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Was hat der Präsident geangelt? : Putins Fischzug

  • -Aktualisiert am

Wie groß ist der Fisch? 21 Kilo soll das Tier gewogen haben, das Präsident Putin am 20. Juli präsentierte Bild: AFP

Stolz zeigt sich der russische Präsident mit seinem jüngsten Fang. War der Hecht von 21 Kilo eine eher leichtgewichtige Beute? Wie die russische Netzszene über den Zauberfisch diskutiert.

          Russland kann ruhig weiterdämmern, ein Machtvakuum ist nicht in Sicht. Wie Wladimir Putins jüngster sibirischer Urlaubsgruß versichert, ist er nach wie vor der Stärkste, die politische Führungsspitze einträchtig, und die schönsten Ferienorte liegen im russischen Heimatland. Auf dem im fernöstlichen Tuwa entstandenen Angelvideo, das im russischen Staatsfernsehen gesendet wurde, sieht man, wie das Staatsoberhaupt mit Premierminister Medwedjew, dessen Verhältnis zu Putin als zerrüttet galt, sowie Verteidigungsminister Schoigu, dem einzig populären Funktionär, der deshalb als Nachfolger Putins gehandelt wird, vertraut über einen prachtvollen Bergsee schippert.

          Plötzlich hat Putin, fast wie im russischen Märchen vom Dummkopf Emelja, einen mächtigen Hecht am Haken und hievt ihn mit Hilfe seines Assistenten an Bord. „Eine echte Trophäe“, freut sich der Präsident und küsst das Raubtiergesicht seiner Beute, die offiziell 21 Kilo wog. Die Fischfrikadellen, zu denen der Kombüsenchef sie verarbeitete, sollen, wie Putins Pressesprecher Peskow meldet, „äußerst schmackhaft“ gewesen sein.

          Ein rätselhafter Schmatzer

          Doch auch die Netzszene lässt sich das Anglerlatein des Kremls auf der Zunge zergehen. Das vermeintlich frische Bildmaterial sei in Wahrheit eine Konserve, mokiert sich der Blogger Andrej Malgin, der das jetzige Outfit des Präsidenten mit feldgrüner Militärhose, schwarzer Armbanduhr und Sportsonnenbrille genau so an ihm schon gesichtet haben will, nämlich bei Putins Sibirientrip mit Prinz Albert von Monaco vor sechs Jahren. Der Geschäftsmann Alfred Koch, selbst ein erfahrener Angler, erkennt an den Bildern, dass Putins meterlanger Hecht allenfalls zehn, elf Kilo wiegen konnte, keineswegs das Doppelte, wie Peskow behauptet. Das meiste Rätselraten löst aber der Kuss aus, den Putin seinem prachtvollen Opfer auf die blutige Wange drückte.

          Putin erweise sich damit als orthodoxer Ritter, erklärt der patriotische Internet-Nutzer „Not_a_fan“, denn er erweise einem Gegner, der ihm im ehrlichen Zweikampf unterlag, die Ehre. Dass der Zweikampf überhaupt stattfand, bezweifeln andere Blogger, die aus der Videoschnitttechnik schließen, dass Spezialtaucher den Riesenfisch an Putins Angelhaken hängten. Aufmerksame Beobachter wollen bemerkt haben, dass Putin dem Hecht etwas zugeflüstert und der zur Antwort mit dem Maul gezuckt habe.

          Ob man, wie im Märchen, Zwiesprache hielt? Die Volksdichtung lässt den Hecht seinen Bezwinger Emelja um die Freiheit bitten, wofür er dem Mann dann jeden Wunsch erfüllt und ihn schön, stark und mächtig macht. Putin ist das alles freilich schon. So kriegt der Zauberfisch im aktuellen Märchen nur noch einen Kuss als Dankeschön.

          Kerstin Holm

          Redakteurin im Feuilleton.

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