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Was tun gegen „Fake-News“? : Die Realität ist nicht konsenspflichtig

Rettet Recherche die Demokratie?

Doch jenseits solcher Kuriositäten: Die Bearbeitung amerikanischer Wähler durch Big-Data-gestütztes Marketing und russische Staatstrolle zum einen, sowie zum anderen Leute, die irgendeinen niederträchtigen Blödsinn über Flüchtlingspolitik verbreiten, erscheinen manchem jetzt als Paradigmen gegenwärtiger Meinungsbildung. Ihm treten nun Projektemacher entgegen. Genauer: Sie meinen dieser Meinungsmache mittels haarsträubender Desinformation durch Projekte entgegentreten zu können. Eine Art Stiftung Warentest für Kommunikation im Netz und auch sonst ist ihr Ideal.

Von einem „Kampf gegen Fake-News“ will das Recherchenetzwerk Correctiv nicht sprechen

Facebook möchte in diesem Sinne eindeutige Falschmeldungen, die durch seine Netzwerke wandern, identifizieren und als solche kenntlich machen. Dabei sollen neben Lesern, die solche Meldungen bei Facebook zur Anzeige bringen, hierzulande auch Mitarbeiter des Recherchebüros „Correctiv“ helfen, die dem Tatsachengehalt der jeweiligen Mitteilungen nachgehen wollen.

Wenn der Redaktionsleiter von „Correctiv“ einschränkt, dieser Ansatz reiche nicht aus, um Fake-News zu bekämpfen, kann man ihm nicht widersprechen. Die bislang, wenn wir richtig gezählt haben, siebzehn Redaktionsmitglieder der von Stiftungen finanzierten Einrichtung, sind dabei noch das geringste Problem, wenn auch kein kleines. Mit wie viel Recherche in wie kurzer Zeit zu wie vielen zweifelhaften Meldungen rechnen diejenigen, die von ihrer Flut die Demokratie bedroht sehen? Und glauben sie ernsthaft, dass nicht dieselben Leute, die derzeit das Netz mit Verschwörungsbehauptungen und Lügen überschwemmen, auch alles zur Anzeige und Prüfung bringen werden, was ihren Weltsichten widerspricht?

Das Problem wird weggelassen

Kommunikation hat, Stichwort Warentest, gegenüber Geschirrspülmaschinen den Vor- wie Nachteil, dass sie ganz leicht hervorzubringen ist und umso leichter, wenn in Lügenabsicht einfach nur das Gegenteil von anderer Kommunikation behauptet werden soll. Es genügt, sich das Wettrüsten zwischen Fake-News-Produzenten und Nachrechercheuren auszumalen, um zu erkennen, wer hier Hase und wer Igel sein würde.

Doch das ist, wie gesagt, noch das geringste Problem. Wer die Wächter bewacht, wer also das Vertrauen in sie garantieren soll, stellt das viel größere dar. Oder denkt wirklich jemand, eine Leserschaft, die an Verschwörungstheorien oder krass erfundenen Behauptungen über die Kanzlerin Geschmack findet, wäre durch ein Gütesiegel „Powered by cognition“ oder von Eigenwerbung wie „Es gibt sie noch, die recherchierten Dinge“ zu beeindrucken? Das entspräche dem Scharfsinn derer, die sich mehr Güte in der Welt durch Ethik-Kommissionen versprechen, mehr Transparenz durch laufende Kameras und mehr Demokratie durch Einladung aller Betroffenen zum ergebnisoffenen Gespräch. Die Lösung besteht bei solchen Vorschlägen nämlich stets darin, das Problem wegzulassen.

Das Problem ist im Fall der Fake-News nicht ihre Produktion, sondern die Empfänglichkeit für sie. Zu vermuten, sie beruhe darauf, dass den Leuten einfach niemand die richtige, die echt wirkliche, die ganz und gar nachrecherchierte Arbeitslosenziffer mitgeteilt hat, unterschätzt die Situation. Es unterschätzt die Bereitschaft vieler zu einer Art säkularem Fundamentalismus: „So sehen wir das eben, das ist unsere Identität, und dass ihr und eure Medien, eure Forscher, eure Politiker es anders seht, das haben wir uns schon gedacht.“ Realität wird, wie Niklas Luhmann in seinem Buch über die Massenmedien einst formuliert hat, ohnehin nicht als konsenspflichtig erlebt. Daran werden Kommissionen und Projekte nichts ändern. Niemand kann dazu gezwungen werden, den Irrtum seiner selbstverfertigten Projektionen einzusehen, außer, vielleicht, durch deren Scheitern.

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