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„Weimar“-Ausstellung in Berlin : Sie ist wieder da

Plakat zum Volksbegehren über die Fürstenenteignung, Entwurf: H. J. (Monogramm), Leipzig, 1926 Bild: Deutsches Historisches Museum

Das Deutsche Historische Museum lobt die Verdienste der Weimarer Republik mit einer Ausstellung. Zur Eröffnung erscheint der Bundespräsident. Was erwartet die Besucher?

          Es traf sich, dass am Tag vor der Eröffnung der Ausstellung des Deutschen Historischen Museums zur Weimarer Republik eine Soiree im Amtssitz des Bundespräsidenten im Schloss Bellevue zum gleichen Thema stattfand. Matthias Brandt las aus Harry Graf Kesslers Tagebüchern und aus Thomas Manns „Appell an die Vernunft“ von 1930, Angela Winkler und Christopher Nell trugen Lieder aus Brechts „Dreigroschenoper“ vor, dazwischen liefen Ausschnitte aus „Metropolis“, dem „Blauen Engel“ und der Fernsehserie „Babylon Berlin“. Frank-Walter Steinmeier, der Gastgeber, beschwor in seiner Einführung die Dynamik der zwanziger Jahre, das „Mehrdeutige, Schillernde, Ambivalente, Androgyne“ jener Zeit. Niemals zuvor, so Steinmeier, habe es in der deutschen Kulturgeschichte „so viel Gegenwart“ gegeben.

          Andreas  Kilb

          Feuilletonkorrespondent in Berlin.

          Einen Abend später hielt der Bundespräsident die Eröffnungsrede zur Ausstellung im DHM. Jetzt fielen andere Begriffe – „Traditionslinien, Vorbilder, Mühen demokratischer Politik“ – und andere Namen, etwa die der Frauenrechtlerinnen Anita Augspurg und Helene Stöcker und des Juristen Hugo Preuß, der die Weimarer Verfassung entwarf. Aber der Tenor der Sätze blieb derselbe: Man dürfe die gescheiterte Republik „nicht mehr nur von ihrem Ende her denken und erzählen“, man müsse ihre Verdienste, ihre Kreativität, ihre Aufbruchsenergien würdigen, sie sei „keine Einbahnstraße in die Barbarei“ gewesen. Großer Beifall.

          Weimar ist also wieder da. Nicht als geschichtliches Menetekel, sondern als Beispiel und Inspiration. Das ist das Fazit der Steinmeier-Reden, und es ist auch die Bilanz der Ausstellung, die auf gut fünfhundert Quadratmetern einen Überblick über die fünfzehn Jahre vom Ausbruch der Deutschen Revolution bis zu Hitlers Machtübernahme zu geben versucht. Der Perspektivwechsel war fällig und weckt dennoch gemischte Gefühle. Eine verunsicherte Republik erkennt sich in einer anderen, eine Krisengesellschaft sieht im Spiegel ihr Zerrbild. Dass man die erste deutsche Demokratie nicht allein von ihrem Ende her denken darf, heißt nicht, dass man ihren Untergang je ausblenden kann. In der Dauerausstellung des Deutschen Historischen Museums, deren Weimar-Teil vor allem mit Plakaten und Fotos arbeitet, ist er allgegenwärtig.

          Mitsingen wieder Ehrensache

          Die Sonderausstellung im Pei-Bau verfolgt eine andere Strategie. Das Stahlgerüst, in das die Stellwände mit den Exponaten eingehängt sind, unterstreicht ihren Werkstattcharakter. Zwischen die Bild- und Textdokumente sind Vitrinen mit Objekten gerückt, an denen ein Wesenszug der Zeit sich kristallisieren soll. Wie immer besteht die Herausforderung darin, diese Dinge zum Sprechen zu bringen. Am Anfang funktioniert das ziemlich gut. Die Parade der Waffen, Mützen und Pamphlete, die für die Revolutionskämpfe stehen, kommt vor einer Wahlurne aus dem pfälzischen Oberwinter zum Stehen. Bei den Wahlen zur Nationalversammlung von 1919 hatten Frauen erstmals volles Stimmrecht, früher als in den meisten europäischen Ländern. Hier hätten die Ausstellungssektionen zur Emanzipation und Sexualaufklärung direkt anknüpfen können. Stattdessen folgt eine Plakatwand zum Volksentscheid über die Fürstenenteignung, mit der die Kuratoren eine wichtige Chance vergeben.

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