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Wege des Geldes : Dispokratie

Bei den Graugänsen am alten Hafen soll ein neues Stadtviertel bald maritimes Lebensgefühl verbreiten Bild: Fricke, Helmut

Die Europäische Zentralbank vergibt in der Krise billige Kredite an Banken. Doch das Geld nährt nur die Finanzwirtschaft, woanders kommt es kaum an. Eine Spurensuche in Offenbach.

          Der Mann, der das Geld in die Welt bringt, heißt Guido Della Valle, aber er bekommt nicht viel Besuch. Er arbeitet in einem Großraumbüro im ersten Stock der Europäischen Zentralbank, das selbst in der EZB nur wenige Leute betreten dürfen. Eine Glastür sperrt einen langen Gang ab, an dessen Ende das Büro beginnt. Nur wer die richtige Zugangskarte hat, kommt durch. Denn was in diesem Büro besprochen wird, das darf nicht jeder wissen. Hier entspringt die Quelle von Europas Geld. Und diese Quelle sprudelt.

          Patrick Bernau

          Verantwortlicher Redakteur für Wirtschaft und „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Erst kam die Finanzkrise, dann die Euro-Krise, und im Kampf gegen diese Krisen flutete die Notenbank die Märkte mit Milliarden, immer wieder. Teils gab sie Kredit zur Nothilfe an Banken. Teils kaufte sie Staatsanleihen aus den Peripheriestaaten. Stellte die EZB vor vier Jahren noch rund 800 Milliarden Euro bereit, sind es jetzt 1630. Inzwischen findet mancher, Europa sei überschwemmt, und fürchtet Inflation.

          Einerseits ist womöglich bald zu viel Geld im Umlauf. Andererseits scheint es bei denen, die es brauchen, nicht anzukommen. Vielen Griechen fehlt das Nötigste zum Leben, in Spanien erreicht die Arbeitslosigkeit unter Jugendlichen immer neue Rekorde, selbst im krisenfernen Deutschland sind die Kassen klamm und viele Schwimmbäder marode. Wo also fließt das Geld hin? Was geschieht damit?

          Dies ist eine Reise auf den Spuren dieses Geldes. Sie beginnt in Frankfurt, in dem abgesperrten Großraumbüro der Europäischen Zentralbank, und wird nur ein paar Kilometer den Main hinauf bis nach Offenbach führen - und dennoch beschreibt sie einen ganzen Kreislauf.

          Jeden Dienstag gibt es neue Euro

          Jeden Dienstag treffen sich Guido Della Valle und seine Kollegen in der Zentralbank in einem Konferenzraum mit glänzend roter Wand und abhörsicheren Telefonleitungen zu jeder Zentralbank im Euroland. Jeden Dienstag bringt einer seiner Kollegen eine Liste mit, auf der die Notenbanken der einzelnen Staaten aufgelistet haben, welche Banken der Eurozone wie viel Geld leihen wollen. Maltas Zentralbank in der Hauptstadt Valletta hat vielleicht Anfragen für ein paar Milliarden, die Bundesbank im Norden von Frankfurt für ein paar Milliarden mehr. Dann beraten die Notenbanker. Und überlegen sich, wie viel Geld tatsächlich verliehen werden soll. Guido Della Valle trägt die entscheidenden Zahlen in seinen Computer ein. Wenige Minuten darauf leuchten siebzehn grüne Haken auf seinem Bildschirm auf, für jede Notenbank im Euroraum einer. Die Notenbanken wissen Bescheid, sie nehmen die Konten der Banken und schreiben ihnen den neuen Betrag gut. Fertig ist das Geld. Milliarden, die aus dem Nichts entstehen.

          Geld entsteht, einfach gesagt, durch Kredit. Banken leihen Firmen und Privatleuten Geld, und wenn ihr eigenes nicht reicht, können sich die Banken Geld von der Notenbank leihen. Darüber kontrolliert die Notenbank, wie viel Geld in Umlauf kommen kann. Früher, als die EZB tatsächlich noch wöchentlich darüber entschieden hat, war das spektakulärer. Da konnten Guido Della Valle und seine Kollegen auf der Arbeitsebene der Zentralbank nicht allein entscheiden. Per Telefon wurden die EZB-Direktoren im 35. Stock zugeschaltet, die über jede Verleihaktion das letzte Wort behielten.

