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Trumps Chefstratege : Die dunkle Seite der Macht

Die dunkle Seite der Macht: Stephen Bannon Bild: UPI/laif

Krieg und Revolution sind die beiden Eckpfeiler im Denken von Stephen Bannon, dem Chefstrategen der Regierung Trump. Eine Exegese.

          6 Min.

          Stephen Bannon gilt als der Ideologe hinter dem „Trumpismus“, wie er sich nach dessen ersten Tagen Regierungszeit abzeichnet. Doch eigentlich sind es nicht Ideen, die den Chefstrategen des amerikanischen Präsidenten zu einer so ungeheuren Figur machen. Was sich aus verstreuten Statements, Filmskripts und Rededokumenten an Bannons Anschauungen über die Welt herausdestillieren lässt, unterscheidet sich nicht groß von dem, was auch sehr viele andere denken: Die politischen Parteien und die Medien hätten den Kontakt zur Wirklichkeit und zum Volk verloren, der Kapitalismus sei zu einer korrupten Vetternwirtschaft verkommen, der Westen sei durch den Islamismus bedroht und überdies in Gefahr, seine eigenen jüdisch-christlichen Wurzeln zu verlieren. Doch all diese nicht so originellen Ansichten bekommen ihre spezielle Temperatur und Energie erst durch die beiden alles verschlingenden Urgewalten, auf die sie bei Bannon zulaufen: Krieg und Revolution.

          Mark Siemons
          Feuilletonkorrespondent in Berlin.

          Um sich über die aktuelle Lage in den Vereinigten Staaten klarzuwerden, muss man möglichst genau verstehen, was diese beiden Begriffe, was „Revolution“ und „Krieg“ für diesen Mann bedeuten, dem der Präsident vor einer Woche sogar einen ständigen Sitz im Nationalen Sicherheitsrat verschafft hat. Als Erstes fällt auf, dass zwischen seinen Zeitdiagnosen und den vermeintlichen Heilmitteln eine Lücke klafft. Bannon gibt sich in den verfügbaren Quellen keine Mühe nachzuweisen, weshalb das eine zwingend aus dem anderen hervorgeht: weshalb es kein anderes Mittel gegen die terroristische Bedrohung geben könne als Krieg, weshalb gegen Elitenverblendung und Nepotismus nichts anderes helfe als Revolution. Es handelt sich bei ihm da vielmehr um Setzungen, die der Analyse konkreter Probleme vorausgehen.

          Sein Passwort war „Sparta“

          „Krieg“ war für Bannon schon längst vor dem 11. September 2001 ein Schlüsselthema, dem Tag, der nach der Aussage seiner früheren Hollywood-Mitarbeiterin Julia Jones das Datum seines Umschlags zum rechten Propagandisten markiert. Nach sieben Jahren bei der Marine, Studien der Nationalen Sicherheit und der Betriebswirtschaft sowie sechs Jahren bei der Investment-Firma Goldman Sachs war Bannon in den neunziger Jahren ins Filmgeschäft eingestiegen. Er erwarb Anteile an Fernsehserien (unter anderen an „Seinfeld“), produzierte Dokumentarfilme und schrieb Drehbücher für ehrgeizige Shakespeare-Adaptionen. Eines dieser nicht realisierten Projekte war eine Verlegung der blutigen Tragödie „Titus Andronicus“ ins Weltall; das Skript dieser Unheilsphantasie maximal galaktischen Ausmaßes fängt mit den lustvoll bedrohlichen Worten an: „Menschheit in Chaos. Außerirdische Raumschiffe schälen sich aus dem Dunkel, sonnenlose Himmel, Menschen fliehen in Panik.“

          Jones, die Ko-Autorin des Drehbuchs, erzählte amerikanischen Zeitschriften auch, dass Bannon immer von den großen Schlachten des Römischen Reichs fasziniert gewesen sei, am meisten aber vom Peloponnesischen Krieg, bei dem Sparta über Athen siegte und damit der attischen Demokratie ein Ende machte; sein Computer-Passwort sei „Sparta“ gewesen. Zu Bannons Lieblingsbüchern habe „Die Kunst des Kriegs“ des antiken chinesischen Militärstrategen Sunzi gehört und das alte Hindu-Epos „Bhagavad Gita“.

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