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Was tun gegen „Fake-News“? : Die Realität ist nicht konsenspflichtig

„Fake-News“ bedienen eine Art von säkularem Fundamentalismus Bild: AP

Eine Art Stiftung Warentest für Kommunikation im Netz kann nicht funktionieren: Das Problem ist im Fall der Fake-News nicht ihre Produktion, sondern die Empfänglichkeit für sie.

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          Soeben lebten wir noch im faktischen Zeitalter. Soeben sagten Politiker noch die Wahrheit. (Über die Sicherheit der Renten, die fiskalische Lage Griechenlands, Massenvernichtungswaffen im Irak, Restlaufzeiten, Elbphilharmoniekosten, CDU-Parteispenden, das No-Spy-Abkommen und so weiter). Soeben glaubten ihnen deshalb alle noch.

          Jürgen Kaube
          Herausgeber.

          Überhaupt sagten bis soeben noch alle die Wahrheit: die Eheleute einander, die Bürger dem Finanzamt, die Eltern den Kindern, die Chefs den Beschäftigten und diese ihnen, die Kirche den Gläubigen und die Sportler den Dopingkommissionen. Darum konnten auch die Massenmedien, allein schon um nicht negativ aufzufallen, gar nicht anders, als ihrerseits stets bei den Tatsachen zu bleiben. Bis vor kurzem gab es beispielsweise gar keine „Bild“-Zeitung. Lange war sie eine Erfindung von Günter Wallraff. Der hat – wahrscheinlich, wir wollen ja nichts Falsches behaupten – im neunzehnten Jahrhundert auch das Wort „Ente“ erfunden.

          Epochendiagnose des Postfaktischen

          Dann aber kam am Ende des zwanzigsten das Internet, und mit ihm kam die Lüge. Das falsche Gerücht, die erfundene Neuigkeit hielten Einzug, und wurden immer schneller verbreitet und verwirrten immer mehr Leute. Seitdem leben wir im postfaktischen Zeitalter, in der Epoche der „Fake-News“ wie es spätestens seit diesem Wochenende überall heißt, weil der amerikanische Präsident das Wort verwendet hat. In seiner Verwendung lag natürlich eine besondere Pointe. War es doch derselbe Politiker, der in seinem Wahlkampf die Arbeitslosenzahlen der Vereinigten Staaten mal mit 23 Prozent, mal mit 42 Prozent bezifferte, was nicht nur voneinander weit weg war, sondern auch von den knapp fünf Prozent, die die Statistikämter auswiesen.

          Bei aller Diskussion, die darüber geführt werden kann und auch geführt wird, was solche eine Zahl ein- oder ausschließt – eigentlich log Donald Trump erfreulich offenkundig; es war nicht schwer zu sehen, dass er es tat. Da nun aber andererseits auch die Clintons ihre Beiträge zum Eindruck postfaktischer Zeiten geleistet hatten, kamen viele Wähler anscheinend auf dieser Ebene nicht weiter. Wer möchte garantieren, dass die vielen politischen Talkshows im deutschen Fernsehen nicht genau dieselbe Wirkung haben, wenn dort im Grunde fast alle stereotypen und halbinformierten Unfug reden, so dass am Ende die Leute mit den krassesten Einstellungen besser abschneiden, als ihr Gerede eigentlich erwarten ließe?

          Weil eine klare Analyse der politischen Lage und der massenmedialen Beiträge zu ihr aber fehlt, kaprizieren sich jetzt viele auf jene Epochendiagnose des Postfaktischen. Es sei, so heißt es, gezielte Desinformation aus dem Internet der Grund dafür, dass merkwürdige Politiker immer mehr Zulauf bekommen. Mit der Tatsache, dass es beispielsweise bei Silvio Berlusconi und den Kaczinsky-Brüdern einst nicht an Facebook-Unterstützung lag, ist diese Erklärung zwar nicht abgeglichen. Und wenn Juraprofessoren gar schreiben, Wahlen seien rechtswidrig, wenn sie nicht mehr (!) auf der Basis von Fakten entschieden würden, möchte man diese Formulierung sofort als lustigsten Kategorienfehler des Jahres nominieren („Wiedervereinigung ungültig: Kohl war gedopt!“, hieß es einst satirisch, „Bundestagswahl illegal: Steuersenkungsversprechen gebrochen“ wäre das Analogon).

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