          Erst mal ist es „Liquidität“

          Doch das ist alles nicht mehr nötig. Der eine oder andere Direktor schaut zwar direkt im roten Konferenzraum vorbei, doch viel zu entscheiden gibt es nicht mehr. Heute steht die Entscheidung von vornherein fest. „Vollzuteilungspolitik“ heißt das im EZB-Deutsch. Guido Della Valle übersetzt: „Es ist schon vorbestimmt, dass alle Gebote erfüllt werden.“ Der Zins ist niedrig, und die Banken bekommen so viel geliehen, wie sie haben wollen. Das macht die Notenbank seit der Finanzkrise. Keine Bank soll pleitegehen, weil sie zu wenig Kredit bekommt. Jede soll trotz der Krise weiter Geld verleihen können, damit Unternehmen Kredit bekommen. Denn dann können sie investieren und Arbeitsplätze halten oder neue schaffen.

          Hatten die Notenbanken den Banken im Januar 2007 noch rund 400 Milliarden Euro geliehen, waren es im Januar 2013 schon rund 1100 Milliarden Euro. „Liquidität“ nennt das Guido Della Valle. Denn Geld ist es für ihn im volkswirtschaftlichen Sinne erst, wenn es Einfluss auf Einkommen, Arbeit oder Preise hat. Geld ist es erst, wenn die Banken die Euros weiterverliehen haben an Privatleute, die davon zum Beispiel Häuser kaufen. Und - vor allem an Firmen, die davon Büros oder Fabriken ausstatten oder die Entwicklung neuer Produkte finanzieren. Aber wo taucht das Geld auf?

          Das „Haus der Wirtschaft“ an der Berliner Straße, der Hauptdurchgangsstraße Offenbachs

          Sven Arnold ist Immobilienmakler. Die Haare zur Igelfrisur nach oben gegelt, fährt der 30-Jährige durch Offenbach. Er kennt sich aus auf dem Markt: Er arbeitet in einem Büro der Maklervereinigung Remax, vorher hat er mit seiner Familie privat Häuser gekauft, saniert und wieder verkauft. Er hat gerade viel zu tun.

          Arnold arbeitet nur fünf Kilometer mainaufwärts von der EZB entfernt. Offenbach. Ausgerechnet. Eine Metropole ist die Stadt südöstlich von Frankfurt nicht gerade, sie hat 120.000 Einwohner und profitiert schon lange nicht mehr richtig vom Reichtum ihres berühmten Nachbarn. Den Frankfurtern gilt Offenbach als hässlicher Hinterhof ihrer mondänen Hochhäuser und Museen. Die Offenbacher S-Bahn fährt Piercings, Ponchos und Plastiktüten durch die Stadt. Und jetzt kommt noch Fluglärm dazu. Zur neuen Landebahn in Frankfurt drehen die Flugzeuge über Offenbach ein - so tief, dass sich selbst die Räder am Fahrwerk deutlich abzeichnen.

          Die Offenbacher sehen ihre Stadt deutlich besser. Sie loben ihren schönen Wochenmarkt, das neue Stadion, den Beach Club am Main. In den vergangenen Jahren haben sie ein wichtiges Argument dazugewonnen: Die Immobilienpreise steigen. In Frankfurt sind die Häuser inzwischen so teuer, dass immer mehr Leute aus der Mittelschicht nach Offenbach ausweichen. „Viele Leute werden aus Frankfurt rausgedrängt“, sagt Arnold. Jetzt drängen sie sich in Offenbach.

          Eine Wohnung verkauft in einer Woche

          Im BMW fährt Arnold eine Tour durch die Stadt. Vor einem gelben Haus bleibt er stehen. Vor zwei Monaten hat er dort eine Wohnung verkauft. „Wir hatten zwanzig Anfragen in drei Tagen, am ersten Wochenende fünfzehn Besichtigungen.“ Die Interessenten hat er im 20-Minuten-Takt durchs Haus geschleust. Trotzdem rief schon am Montag der Bankberater eines Interessenten an, am Mittwoch wurde der Kaufvertrag unterschrieben - „alles zusammen hat keine Woche gedauert“.

