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Architektur der Trump Towers : Ein goldener Mittelfinger für das Weiße Haus

  • -Aktualisiert am

Außen zieren Trump-Tower gemeinhin Fassaden aus Sandstein und dünnem Klinker im gediegenen Business-Look, so wie hier in der Fifth Avenue. Bild: AP

Jetzt ist es offiziell: Der Immobilienmogul Donald Trump tritt für die Republikaner gegen Hillary Clinton an. Was verraten seine Häuser über ihn – und über seine Vorstellungen, wie Amerika aussehen soll?

          6 Min.

          Wenn man nur den Botschaften vertraut, die man an Amerikas Autos und in den Fenstern amerikanischer Häuser zu lesen bekommt, dann könnte man denken, bei den Präsidentenwahlen im November trete Donald Trump gegen den Sozialutopiker Bernie Sanders an: Die alten Hondas der Studenten haben ausbleichende Bernie-Aufkleber an der Stoßstange, schwere Trucks eher Trumps „Make America Great Again“-Sticker. In den Straßen von New York, an der Ecke von 9.Avenue und 14.Straße zum Beispiel, kleben überlebensgroße „Bernie“-Buchstaben in den Fenstern, und wenn man weiter nach Nordosten fährt, in die Washington Heights, dann wundert man sich, dass sogar hier, wo die meisten Bewohner spanischsprachig sind, so viele Trump-Aufkleber in den Fenstern kleben.

          Niklas Maak

          Redakteur im Feuilleton.

          Nun gibt es auch Demokraten, die Trump heimlich mögen, weil er das Establishment der Republikaner auf unterhaltsame Weise ihrem nach langen Jahren Obstruktionspolitik gegen Obama wohlverdienten Untergang zugeführt hat. Sie mögen Trump so, wie die Leute einen bösen Hund mögen, der den Garten des verhassten Nachbarn verwüstet. Aber „Latinos for Trump“? Frage an einen spanischsprechenden Ladenbesitzer an der St.Nicholas Avenue: Es heiße doch immer, Trump und die Latinos, das sei keine Liebesgeschichte. Daraufhin der Ladenbesitzer: Was denn hier „Latino“ heiße? Er komme aus Puerto Rico, die ganze Familie verdiene in Trump-Türmen ihr Geld, und Trump sei vor allem gegen die Mexikaner, und das sei er auch, also bitte...

          Er etablierte lange vor dem sogenannten Sankt-Moritz-Russengeschmack eine orientalisch-oligarchische Ästhetik deutlich sichtbaren Neureichtums: Die Lobby des Trump Tower in New York.

          Die neuen „Trump Place“-Türme, von denen der Ladenbesitzer sprach, stehen direkt am Hudson River, zwischen der 59. und der 72. Straße. Früher war diese Gegend der Stadt, die Riverside South, ein Industriegebiet. Trump wollte hier schon in den siebziger Jahren eine „Television City“ mit Studios, Shopping Mall und teuren Apartments bauen, aber erst vor kurzem wurde das Drei-Milliarden-Dollar-Projekt fertiggestellt. Die Kaufpreise für eine Wohnung starten bei mehr als 20000 Dollar pro Quadratmeter. Proteste gegen die Luxusapartments haben dazu geführt, dass immerhin zwölf Prozent der Wohnungen affordable sein müssen.

          Sie könnten überall stehen

          Daraufhin bauten die Developer des One Riverside Park Building allerdings separate Eingänge für die Armen, um die Besserverdiener im Vorderhaus nicht mit dem Armes-Amerika-Aussehen der Hintersassen zu belästigen, was selbst im abgehärteten New York für eine Debatte sorgte. Auch ließ sich Trump überreden, die Pflege eines öffentlichen Parks finanziell zu übernehmen. Aber dieser Park sei, so der Abgeordnete Jerry Nadler, „bloß ein zig Millionen teurer Hofgarten für die Leute, die sich Wohnungen in den Türmen leisten können“. Dass das populäre New York hier „great again“ wird, kann man eher nicht sagen.

          Es ist ein Phänomen, das noch kommende Generationen beschäftigen wird, wie ausgerechnet ein Mann, der mit rücksichtsloser Immobilienpolitik seine Milliarden gemacht und ganze Bevölkerungsgruppen aus den Innenstädten herausgentrifiziert hat, zum politischen Hoffnungsträger all derer werden konnte, die der großen Immobilienkreditkrise von 2008 zum Opfer gefallen waren: der Immobilienmogul als Retter einer vom Immobilienwahnsinn zerstörten Nation.

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