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Trumps Chefstratege : Die dunkle Seite der Macht

Am Glauben ist vor allem die Gewalt interessant

Bei einer Konferenz im Vatikan, an der Bannon 2014 über Skype teilnahm, sprach er in einem einzigen Atemzug über die spirituelle Krise des „jüdisch-christlichen Westens“, den „globalen Krieg mit dem islamischen Faschismus“ und die seit der Finanzkrise von 2008 anstehende Revolution gegen das Establishment. Die Suggestion war, dass alles – Glaubensstärke, Krieg und Revolution – im Grunde dasselbe ist. Als einer der anwesenden Konferenzteilnehmer besorgt nachfragte, wie der Westen denn auf den Dschihadismus reagieren könne, ohne seine eigene Seele zu verlieren, ging Bannon auf die Seele gar nicht erst ein, sondern sagte bloß: „Wenn Sie auf die lange Geschichte des Kampfs des jüdisch-christlichen Westens mit dem Islam zurückschauen, glaube ich, dass unsere Vorfahren standgehalten haben, und ich glaube, sie haben recht daran getan.“ Mit anderen Worten: Die Bewahrung der Seele soll nur vom Krieg abhängen, dem man nicht ausweicht. Und am Glauben oder anderen Ideen soll vor allem die Gewalt interessant sein, die sie rechtfertigen.

In seinen Radiosendungen auf der Website von „Breitbart“ hat Bannon das Publikum auf so autosuggestive Weise auf den angeblich anstehenden Krieg eingeschworen, dass das Selbstzweckhafte deutlich hervortrat, besonders markant im Dezember 2015: „It’s war. It’s war. Every day, we put up: America’s at war, America’s at war. We’re at war.“ Das Ziel ist dabei keineswegs nur die Bekämpfung des Islamismus. In einer anderen Sendung sagte Bannon: „Wir werden in fünf bis zehn Jahren im Südchinesischen Meer in den Krieg ziehen, oder etwa nicht? Darüber kann es keinen Zweifel geben.“

Wut ist eine gute Sache

Tonlage und Wortwahl ähneln sich bei den Themen Krieg und Revolution so sehr, dass man im einzelnen Fall oft unsicher ist, von was gerade die Rede ist. „Das wird ein sehr hässlicher, langer, sich hinziehender Kampf“, sagte Bannon 2013 bei einer Zusammenkunft von Konservativen in Washington. Damit war nun die Revolution gemeint: „Die Leute geben eine Aristokratie nicht leicht auf.“ Hauptsache Kampf. Es soll eine Revolution gegen den falschen und für den wahren Kapitalismus sein, gegen den Nepotismus der Konzerne und Politiker, denen „London und Berlin näher sind als die Leute in Kansas und Colorado“, und für das amerikanische Unternehmertum. „Ich glaube, Wut ist eine gute Sache“, sagte er bei derselben Zusammenkunft: „Man braucht Leute, die kämpfen wollen.“

Das Fatale ist, dass es zwischen den Idiosynkrasien dieses Mannes und der Welt ringsum eine dreifache Entsprechung gibt: bei dem Teil der Wähler, der den Hass auf das sogenannte Establishment teilt; bei den islamistischen Strategen, die auf einen Weltbürgerkrieg der Kulturen und Religionen hinauswollen; und beim amerikanischen Präsidenten, der den im Wahlkampf bewährten Offensivmodus durch Bannon offenbar auf Permanenz stellen will. Noch fataler wäre die wechselseitige Verstrickung und Verstärkung dieser drei Resonanzebenen: Die Macht des Präsidenten kann dafür sorgen, dass das Spiel mit der Revolte, zu dem die soziale Unzufriedenheit viele verleitet hat, das Land und die Welt in genau jenen „Clash of Civilizations“ hineinzieht, den die liberalen westlichen Öffentlichkeiten bisher durch geduldiges Differenzieren auf Distanz halten konnten.

Ein Teil des Kräfteparallelogramms, der zugleich den fatalen Mechanismus durchbrechen könnte, bleiben die westlichen Öffentlichkeiten, ob liberal oder nicht. Wahrscheinlich wird man in Zukunft tatsächlich vermehrt über Krieg und Revolution sprechen müssen, aber anders, als der Stratege des amerikanischen Präsidenten dies suggeriert. Man wird diesen Gewaltphantasien ihre Verkleidungen nehmen müssen, die Rechtfertigungen, die ihnen einen Anschein von Notwendigkeit verleihen sollen. Man wird die Gewalt als die Ideologie der neuen Macht entlarven müssen, die sie ist.

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