          Was Arnold erzählt, ist kein Maklerlatein. In den vergangenen vier Jahren ist die Nachfrage so gestiegen, dass Offenbachs Wohnungsverkäufer heute dreizehn Prozent mehr verlangen, hat das Marktforschungsinstitut Empirica ausgerechnet. Wenn Sven Arnold erzählt, dass sich die Leute nach einem Haus in Offenbach sehnen, übertreibt er nicht. Und finanzieren können sie es nun über die günstigen Kredite, die ihnen die Banken geben.

          Tatsächlich ist es heute nicht schwer, einen Kredit zu bekommen. Die Banken haben viel Geld, sie bekommen viel von der EZB, sie verleihen es billig und in großen Mengen. Auch wenn die Banken es offiziell nicht gern zugeben: Teils vergeben sie so hohe Kredite, dass die Hauskäufer sich den kompletten Kaufpreis leihen können. Nur die Notarkosten und die Steuern müssen sie noch aus eigenem Geld bezahlen. Die Commerzbank wirbt mit dem Satz „Nennen Sie uns Ihren Wunschzins für Ihre Immobilie“ - und kleiner im Prospekt: „Wir sagen Ihnen, was sich machen lässt.“ Aber nicht jede Bank passe auf, ob sich die Leute übernehmen, sagt Arnold. Manche Bank vergebe fast jeden Kredit.

          Mit jedem Kredit steigt die Nachfrage

          So kommt es, dass manchmal die Interessenten im Remax-Büro stehen, mit dem Taschenrechner die Raten überschlagen und dann beschließen, dass sie einen Kredit bedienen können, wenn sich die Frau einen Nebenjob sucht. „Manchmal gibt es Interessenten, die auf Teufel komm raus kaufen wollen, weil der Zins so niedrig ist. Die weise ich darauf hin, dass der Zins auch mal steigen kann“, sagt Arnold. Inzwischen sei es seine Aufgabe, die Leute auch mal vom Kaufen abzuhalten, sagt er. Seinem Geschäft schadet das nicht.

          Zurzeit gibt es immer mehr Leute wie jenen Kunden, für den Arnold gerade wieder Wohnungen sucht. Und nicht nur eine. Dieser Kunde hat gemerkt, dass er kaum eigenes Geld braucht, um Wohnungen zu kaufen. Also hat er sich Geld geliehen und in einem Jahr acht Wohnungen gekauft, die er jetzt alle vermietet. Kürzlich hat die Bank gesagt: Sie würde ihm noch 200.000 Euro mehr leihen. Also will der Kunde noch mehr kaufen.

          So kommt das Geld in die Welt: Mit jedem Kredit entsteht Geld, und mit jedem Kredit steigt die Nachfrage nach Immobilien, also wachsen die Preise. Die Verkäufer bekommen immer mehr, und wenn sie damit nicht ihren Kredit abzahlen, dann stecken sie es oft wiederum in ein größeres Haus oder in eine Ferienwohnung, erzählen Banker. So treiben die Leute die Immobilienpreise weiter in die Höhe.

          Das Offenbacher Rathaus versprüht noch den diskreten Charme eines Schulgebäudes. Davor die Skulptur „Flamme“ von Bernd Rosenheim

          In Offenbachs altem Hafen leuchten die Augen des Oberbürgermeisters Horst Schneider, dabei ist der Hafen noch eine einzige Baustelle. Rohbauten von drei Wohnblöcken stehen schon. An klareren Tagen sieht man am Horizont das neue EZB-Hochhaus in den Himmel wachsen. Eine Frankfurter Baugesellschaft bedankt sich artig für die Bauplätze, auf die sie ihre Häuser stellt, und schreibt auf ein Plakat: „Wer sagt, dass Offenbach und Frankfurt nicht miteinander können?“

          Das ist Horst Schneiders Projekt: Seit 2004, als er Bürgermeister und Planungsdezernent wurde, treibt er die Bebauung der Maininsel voran - und die von ganz Offenbach. Einst war die Stadt voller Industriebetriebe. Leder, Chemieprodukte, Druckmaschinen und vieles mehr wurden dort produziert. Heute sind viele Betriebe weggezogen oder pleite, ihre Gelände liegen brach. Jetzt soll dort wieder Leben aufkommen. „Planen und Bauen ist meine Leidenschaft“, sagt der Bürgermeister. Ihm hilft der Immobilienboom, seine Vision zu verwirklichen. „Die Bebauung der Maininsel ist ein Jahr vor dem Zeitplan“, erzählt er, „so groß ist die Nachfrage nach den Wohnungen.“

