https://www.faz.net/-gqz-8u48g

Trumps Chefstratege : Die dunkle Seite der Macht

Die dunkle Seite der Macht: Stephen Bannon Bild: UPI/laif

Krieg und Revolution sind die beiden Eckpfeiler im Denken von Stephen Bannon, dem Chefstrategen der Regierung Trump. Eine Exegese.

          Stephen Bannon gilt als der Ideologe hinter dem „Trumpismus“, wie er sich nach dessen ersten Tagen Regierungszeit abzeichnet. Doch eigentlich sind es nicht Ideen, die den Chefstrategen des amerikanischen Präsidenten zu einer so ungeheuren Figur machen. Was sich aus verstreuten Statements, Filmskripts und Rededokumenten an Bannons Anschauungen über die Welt herausdestillieren lässt, unterscheidet sich nicht groß von dem, was auch sehr viele andere denken: Die politischen Parteien und die Medien hätten den Kontakt zur Wirklichkeit und zum Volk verloren, der Kapitalismus sei zu einer korrupten Vetternwirtschaft verkommen, der Westen sei durch den Islamismus bedroht und überdies in Gefahr, seine eigenen jüdisch-christlichen Wurzeln zu verlieren. Doch all diese nicht so originellen Ansichten bekommen ihre spezielle Temperatur und Energie erst durch die beiden alles verschlingenden Urgewalten, auf die sie bei Bannon zulaufen: Krieg und Revolution.

          Mark Siemons

          Feuilletonkorrespondent in Berlin.

          Um sich über die aktuelle Lage in den Vereinigten Staaten klarzuwerden, muss man möglichst genau verstehen, was diese beiden Begriffe, was „Revolution“ und „Krieg“ für diesen Mann bedeuten, dem der Präsident vor einer Woche sogar einen ständigen Sitz im Nationalen Sicherheitsrat verschafft hat. Als Erstes fällt auf, dass zwischen seinen Zeitdiagnosen und den vermeintlichen Heilmitteln eine Lücke klafft. Bannon gibt sich in den verfügbaren Quellen keine Mühe nachzuweisen, weshalb das eine zwingend aus dem anderen hervorgeht: weshalb es kein anderes Mittel gegen die terroristische Bedrohung geben könne als Krieg, weshalb gegen Elitenverblendung und Nepotismus nichts anderes helfe als Revolution. Es handelt sich bei ihm da vielmehr um Setzungen, die der Analyse konkreter Probleme vorausgehen.

          Sein Passwort war „Sparta“

          „Krieg“ war für Bannon schon längst vor dem 11. September 2001 ein Schlüsselthema, dem Tag, der nach der Aussage seiner früheren Hollywood-Mitarbeiterin Julia Jones das Datum seines Umschlags zum rechten Propagandisten markiert. Nach sieben Jahren bei der Marine, Studien der Nationalen Sicherheit und der Betriebswirtschaft sowie sechs Jahren bei der Investment-Firma Goldman Sachs war Bannon in den neunziger Jahren ins Filmgeschäft eingestiegen. Er erwarb Anteile an Fernsehserien (unter anderen an „Seinfeld“), produzierte Dokumentarfilme und schrieb Drehbücher für ehrgeizige Shakespeare-Adaptionen. Eines dieser nicht realisierten Projekte war eine Verlegung der blutigen Tragödie „Titus Andronicus“ ins Weltall; das Skript dieser Unheilsphantasie maximal galaktischen Ausmaßes fängt mit den lustvoll bedrohlichen Worten an: „Menschheit in Chaos. Außerirdische Raumschiffe schälen sich aus dem Dunkel, sonnenlose Himmel, Menschen fliehen in Panik.“

          Jones, die Ko-Autorin des Drehbuchs, erzählte amerikanischen Zeitschriften auch, dass Bannon immer von den großen Schlachten des Römischen Reichs fasziniert gewesen sei, am meisten aber vom Peloponnesischen Krieg, bei dem Sparta über Athen siegte und damit der attischen Demokratie ein Ende machte; sein Computer-Passwort sei „Sparta“ gewesen. Zu Bannons Lieblingsbüchern habe „Die Kunst des Kriegs“ des antiken chinesischen Militärstrategen Sunzi gehört und das alte Hindu-Epos „Bhagavad Gita“.

          Weitere Themen

          Die Republik ist er

          FAZ Plus Artikel: Macrons Abstieg : Die Republik ist er

          Woher die Wut auf Emmanuel Macron? Der Präsident hat es gewagt, das politische System vom Links-Rechts-Schema zu befreien. Sollte er scheitern, ginge Frankreich einer düsteren Zukunft entgegen. Ein Gastbeitrag.

          „Bumblebee“ Video-Seite öffnen

          Trailer : „Bumblebee“

          Am 20. Dezember kommt der Prequel des 2007 Transformers „Bumblebee“ in die deutschen Kinos. Im Mittelpunkt steht der gleichnamige Transformers-Charakter.

          „Herbstsonate“ Video-Seite öffnen

          Trailer : „Herbstsonate“

          „Herbstsonate“, 1978. Regie: Ingmar Bergman. Darsteller: Ingrid Bergman, Liv Ullmann, Lena Nyman.

          Topmeldungen

          FAZ Plus Artikel: F.A.Z.-Interview : Merz traut sich ein Ministeramt zu

          Der unterlegene Kandidat für den CDU-Vorsitz ist bereit, „mit ganzer Kraft in die Politik zu gehen“. Ein exklusives Gespräch mit Friedrich Merz über seine Ambitionen, seine Rede auf dem Parteitag und über Gerüchte, mit denen er nichts anfangen kann.

          Autoversicherungen : Junge Fahrer zahlen drauf

          Endlich volljährig – endlich das eigene Auto. Doch junge Fahrer günstig zu versichern, ist fast unmöglich. Mit einigen Kniffen kann man dennoch sparen.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.