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Weißrussland : Der Verleger, der seine eigenen Bücher verbrannte

  • -Aktualisiert am

Wahllos verhaftet die Polizei Demonstranten beim inoffiziellen „Freedom Day“ in Minsk am 25. März. Bild: EPA

Paranoia auf Weißrussisch: In Minsk werden unabhängige Intellektuelle verhaftet, Verleger haben Angst um ihre Existenz.

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          Die Lage von Journalisten und Schriftstellern in der Türkei war ein dominierendes Thema der Leipziger Buchmesse. Die Situation der Kollegen in der nahen Republik Belarus kam hingegen nicht zur Sprache. Und während sich am Samstag in Rom die Mitglieder der Europäischen Union nochmals symbolisch das Jawort gaben, wurden in Minsk, nur hundertsiebzig Kilometer von der EU-Außengrenze entfernt, Hunderte Demonstranten festgenommen.

          Der Schriftsteller Viktor Martinowitsch sitzt in einem überfüllten Zug auf dem Weg zur Buchmesse. In seinem auf Deutsch 2014 erschienenen Roman „Paranoia“ beschreibt er eine Diktatur, in der die Grenze zwischen der Wirklichkeit und der vom Geheimdienst fabrizierten Prosa verschwimmt. In Leipzig stellte Martinowitsch nun seinen neuen Roman „Mova“ vor, der im Verlag Voland & Quist erschienen ist. In der phantastischen Geschichte ist Belarus im Jahr 2044 Teil eines chinesischen Imperiums, in dem die Sprache Belarussisch als Droge in kleinen Dosen gehandelt wird.

          Ein Polizist zeigt den Demonstranten aus dem Einsatzwagen heraus, was er von ihnen hält.

          In Minsk rollt eine Repressionswelle gegen belarussische Journalisten und Verleger. Martinowitsch erzählt: „Gestern wurde mein Verleger, Miroslau Lazouski, verhaftet.“ Ihm werde vorgeworfen, eine kriminelle Vereinigung gegründet zu haben. Das Staatsfernsehen BT strahlte bereits am Abend einen Bericht aus, in dem angebliche Waffenfunde gezeigt werden. „Das Regime hat Angst bekommen, nachdem in den vergangenen Wochen überall in Belarus Menschen auf die Straße gingen“, erklärt Martinowitsch den Zeitpunkt der Verhaftung.

          Wahllos Jagd auf junge Menschen

          In mehreren Städten waren Tausende Menschen auf die Straße gegangen, um gegen eine „Schmarotzer-Steuer“ zu protestieren. Diese richtet sich vor allem an diejenigen, die im Ausland arbeiten und zugleich in Belarus die kostenlosen Leistungen der Sozial- und Krankenversicherung in Anspruch nehmen. Sie trifft aber auch all diejenigen, die als Freiberufler versuchen, in der durch die EU-Sanktionen gegen Russland ebenfalls geschwächten belarussischen Wirtschaft ein Auskommen zu finden. Die Reaktionen auf die Demonstrationen waren harsch. In Minsk wurden mehrere Dutzend Teilnehmer von Männern in Zivil verhaftet, die sich nicht auswiesen und ihre Übergriffe nicht begründeten.

          Dank einer neuen Live-Übertragungsfunktion in Facebook konnte jeder den Gewalteinsatz des belarussischen Staates online verfolgen. Die Aufnahmen eines Minsker Trolleybusses zeigen, wie Spezialeinheiten in schwarzen Rollkragenpullovern in Zivil wahllos Jagd auf junge Menschen machen, die sich in der Nähe der Demonstrationen aufgehalten hatten. Die Bilder sind eindrücklich, sagen aber wenig über den weiteren Verbleib der Verhafteten aus.

          Witze über das „Tauwetterchen“

          Nach der Verschlechterung der Beziehungen zwischen dem belarussischen Präsidenten Alexander Lukaschenka und Wladimir Putin sowie Anzeichen einer Annäherung an die Europäische Union, hatten einige Beobachter auf eine Liberalisierung in Belarus gehofft. Verbotene Bands konnten wieder öffentlich auftreten. In stillgelegten Fabriketagen fanden Diskussionen statt. Man machte Witze über ein „Tauwetterchen“. Doch nach den Demonstrationen der vergangenen Woche zeigt sich, dass Lukaschenkas Versuche, sich der Europäischen Union als Partner anzudienen, nichts an seinen Herrschaftsmethoden geändert haben. Symbolische „Tauwetterchen“-Phasen und deren physische Beendigung gehören dazu.

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