          Rathaus-Toiletten ohne Deckel

          Doch so sehr sich Offenbach als Immobilienmarkt gerade entwickelt, als Stadt ist es praktisch pleite. Am Tag zuvor hat sich Schneider noch mit Hessens Finanzminister darauf verständigt, dass Offenbach unter den Rettungsschirm kommt, den das Land Hessen für klamme Städte aufgespannt hat. Am Ende war er ganz froh über das Ergebnis. „Das Land hat das eigene Gesetz bis zur Unkenntlichkeit gedehnt“, sagt er, es habe von Offenbach weniger Sparprogramme gefordert als üblich. Viel weniger ausgeben könne die Stadt allerdings ohnehin nicht mehr.

          Beispiele für Offenbachs Armut gibt es genug: Das Rathaus ist nicht protzig renoviert, sondern sieht aus wie eine Schule, bis hin zu den Toiletten, denen der Deckel fehlt. Die Stadt hat nur noch ein Schwimmbad, und sogar dort war im Sommer das Planschbecken für die Kinder gesperrt, weil die städtischen Zuschüsse nicht für die Renovierung gereicht haben. Das Bad gehört ohnehin nicht mehr der Stadt, sondern einem Verein und wird zu guten Teilen von Ehrenamtlichen am Laufen gehalten, weil die keinen Lohn verlangen.

          Nur in den besten Jahren ein kleiner Überschuss

          Trotzdem steckt Offenbach tief in den Schulden. So tief, dass selbst die niedrigen Kreditzinsen für die städtischen Schulden den Haushalt nicht mehr retten. In den besten Jahren reicht das Geld gerade so. Doch dann kommt eine Rezession, die Einnahmen schwinden, nur die Ausgaben gehen nicht zurück, sondern steigen langsam weiter. Die Stadt macht neue Schulden, und im nächsten guten Jahr gibt es trotz Rekordeinnahmen nur einen kleinen Überschuss. So geht es in vielen öffentlichen Haushalten. „Man kann natürlich die philosophische Debatte führen, ob wir uns auf ein Niveau hochgeschaukelt haben, das nicht mehr finanzierbar ist“, sagt der Oberbürgermeister. „Dazu würde mir viel einfallen, aber das Thema liegt nicht in meiner Entscheidungsmacht.“

          Schneider erzählt jedem, der es wissen will, dass Offenbach zu fast allen verbliebenen Ausgaben verpflichtet ist. Rund ein Drittel der Ausgaben sind Sozialleistungen. Die Bürger könnten das Geld einklagen, weil Bund und Land die Gesetze dazu beschlossen haben.

          Andererseits versucht Schneider, immer noch zu investieren. Als die Bundesregierung ihre Schatulle fürs Konjunkturpaket öffnete, sanierte Offenbach seinen Platz für den Wochenmarkt und legte die Saat für ein neues Kneipenviertel. Hübsch sieht es aus, doch Schneider sagte damals schon, Offenbach gebe Geld aus, das es nicht hat. In den vergangenen fünf Jahren flossen 170 Millionen Euro in Schulrenovierungen. Und auch für die neuen Bauprojekte im alten Hafen hat die Stadt einiges vorzufinanzieren. „Wachstumsstrategie“ nennt Schneider das. Sein Ziel: Er will Offenbachs notorisch geringe Steuereinnahmen steigern.

          Zwei Wege zu Geld

          Der Oberbürgermeister hat zwei unterschiedliche Rechnungen anstellen lassen, die für Offenbachs Perspektiven auf höhere Steuereinnahmen stehen. Beide funktionieren eher, wenn die Zinsen niedrig sind und Investitionen erleichtern. Die erste Rechnung zeigt auf zwei DIN-A4-Seiten, was die vielen neuen Wohnhäuser bringen könnten. Durch sie entsteht Platz für neue Einwohner, 12.000 bis zum Jahr 2020. Aber von diesem Boom würde die Stadtkasse kaum profitieren. Die zusätzlichen Steuern würden höchstens 7 Millionen Euro im Jahr bringen, gerade mal ein Zehntel des Haushaltslochs. Und da ist noch nicht eingerechnet, dass neue Bürger auch neue Ausgaben verlangen.

