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Tierische Archäologie : Was die Schildkröte über Pompeji erzählen kann

Die Überreste einer Landschildkröte mit einem Ei in ihrem Inneren Bild: AP

In den Trümmern des antiken Pompeji sind die Überreste einer Schildkröte ausgegraben worden: Ein wichtiger Fund, der Zeugnis ablegt über die letzten Lebensjahre der untergegangenen Stadt.

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          Das antike Pompeji war, bevor es im Jahr 79 n. Chr. durch den Ausbruch des Vesuvs begraben wurde, eine pulsierende Stadt, die mit den Folgen des schweren Erdbebens beschäftigt war, das siebzehn Jahre zuvor viele Häuser beschädigt und zerstört hatte.

          Andreas Rossmann
          Freier Autor im Feuilleton.

          Auch die mit Mosaikfußböden und Wandmalereien prächtig ausgestattete Domus an der repräsentativen Hauptstraße Via dell’Abbondanza lag in Trümmern, und da der Eigentümer sie aus bisher unbekannten Gründen nicht wiederaufbauen wollte, wurde das Grundstück später für die Erweiterung der Stabianer Thermen genutzt.

          Davor aber lag es, so die Erkenntnisse einer von der DFG geförderten Ausgrabungskampagne, länger brach, und die jüngste Entdeckung, die Archäologen der FU Berlin und der Universität Neapel L’Orientale hier gemacht haben, kann dafür einen Überraschungszeugen präsentieren: Eine Schildkröte hatte in die aufgegebenen Räume eindringen und sich ungestört einen Unterschlupf graben können.

          Zum Vorschein kamen die Überreste des vierzehn Zentimeter langen Reptils, das es ausgewachsen auf zwanzig bis vierundzwanzig Zentimeter bringt, unter Schuttbergen, die vor der Wiederinbetriebnahme der stillgelegten Werkstatt angehäuft worden waren.

          Es ist nicht die erste Schildkröte, die in Pompeji auftaucht, doch dass sie sich nicht in einem Garten herumtrieb, ist bemerkenswert. Hier „in einer geschützten Ecke das Ei abzulegen“, sei dem Tier, so erklärt die Anthropologin und Bioarchäologin Valeria Amoretti, „misslungen und habe möglicherweise den Tod verursacht“.

          Gabriel Zuchtriegel, der Direktor des Archäologischen Parks, spricht von einem wichtigen Fund, „der ein Fenster zu den letzten Lebensjahren der Stadt öffnet“, in denen sich ihr Ökosystem verändert habe: „Offensichtlich sind nicht alle Häuser wiederaufgebaut worden, und selbst zentrale Bereiche der Stadt wurden kaum frequentiert, so dass sie zum Lebensraum für wilde Tiere wurden; gleichzeitig zeugt der Ausbau der Thermen von der großen Zuversicht, mit der Pompeji nach dem Erdbeben durchstartete, um dann an einem einzigen Tag vernichtet zu werden.“

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