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Nach dem Fall Relotius : Wer schießt den Cowboy aus dem Sattel?

Abschied vom weißen, männlichen Cowboyjournalisten, der alles weiß und alles durchblickt: Vielleicht helfen Selbstzweifel der Branche auf die Beine? Bild: Picture-Alliance

Beim Workshop des Reporter-Forums in Hamburg sollen Lehren aus dem Betrugsfall Relotius gezogen werden. Während sich die Aufarbeitung noch zieht, zeigt sich die Branche uneinig.

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          Ein Briefträger lässt sich von einem Journalisten begleiten, der ein Porträt über ihn schreiben will. Der Reporter erkundigt sich, was ihm Tag für Tag mit den Empfängern seiner Briefe und Pakete passiere. Später schreibt der Journalist: Der Briefträger brauche die Postkarten, die er austrage, nicht zu lesen, die Menschen erzählten ihm ohnehin, was auf ihnen stehe. Es ist ein schönes Bild eines Mannes, der in seine Arbeit hineingewachsen ist. Aber woher weiß der Autor, dass das zutrifft? Hat es ihm der Postbote erzählt? Stellt es sich der Reporter so vor? Darf er das?

          Elena Witzeck
          Redakteurin im Feuilleton.

          Normalerweise dient der einmal im Jahr beim „Spiegel“ tagende Workshop des Reporter-Forums dem Blick in die Zukunft des journalistischen Schreibens. In diesem Jahr verschob das Journalisten-Netzwerk das Treffen, an dem rund zweihundert Journalisten teilnahmen, um drei Monate nach vorn und stellte es unter das Motto „Vertrauen verspielen, Vertrauen gewinnen“. Nach dem Bekanntwerden der Betrugsaffäre um den Geschichtenerzähler Claas Relotius ist der Bedarf, über die Grenzen des Zulässigen zu diskutieren, groß. Aber auch der an Aufklärung.

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