          Die zweite Rechnung geht anders: Wenn auf all den brachliegenden und freien Gewerbeflächen in der Stadt neue Firmen entstehen würden, wäre das halbe Haushaltsloch geschlossen. Gleichzeitig entstünden Arbeitsplätze, und die Stadt müsste weniger Sozialleistungen zahlen. Doch dafür müssten Firmen nach Offenbach ziehen. Oder noch besser: Die Firmen müssten zu dem niedrigen Zins Kredite aufnehmen und in Offenbach investieren, müssten neue Fabriken bauen oder Arbeitsplätze finanzieren, um einen neuen Geschäftszweig aufzubauen. Aber auf dem zweiten Zettel rechnet Schneider nicht wirklich. „Mir fehlt der Glaube daran, dass das realistisch ist.“

          Auf seiner kleinen Stadttour kommt Horst Schneider an einer dieser Brachen vorbei. Einen ganzen Straßenblock lang steht da eine beige geflieste Fabrik, die Wände sind mit Graffiti bemalt, das Glas in Türen splittert. Einst haben hinter diesen Türen die Angestellten von Manroland Druckmaschinen gebaut. Heute steht das Gelände leer, Manroland ist erst ausgezogen und hat später Insolvenz angemeldet. Der Oberbürgermeister erzählt stolz, dass er fünf Vorlagen durch die politischen Gremien gebracht hat, damit in der ehemaligen Fabrik 168 Wohnungen entstehen. Ein Supermarkt zieht auch ein. „Da wird dann nichts mehr hergestellt“, sagt Schneider, „nur noch verkauft.“

          Im Offenbacher Westen gibt es noch brach liegende Grundstücke und viel Leerstand

          Hunderte von Milliarden Euro hat die EZB in der Finanzkrise an Liquidität bereitgestellt. Damit Banken überleben und der Euro hält. Das hat bis heute funktioniert. Aber die EZB hat die Liquidität auch gegeben, damit die Banken dann Unternehmen Geld leihen. Damit die Unternehmen dann Arbeitsplätze schaffen und Steuern zahlen. Doch das passiert nicht.

          In Frankfurt sitzt EZB-Direktor Benoît Coeuré, der für die Kredite an die Banken zuständig ist, im roten Konferenzraum und erzählt, wie er die Lage sieht.

          Während der Wirtschaftskrise hätten die Banken die Liquidität von der EZB nicht weitergegeben. Die frisch geliehenen Euros hätten sie gehortet, um sicherzustellen, dass sie selbst jederzeit flüssig waren. Damals verliehen die Banken das Geld nicht weiter, da konnte die EZB ihnen noch so viele Milliarden gutschreiben. Inzwischen geht es manchen Banken besser. Einige fangen an, ihre Milliarden zurückzuzahlen. Die Banken könnten inzwischen schon wieder viele Kredite vergeben, auch wenn einige noch hohe Sicherheiten verlangten.

          Aber Coeuré findet auch: „Es wird nur in der Finanzwelt besser.“ Immobilienboom hin oder her - „das größte Problem ist die Kreditnachfrage“.

          Das bedeutet, es gibt gar nicht so viele Firmen, die wirklich für Fabriken oder Maschinen Geld leihen wollen. Kaum einer nimmt das Geld in die Hand und gründet eine Firma oder startet wenigstens einen neuen Geschäftszweig. Dazu bräuchten die Deutschen mehr Optimismus für die Wirtschaft und den Glauben daran, dass aus ihrem Wagnis etwas werden kann. Ein paar zündende Geschäftsideen oder ein bisschen mehr Mut. Stattdessen bleibt das Geld im Finanzsystem. Aktienkurse steigen, Gold ist teuer. Wenn das Geld mal einer rausholt, dann geht es in Immobilien - und treibt deren Preise derart in die Höhe, dass viele Leute schon wieder Angst vor einer neuen Blase bekommen.

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