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„Darm mit Charme“ : Was macht eigentlich Buch-Autorin Giulia Enders?

  • -Aktualisiert am

Sie praktiziert jetzt: Giulia Enders. Bild: AFP

Giulia Enders hat mit ihrem Buch „Darm mit Charme“ vor vier Jahren einen Sachbuch-Bestseller sondergleichen vorgelegt. Was macht sie jetzt? Man mag es kaum glauben. Eine Glosse.

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          Früher haben Fußballer noch Fußball gespielt, Förster standen im Wald, Moderatoren moderierten und Ärzte praktizierten. Später wurden Fußballer und Moderatoren Werbestars, Diskothekenbesitzer oder Gelegenheitsschauspieler. Ärzte wurden Komiker, und Förster schrieben Bestseller. Und heute?

          Muss ein eigenes Personality-Magazin her, wenn man als A-Promi noch ernst genommen werden will. Den Anfang machte „Barbara“ und brachte eine Flut ins Rollen. Im Kielwasser der Schöneberger überschwemmten „JWD“ („Joko Winterscheidts Druckerzeugnis“), „Johannes Lafer“, „Birgit“ (Schrowange mit „Lust auf mehr“), „Daniela“ (Katzenberger), „Dr. v. Hirschhausens Gesund leben“ und „Guido“ (Maria Kretschmer) die Kioske. Als jüngster Neuzugang ist „Boa“ von und mit Jérôme Boateng angelandet. Aber damit nicht genug. Auch die „Interior-Bloggerin“ Holly Becker steuert den Magazinmarkt an sowie – Tusch – der Seelenförster der Nation: Peter Wohlleben.

          Was lernen wir daraus? Erstens, dass „reichweitenstarke“ Sympathieträger von Verlagen in der stürmischen See der Digitalisierung fest als Rettungsreifen umarmt werden. Denn sie übersetzen, was Influencer online tun, ins Hochglanzgedruckte. Zweitens, dass Frauen als die Netten mit Vornamen gefragt sind, Männer als Titelträger, Nachnamenstypen oder Wortwitzkumpel. Und drittens, dass die Sache ihren Reiz verliert, wenn jeder Selbstdarsteller sein eigenes Heftchen hat.

          Deshalb an dieser Stelle ein Hoch auf Giulia Enders. Menschen, die ihre vergangenen vier Lebensjahre unter einem Stein verbracht haben, sei gesagt: Das ist die Autorin des Mega-Bestsellers „Darm mit Charme“. Noch als Studentin der Medizin hat Giulia Enders ihren frechen und fundierten Reiseführer durch das Innerste des Menschen geschrieben. Ihre Schwester Jill Enders steuerte Illustrationen bei.

          Einen gewonnen Science-Slam, diverse Talkshow-Auftritte und Millionen weltweit verkaufte Exemplare später ist sie ein Star. Jung, gutaussehend, klug, tatsächlich charmant und dazu noch angehende Medizinerin mit Humor und mit Spezialwissen über eine Tabuzone – eine Traumkombination, die das Herz jedes Medienunternehmers höherschlagen lässt.

          Was wäre da alles drin! Ein Nachfolgebuch (ein Ernährungsratgeber oder die Übertragung des alten Konzepts auf ein neues Organ, „Herz ohne Schmerz“ etwa), eine eigene Fernsehsendung, ein Podcast mit interaktiver Sprechstunde, und dann unbedingt – ein Personality-Heft! „Giulia – Das Magazin mit Bauchgefühl“ wäre, darauf würden wir wetten, ein Kracher, der Hirschhausen und Schöneberger neidisch machte.

          Aber Giulia Enders wollte nach ihrem Ausflug in die Publizistik tatsächlich lieber Ärztin werden. Sie hatte Sorge, dass sie „zu seicht dahinlebe“, sagte sie dem „Stern“. Also lehnte sie alle Talkshow-Anfragen ab, studierte zu Ende, promovierte, praktiziert. Ihre Zukunft sieht sie halb in der Forschung, halb als Ärztin. Und wenn diese Wünsche sich erfüllten, fänden wir das wirklich großartig.

          Ursula Scheer

          Redakteurin im Feuilleton.

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