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Debatte über Kunstfreiheit : Über Bilder streiten, nicht über Politik

Axel Krause: Trans-Mission, 2019 Bild: Galerie Kunst-Kontor, Axel Krause

Weil er mit der AfD sympathisiert, wurde der Künstler Axel Krause von der Leipziger Jahresausstellung ausgeladen. Aber was malt er eigentlich? Und lohnt es sich, die Diskussion ins Ästhetische zu verlegen?

          Je mehr die Rede war vom Leipziger Maler Axel Krause, der im letzten Jahr größere Bekanntheit erlangte, als die Galerie Kleindienst die Zusammenarbeit aufkündigte, weil Krause zunehmend Sympathien für Pegida und AfD zeigte, und dessen Bekanntheit in den letzten Tagen weiterwuchs, weil er wegen seiner Mitgliedschaft im Kuratorium der Desiderius-Erasmus-Stiftung auch von der Leipziger Jahresausstellung ausgeladen wurde, je mehr also von Axel Krause die Rede war, desto mehr stellte sich die Frage, was für eine Rolle in diesem politischen Streit eigentlich die Kunst spielte.

          Hatte sie hier noch irgendwas zu sagen, oder ging es nur ums Künstlersein, also darum, öffentlich etwas zeigen und meinen zu dürfen, und um die Verteilung von Plätzen, wer das wo darf? Ist Axel Krause nur deshalb zu einem Vorzeigekünstler der Neuen Rechten geworden, weil die Nichtrechten ihn nicht mögen, ist es also Trotz, der dazu führte, dass sich die neue Ausgabe der Zeitschrift „Tumult“ mit seinen Bildern schmückt? Oder könnte es sich lohnen, über diese Gemälde selbst zu sprechen, und ließe sich der Streit darüber, mit wem sich wer wo zeigen möchte, auch ins Ästhetische verlegen?

          Autorität, die sich auf die Geschichte beruft

          Auf der Leipziger Ausstellung, die Krause einlud, dann wegen des Protests anderer Teilnehmer auslud, dann sich selbst absagte, jetzt aber ab Mittwoch in der Baumwollspinnerei zu sehen sein wird, wird das nicht möglich sein. Dafür in Potsdam, wo die Galerie Kunst-Kontor in der Bertinistraße noch bis Samstag eine Krause-Ausstellung zeigt. Man versteht gleich den Reiz dieser surrealistischen Phantasien, in denen etwa zwei Bauwalzen in eine modernistische Villa fahren, wo zwei Herren in einer Pathosformel des 19. Jahrhunderts eine ohnmächtig in den Sessel sinkende Frau umsorgen.

          Man versteht die Absage an die Gegenwart im gelehrt tuenden Collagieren von Balthus, de Chirico, Böcklin, das störrische Herumkauen auf der Idee einer Autorität, die sich auf die Geschichte beruft statt auf eine Zukunft. Und man staunt über das vulgäre Missverständnis von Balthus im Dekolleté einer mädchenhaften Tänzerin und die teils ungeschickt proportionierten Gliedmaßen der Figuren, gerade ob der illustrativen Pedanterie. Und wünscht sich, die Absage wäre ästhetisch begründet, dann hätte die Scheindebatte über Kunstfreiheit nämlich einen Gegenstand.

          Kolja Reichert

          Redakteur im Feuilleton der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung in Berlin.

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