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Marx und die Frauen : Im Kapitalismus gedeiht der Sexismus

Poster für die erste Ausgabe der Zeitung „The Suffragette“ zwischen 1910 und 1915 Bild: Picture-Alliance

Wenn Rechte über Lehren klagen, die alles verderben, nennen sie neben dem Sozialismus gern den Feminismus. Zufall?

          5 Min.

          Eine neue Idee zu sozialen Geschlechterbelangen hatte Marx nicht anzubieten. In der Frage der Frauenemanzipation stellte er sich anständigerweise in eine Tradition, deren Ideenkern sein Freund Engels in „Herrn Eugen Dührings Umwälzung der Wissenschaft“ (1877) den kanonischen Ursprung zuweist: „Der französische Sozialist Fourier spricht es zuerst aus, dass in einer gegebenen Gesellschaft der Grad der weiblichen Emanzipation das natürliche Maß der allgemeinen Emanzipation ist.“ Unter dieser „allgemeinen Emanzipation“ versteht Engels, ganz wie Marx in seiner „Kritik der Hegelschen Rechtsphilosophie“ (entstanden 1843/44), die Abschaffung aller Verhältnisse, in denen „der Mensch ein erniedrigtes, ein geknechtetes, ein verlassenes, ein verächtliches Wesen ist“. Unter die Bestimmung „Mensch“, wie Marx sie hier gebraucht, fallen auch Frauen, Portugiesen und alle Eishockeyspieler (Stichwort „Universalismus“).

          Dietmar Dath

          Redakteur im Feuilleton.

          Wer diesen Regenschirm zu groß findet, wird sich spezielle Mützen aufsetzen müssen, wenn es gießt, darunter antirassistische, altersgruppenspezifische oder eine, der ein ausgezeichnetes Sonderheft der Zeitschrift „Das Argument“ aus dem Jahr 2015 unter dem Titel „Wege des Marxismus-Feminismus“ gewidmet ist, wobei das Bindestrichwort der Herausgeberinnen Frigga Haug und Ruth May selbstbewussterweise ein bisschen nach „Marxismus-Leninismus“ klingt – wohl auch, damit alle, denen die ernsthafte Umwälzung des Vorhandenen grundsätzlich ein bisschen zu heiß ist, gleich von vornherein dem Kongress fernbleiben, den das Buch verschriftlicht – mit weltweiten Übersichtsartikeln zwischen staatsbürgerlichen und privathaushaltsbezogenen Konfliktfeldern, die, wie Frigga Haug schreibt, auf nichts Bescheideneres hinauswollen als auf die „marxistische Refundierung des Feminismus“ und die „feministische des Marxismus“.

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