stamm schon in jungen Jahren weiß leuchtet, die Chinesische oder Kupfer-Birke (Betula albosinensis), deren Farbe zwischen Hellrosa und Dunkelorange changiert, und die Papier-Birke (Betula papyrifera), deren helle Borke sich in unterschiedlich breiten Streifen abrollt.

          In Sauna und Banja nie ohne: Ein Mann sitzt vor einer Sauna in Finnland und bindet junge Birkenzweige zu Bündeln zusammen.
          In Sauna und Banja nie ohne: Ein Mann sitzt vor einer Sauna in Finnland und bindet junge Birkenzweige zu Bündeln zusammen. : Bild: Picture-Alliance

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