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Springer und Facebook : Gatekeeper

Mathias Döpfner, BDZV-Präsident und Vorstandsvorsitzender der Axel Springer SE Bild: dpa

Der Deal, den sein Verlag mit Facebook abgeschlossen habe, sei ein Meilenstein für die ganze Branche, sagt Springer-Chef Mathias Döpfner. Doch davon muss er die anderen Verlage erst einmal überzeugen.

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          Erst Springer und Facebook, dann alle anderen und Facebook. Montag gab der Springer-Verlag seinen Premium-Deal mit dem Social-Media-Konzern bekannt, Dienstag tat Facebook kund, dass sein Pressepartnerprogramm „Facebook News“ (an dem auch der Verlag der F.A.Z. teilnimmt) nun auch in Deutschland startet, mit 35 Verlagen und hundert Medienmarken. Perfektes Timing.

          Doch ob der mutmaßlich lukrative Deal, den sein Haus mit Facebook abgeschlossen hat, tatsächlich ein strategischer Meilenstein für die ganze Branche und nicht nur für seinen eigenen Verlag ist, wie der Springer-Vorstandsvorsitzende Mathias Döpfner sagte und wie es an dieser Stelle hieß, muss sich noch erweisen.

          Das hängt davon ab, ob der Springer-Dienst „Upday“, der zum Missfallen der anderen Verlage als Kurator für auf Samsung-Geräten ausgespielte Presseinhalte bei „Facebook News“ dient, diesen Job als ehrlicher Makler versieht oder Inhalte der eigenen Marken bevorzugt. Facebook nimmt für sich in Anspruch, dass die „Upday“-Kuratoren kontrolliert würden und der Nachrichtenfluss letztlich per Algorithmus gesteuert werde.

          Doch wird Springer-Chef Döpfner in seiner Eigenschaft als Präsident des Verlegerverbands BDZV für Transparenz sorgen und erklären müssen, worin hier der Vorteil für alle bestehen soll. Er wird das Misstrauen zerstreuen müssen, dass die Verlage nicht einen Gatekeeper – wie Google oder Facebook – gegen den anderen – Springers „Upday“ – eintauschen. Er muss die Transparenz, die er von Digitalkonzernen fordert, selbst herstellen.

          Nur dann wird das Versprechen eingelöst, durch die Stärkung der freien Presse insgesamt leiste man einen Dienst für die Demokratie. Das hinzubekommen ist für die Branche auch deshalb von Bedeutung, weil der öffentlich-rechtliche Rundfunk, der trotz der Klagen über die vorerst ausgebliebene Erhöhung des Rundfunkbeitrags keine Geldsorgen kennt, sich relativ schnell zu einer Online-Plattform entwickelt, die nicht nur den Privatsendern Konkurrenz macht, sondern mit ihrem großen Informationsangebot vor allem den Presseverlagen. Deren Zukunft wird nur gesichert, wenn der gemeinsame Gewinn den des größten Players im deutschen Pressewesen überwiegt.

          Michael Hanfeld
          verantwortlicher Redakteur für Feuilleton Online und „Medien“.

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